Roadtrips sind einfach genau mein Ding! Als Selbstfahrer in einem fremden Land völlig individuell unterwegs sein zu können, alle Entscheidungen über Route, Stops und Quartiere selber zu treffen sowie einfach dort anhalten oder fotografieren zu können, wo es schön oder interessant ist, gehört einfach zu meinen absoluten Lieblings-Reisearten.

Nach unseren beiden großen Roadtrips durch die USA und Osteuropa ging es im Sommer 2018 nun mit dem Mietwagen durch Westaustralien, dort entlang, wo das Outback den Ozean küsst. Ganz bewusst haben wir uns für unseren ersten Roadtrip durch Australien für die weniger besuchte Westküste anstelle der bei Touristen viel beliebteren Ostküste entschieden. Da wir zur Haupt-Reisezeit im Juli/August unterwegs waren, hätten wir vermutlich viele Attraktionen mit tausenden anderen Reisenden teilen müssen, wir wollen die Natur und abgelegene Orte aber lieber so unabhängig und einsam wie möglich erkunden!

In diesem Beitrag nehme ich euch mit auf unsere dreiwöchige Reise zu unglaublich roten Felsen, über hunderte Kilometer offroad zu abgelegenen Naturparadiesen, zu den australischen Ureinwohnern und in die wenigen großen Städte an der australischen Westküste. Natürlich wieder mit vielen Insider-Tipps zu Entfernungen, Nationalparks, Straßenverhältnissen, Unterkünften und ganz besonderen Orten auf unserer Route.

Perth → Nambung NP → Jurien Bay (220 Kilometer)

Am ersten Tag unseres Roadtrips liegt eine 220 Kilometer Etappe von Perth zum Nambung Nationalpark vor uns. Ich sitze zum ersten Mal am Steuer eines Wagens, der das Lenkrad auf der rechten Seite hat, entsprechend konzentriert fahre ich aus der Großstadt hinaus. Doch schon bald lassen wir die letzten städtischen Wohngebiete hinter uns und fahren auf dem Indian Ocean Drive Richtung Norden. Wir hatten uns vorgenommen, noch bei einem Supermarkt zu halten, eine Kühlbox sowie einige Nahrungsmittel und Getränke zu besorgen, doch ziemlich bald bemerken wir, dass es in Australien, anders als etwa in den USA, nicht alle 50 Kilometer entlang einer Hauptstraße einen riesigen Mega-Store gibt. Daher fahren wir beim kleinen Örtchen Lancelin ab, kaufen in einem winzigen Supermarkt ein, und erstehen nach einiger Fragerei in einem Hardware-Store auch eine Kühlbox.

Am frühen Nachmittag erreichen wir dann unseren ersten Nationalpark, den Nambung NP. Im Visitor Center besorgen wir uns zunächst den Holiday Pass für Western Australia. Dieser Pass kostet $44 und erlaubt uns für 4 Wochen Einlass in alle Nationalparks im Staat Westaustralien. Bei einem üblichen Eintrittspreis von $12 pro Auto pro Nationalpark lohnt sich die Anschaffung also für alle, die mehrere Nationalparks besuchen wollen.

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Die sogenannten „Pinnacles“ im Nambung NP.

Danach machen wir uns auf den 4 Kilometer langen Scenic-Drive durch die surreale Landschaft des Nambung NP. Im Mittelpunkt stehen hier die bis zu vier Meter hohen verwitterten Kalksteinsäulen, versteinerte Pflanzenwurzeln, die sogenannten Pinnacles. Immer wieder halten wir an, steigen aus dem Wagen aus und fotografieren entlang der Sandpiste, die durch das Gebiet führt, laufen Dünen auf und ab und begeistern uns für die verschiedensten Formationen der Steinsäulen – ein fantastischer Beginn unseres Roadtrips!

Quartier: Jurien Bay Motel Apartments (1 Nacht).

Jurien Bay → Pink Hutt Lagoon → Kalbarri NP (350 Kilometer)

Am zweiten Tag fahren wir weiter Richtung Norden mit dem Ziel Kalbarri Nationalpark. Leider ist es in dem Teil Australiens zu dieser Jahreszeit oft bedeckt, regnerisch und ziemlich windig, so auch heute. Nur hier und da blitzt der Indische Ozean hinter einer Düne am Straßenrand durch. Bei Gregory lohnt sich dennoch ein kurzer Abstecher zur Hutt Lagoon, einem See, der, durch Algen verursacht, pinkfarben schimmert.

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Pink Hutt Lagoon bei Gregory.

Bereits 15 Kilometer vor dem Ort Kalbarri beginnen dann linker Hand die ersten Abzweige zu den spektakulären Küsten/Klippen-Lookouts wie Natural BridgeCastle Cove und Island Rock, die bereits zum südlichen Teil des Kalbarri Nationalparks gehören. Es folgt ein Abzweig zur Eagle Gorge, einer zum Pot Alley sowie ein weiterer zum Mushroom Rock. Wir entscheiden uns aus dem Bauch heraus für den Pfad zum Red Bluff-Lookout, was sich als absolut genial herausstellt. Wir parken unseren Wagen am Ende des einsamen Pfads und steigen dann mit Kamera und Stativ die Klippen zum tosenden Ozean hinab. Die Wellen sind riesig, und ich habe immer wieder Sorge, dass eine Monster-Welle über die vorstehenden Klippen schlägt und uns erfasst. Doch dann bin ich einfach nur fasziniert von diesen unglaublichen Farben!

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Küsten-Panorama vom Red-Bluff-Lookout im Kalbarri NP.

Danach fahren wir noch am Jakes Point ab und entdecken im hohen Gras eine ganze Känguru-Kolonie. Nicht wissend, dass wir auf der gesamten Reise nie wieder so viele Kängurus auf einmal sehen werden, schieße ich leider viel zu wenige Fotos! Anfänger-Fehler!

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Kängurus im Kalbarri NP.

Am nächsten Vormittag machen wir uns auf in den nördlichen Teil des Nationalparks. Hier gibt es verschiedene Wander-Möglichkeiten zu Lookouts und interessanten Felsformationen entlang des Murchison River. Die spektakulärste Aussicht hat man wohl beim Nature´s Window, das man nach einem etwa einen Kilometer langen Trail erreicht.

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Nature´s Window mit Blick auf den Murchison River im Kalbarri NP.

Quartier: Kalbarri Blue Ocean Villas (1 Nacht). Im Nachhinein betrachtet hätten wir uns für den Kalbarri NP mehr Zeit nehmen sollen! Ich empfehle, hier mindestens zwei Nächte zu bleiben.
Restaurant-Tipp: Das beste Fish & Chips gibt’s bei „The Jetty Seafood Shack“!

Kalbarri → Carnarvon (475 Kilometer)

Zum ersten Mal auf diesem Roadtrip liegt eine richtig lange Tages-Etappe vor uns, zunächst 80 Kilometer Richtung Osten und dann schlappe 395 Kilometer geradeaus Richtung Norden bis zum Örtchen Carnarvon. Und zum ersten Mal bemerken wir das „Nichts“ entlang der australischen Straßen. Gibt es in den USA alle 20-30 Kilometer etwas Spannendes zu fotografieren, sei es die unglaublich weite Landschaft oder einfach nur Schrott, gibt es hier rein gar nichts außer rötlichem Sand und ein paar dürren Sträuchern. Da ist ein überdachter Wassertank nach 300 Kilometern schon echt spektakulär, und ich steige voll in die Eisen, um dem inzwischen bereits total gelangweilten Daniel ein bisschen Abwechslung zu gönnen 😉

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Einzige „Attraktion“ am Straßenrand auf der Strecke Kalbarri NP – Carnarvon.

Die restlichen Kilometer fliegen so dahin, und am Nachmittag erreichen wir Carnarvon, ein nur 4550 Einwohner zählendes Städtchen, welches einfach als kurze Zwischenstation auf unserem Trip herhalten soll. Doch bereits bei der Ortseinfahrt erblicken wir ein auffälliges Objekt am Horizont, eine riesige Satellitenschüssel. Neugierig fahre ich darauf zu, und wir entdecken hier einen fantastischen Lost-Place, ein Gelände, welches eine wichtige Rolle im Apollo-Programm der NASA spielte.

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Lost Place Satellitenschüssel in Carnarvon.

Quartier: Best Western Hospitality Inn Carnarvon (1 Nacht).
Restaurant-Tipp: Restaurant im Carnarvon Hotel – angeblich das einzig brauchbare Restaurant weit und breit.

Carnarvon → Coral Bay → Exmouth (390 Kilometer)

Am vierten Tag unseres Roadtrips gelangen wir so langsam in die wärmeren Gefilde des australischen Kontinents. Daher biegen wir nach 240 Kilometern Fahrt über den bisher sehr gut ausgebauten North-West Coastal Highway, ab zum Küstenort Coral Bay. Das kleine Örtchen, welches nur aus etwa 20 Häusern, einem Resort-Hotel, zwei Restaurants und zwei Caravan-Parks besteht, ist zwar ziemlich touristisch, hat aber einen traumhaften Strand, von dem aus man auch das Ningaloo Reef erreicht. Das Korallenriff, welches tatsächlich ungewöhnlich nah vor der Küste liegt, gehört mit seiner großen Artenvielfalt zum UNESCO Weltnaturerbe, und wir wollen hier ein bisschen baden und schnorcheln gehen. Schnorchelausrüstung und Neoprenanzüge, Glasbodenboote und Kanus, um die Unterwasserwelt zu erkunden, stehen übrigens gegen eine Leihgebühr bereit.

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Küste mit vorgelagertem Ningaloo Reef in Coral Bay.

Nach zwei Stunden setzen wir dann am Nachmittag unsere Tour noch über 150 Kilometer fort bis nach Exmouth. Von dort erkunden wir in den kommenden zwei Tagen den wunderschönen Cape Range Nationalpark, zu dem ich einen separaten, ausführlichen Beitrag verfasst habe.

Quartier: Ningaloo Bed & Breakfast (2 Nächte).

Exmouth → Nanutarra (375 Kilometer)

Die Tour von Exmouth und dem angrenzenden Cape Range Nationalpark an der Küste zu unserem nächsten Ziel im Outback, dem Karijini Nationalpark, war der einzige Streckenabschnitt, auf dem wir den Nachteil gespürt haben, nicht in einem Camper unterwegs zu sein. Denn es gibt auf 600 Kilometern eigentlich keine nennenswerte Unterkunft! Die einzige Möglichkeit, die Nacht nicht im Auto verbringen zu müssen, war daher das Nanutarra Roadhouse. Roadhouses stellen im Outback Australiens häufig die einzigen Versorgungsposten für den Durchgangsverkehr und für Reisende dar. Sie sind Tankstelle, Werkstatt, Supermarkt, Restaurant und Café, und bieten mit Campingplätzen und angeschlossenen Motels oder einigen Wohn-Containern außerdem häufig eine Übernachtungsmöglichkeit direkt am Highway. Es wurde eine besondere Nacht und wieder eine völlig neue Reiseerfahrung für uns. In diesem Beitrag über das Nanutarra Roadhouse berichte ich ausführlich davon.

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Straßenkunst und Landschaft beim Nanutarra Roadhouse.

Quartier: Nanutarra Raodhouse (1 Nacht).

Nanutarra → Karijini NP (275 Kilometer)

Mit einem etwas mulmigen Gefühl setzen wir unseren Roadtrip am heutigen Tag fort. Nicht wegen des recht einfachen Frühstücks im Roadhouse, sondern weil wir bei der kurzfristigen Recherche zu unserem nächsten Ziel herausgefunden haben, dass uns im Karijini NP nicht nur leuchtend rote Felsen, spektakuläre Schluchten, Wasserfälle sowie natürliche Pools und Flüsse mit kaltem, kristallklarem Wasser erwarten, sondern angeblich auch freiliegende Asbest-Adern. Denn bis 1996 wurde in der Yampire Gorge mitten im Nationalpark jahrelang extrem giftiges Blauasbest abgebaut! Durch den dadurch entstehenden Staub kamen hier viele Menschen durch Krebs als Spätfolge ums Leben und das kleine, angrenzende Städtchen Wittenoom ist eine vom Asbest-Staub kontaminierte Geisterstadt. Durch die voranschreitende Erosion liegen auch heute noch Asbest-Adern im Gestein der Yampire Gorge, der Wittenoom Gorge und der bei Touristen beliebten Dales Gorge frei. Wir haben hin und her überlegt, wie große die Gefahr sein kann, uns dann aber letztendlich doch für den Besuch des Nationalparks entschieden. Die belasteten Schluchten wollen wir jedoch meiden.

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Ein Schild weist vor der Wanderung in die Dales Gorge auf hier offen liegende Asbest-Adern hin.

Über tiefrote Schotterpisten, die zum Teil nur von Allradfahrzeugen befahren werden dürfen, bewegen wir uns im Nationalpark fort. Und besonders die Wanderung durch die Hancock Gorge, eine der tiefsten und schmalsten Schluchten im Park, hat uns absolut fasziniert:

Zunächst geht es über große Felsen, Steine und eine Leiter bergab in die Schlucht. Danach folgen wir dem Wasserlauf, bis das Wasser immer tiefer wird. Irgendwann haben wir die Wahl, Klamotten ausziehen und weiter schwimmen, oder am steilen Felsvorsprung entlang klettern. Da wir unsere Kameras unbedingt weiter mitnehmen wollen, entscheiden wir uns fürs Klettern.

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Wir klettern in der Hancock Gorge rechts oberhalb des Wassers entlang und bleiben komplett trocken.

Am Anfang ist das noch recht gemütlich, wenn man keine Höhenangst hat, doch spätestens beim Spider Walk, wo die Schlucht nur noch 1-1,50 Meter breit ist, wird es spannend und richtig anstrengend. Mit beiden Händen und beiden Füßen stemmen wir unser Körpergewicht oberhalb des tosenden Wassers immer tiefer in die Schlucht, bis wir den spektakulären, türkisblauen Kermit Pool erreichen. Die meisten der ohnehin wenigen Menschen, die sich in diesen Nationalpark verirren, geben vor dem Spider Walk auf, sodass wir den Pool am frühen Vormittag zum Schwimmen und Fotografieren fast 30 Minuten für uns alleine haben, einfach gigantisch!

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Spider Walk und Kermit Pool in der Hancock Gorge.

Quartier: Glamping-Zelt im Karijini Eco Resort (2 Nächte).
Achtung: Im Nationalpark und auch in der Lodge gibt es weder Handy- noch Internetempfang!

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Sonnenuntergang im Karijini NP.

Karijini NP → Port Hedland (360 Kilometer)

Nach unserem ersten Outback-Abenteuer führt uns der asphaltierte National Highway 95 zurück zur Küste, zur Hafenstadt Port Hedland. Sie ist einer der weltweit wichtigsten Umschlagplätze für Eisenerz, welches per Eisenbahnen aus den umliegenden Mienen angeliefert und über den Hafen verschifft wird.

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Einer der berühmt berüchtigten Road-Trains in Westaustralien.

Und so machen wir auf der Fahrt nicht nur Bekanntschaft mit überdimensionalen LKW-Frachtern, den in Australien typischen Road-Trains, sondern auch mit kilometerlangen Eisenerz-Zügen, die von bis zu drei Diesel-Lokomotivpaaren gezogen werden. Vom Redbank Bridge Lookout kurz vor dem Hafen kann man diese Monster-Züge beobachten und Waggons zählen. Mit einer Führung hätte man wohl auch das Hafengelände besichtigen können, doch hierfür fehlte uns leider die Zeit.

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Umschlagplatz Hafengelände in Port Hedland.

Quartier: The Lodge Motel South Hedland (1 Nacht).

Port Hedland → Broome (605 Kilometer)

Habt ihr schon einmal von eurem Navi angezeigt bekommen, 580 Kilometer geradeaus zu fahren?! Willkommen in Australien! Am 10. Tag unseres Roadtrips steht mit 605 Kilometern von Port Hedland nach Broome eine der längsten Tages-Etappen unserer Tour an. Und heute war ich zugegebener Maßen richtig enttäuscht! Vorgestellt hatte ich mir nämlich an dieser Stelle eine unvergessliche Fahrt auf dem Great Northern Highway entlang des Indischen Ozeans. Klangvolle Namen wie der Eighty Mile Beach versprechen spektakuläre Ausblicke auf Strand und Meer, ähnlich einer Tour auf dem Highway No. 1 in Kalifornien. Die bittere Wahrheit ist: Ihr seht den Ozean auf dieser Strecke kein einziges Mal, denn die Küste ist etwa 30-40 Kilometer vom Highway entfernt! Stattdessen viel roter Sand, viel verbrannte Erde und vertrocknet braun-grüne Büsche. Außerdem kommen Tierkadaver hinzu, Kängurus, Dingos und unzählige Rinder, angefahren von den überdimensionalen Road-Trains. Mit aufgeritzten Leibern, herausquellenden Innereien und alle Viere von sich gestreckt liegen sie verwesend direkt neben der Straße. Das ist nichts für empfindsame Augen und Nasen!

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Kuhkadaver am Straßenrand. Foto: Daniel Häker

Quartier: The Court House Bed & Breakfast Broome (1 Nacht).
Tipp: Um diese Etappe wirklich genießen und ggf. einige Abfahrten vom Highway zu schönen Stränden machen zu können, empfehle ich, euch mindestens 2-3 Tage Zeit zu nehmen für die Strecke Port Hedland – Broome!

Broome → Cape Leveque (220 Kilometer)

Ein richtiger Geheimtipp ist das Cape Leveque auf der Dampier Peninsula. Es ist eine menschenverlassene Gegend nördlich von Broome, die zum angestammten Land der Ureinwohner der Djarindjin- sowie der Ardyaloon-Community gehört, und die nur mit einem allradgetriebenen Fahrzeug über eine unbefestigte, 220 Kilometer lange Offroad-Piste zu erreichen ist. Wir möchten dort, im von der Abroriginal-Community betriebenen Kooljaman Wilderness Camp unterkommen und Brian, einen Aboriginal-Guide treffen, der uns mehr über die einzigartige Natur am Kap und die Lebensweise seiner Vorfahren erzählen wird. Was wir vor Ort tatsächlich erleben, alle Infos zur Streckenbeschaffenheit der Offroad-Piste und Kontakt zum Camp bekommt ihr in meinem gesonderten Beitrag zum Cape Leveque.

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Schneeweiße Strände und Sandbänke am einsamen Cape Leveque.

Quartier: Kooljaman Wilderness Camp (2 Nächte).

Cape Leveque → Broome (220 Kilometer)

Nach drei wunderschönen, abenteuerreichen Tagen an den einsamen Sandstränden des Cape Leveque fahren wir zurück in die Zivilisation nach Broome. Wir frühstücken Eggs Benedict und Pancakes im stylischen The Green Mango Café und werfen dann nebenan einen Blick in das älteste Open-Air-Kino der Welt. Ich mag diese Abwechslung zwischen Abgeschiedenheit und städtischem Leben auf Reisen.

Berühmt ist Broome jedoch für seinen Strand, den 22 Kilometer langen Cable Beach. Benannt wurde er nach dem ersten Telegrafenkabel, welches 1889 zwischen Broome und der indonesischen Insel Java verlegt wurde. Das gesamte Freizeitleben der Stadt spielt sich hier ab, ob Familienpicknick, Hundespaziergang oder Bade- und Surfausflüge. Der Strand darf sogar mit dem Auto befahren werden! Daher machen auch wir uns am Nachmittag auf zum Strand, um das bunte Treiben, inklusive Kameltouren, zu beobachten. Belohnt werden wir am Ende des Tages mit einem wirklich spektakulären Sonnenuntergang.

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Spektakulärer Sonnenuntergang am Cable Beach in Broome.

Quartier: Bayside Holiday Apartments (1 Nacht).

Broome → Halls Creek (685 Kilometer)

Mit der längsten Tages-Etappe unserer gesamten Reise bricht heute die dritte und letzte Woche unseres Roadtrips an. Wir wollen von der Küste noch einmal ins Outback fahren zu den berühmten Bienenkorb-Felsen, den Bungle Bungles im Purnululu Nationalpark.

Halls Creek dient auf dieser Strecke lediglich als Zwischenstation, und die Fahrt ist unglaublich eintönig: Außer einigen Tankstellen, an denen wir vor allem alkoholisierte Aborigines treffen und an denen wir nicht einmal einen einfachen Kaffee bekommen, entdecken wir nicht viel Interessantes.

Der Ort selber ist ein kleines Nest in der ehemaligen Golderzbergbau-Region, der heute überwiegend von Einheimischen des Jaru- und Tjurabalan-Stammes bewohnt wird. Nach dem Einchecken im Hotel fahren wir noch ein bisschen durch die Gegend und sind fasziniert von großen Schwärmen Rosakakadus, die überall auf den Stromleitungen sitzen und miteinander „schwatzen“. Außerdem entdecken wir bei nordwestlicher Ausfahrt über die Mount Amhurst Road einen tollen Sunset-Lookout. Ansonsten herrscht hier ziemliche Tristesse und Armut.

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Rosakakadus in Halls Creek.

Quartier: Kimberley Hotel Halls Creek (1 Nacht).
Tipp: Nur 130 Kilometer südlich von Halls Creek entfernt liegt der aus dem Horrorfilm „Wolf Creek“ bekannte Wolfe-Creek-Krater, der durch einen Meteoriten-Einschlag entstanden ist. Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätte ich den Krater gerne besucht.

Halls Creek → Purnululu Nationalpark (220 Kilometer)

Die folgenden Tage stehen dann ganz im Zeichen der dramatischen Landschaften, der engen Schluchten und der rot-schwarzen, bienenkorbförmigen Sandsteinformationen des Purnululu Nationalparks. Die abgelegene Gegend liegt etwa 60 Kilometer östlich des Great Northern Highway und ist absolut faszinierend! Es gehört eine ganze Portion Abenteuerlust und Mut dazu, die 53 Kilometer Schotterpiste inklusive einiger Flussquerungen zu der unglaublich fotogenen Welt der Bungle Bungles als Selbstfahrer zurück zu legen, aber wir haben es geschafft und es hat sich so gelohnt! Eine gute Beschreibung, wie ihr die Strecke am besten meistert und welche Naturwunder dort auf euch warten, gebe ich in meinem ausführlichen Artikel über den Purnululu Nationalpark.

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Dramatische Landschaften und schwarz-rote Bienenkorbfelsen im Purnululu NP.

Quartier: Bungle Bungle Wilderness Lodge (2 Nächte).

Purnululu Nationalpark → Kununurra (360 Kilometer)

Bereits vor einigen Tagen, als Daniel Rauchsäulen am Horizont bemerkte, hoffte er, ein natürliches Buschfeuer fotografieren zu können. Nach unseren Erlebnissen im Purnululu Nationalpark zurück auf dem asphaltierten Great Northern Highway, war es dann tatsächlich soweit: Das hier so typische Spinnifex-Gras und der Busch links der Straße steht plötzlich direkt neben uns lichterloh in Flammen. Sofort halte ich am Straßenrand, wir springen aus dem Wagen und beobachten und fotografieren ein einzigartiges Naturspektakel.

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Buschfeuer am Straßenrand des Great Northern Highway.

Kununurra im äußersten Nordosten des Bundesstaates Western Australia erreichen wir erst nach Sonnenuntergang. Der Ort dienst uns lediglich als Übernachtungsmöglichkeit.

Quartier: Freshwater Apartments (1 Nacht).

Kununurra → Katherine-Gorge NP (515 Kilometer)

Die letzten Tage unseres Roadtrips stehen an, und heute verlassen wir den Bundesstaat Western Australia und fahren ins Northern Territory nach Katherine. Je weiter wir Richtung Nordosten kommen, desto mehr lassen wir die tiefroten Felsen und die Trockenheit des Outbacks hinter uns. Die Landschaft wird immer tropischer und grüner.

Zunächst fahren wir entlang des großen Victoria River, doch schon bald erblicken wir das kühle Nass des Katherine Rivers. Diesem folgen wir bis in den Katherine-Gorge Nationalpark, denn hier hat der Fluss im Zeitraum von einer Milliarde Jahre einen 12 Kilometer langen Canyon mit 13 Schluchten und bis zu 70 Meter hohen Sandstein-Felswänden in das Arnhem Plateau gegraben. Vom Parkplatz der Edith Falls aus unternehmen wir eine grandiose Wanderung rund um den Wasserfall zu verschiedenen natürlichen Pools, in denen wir uns erfrischen.

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Schluchten und natürliche Pools im Katherine-Gorge NP.

Gerne hätte ich außerdem eine Kajak-Tour durch die verschiedenen Schluchten der Katherine Gorge unternommen, doch dafür fehlte uns leider die Zeit.

Quartier: Pine Tree Motel Katherine (1 Nacht).
Achtung: Im Northern Territory muss man die Uhren 1,5 Stunden vorstellen!

Katherine Gorge NP → Darwin (320 Kilometer)

Eine letzte unspektakuläre Etappe über 320 Kilometer führt uns dann über den für uns nach Wochen der Leere ungewohnt viel befahrenen Stuart Highway in die Hauptstadt des Northern Territory, nach Darwin. Hier endet unsere Sommer-Reise 2018 durch Australien.

Quartier: Argus Hotel Darwin (2 Nächte).

Wissenswertes:

Reisezeitraum? 22. Juli – 12. August 2018

Route? Perth – Nambung NP – Kalbarri NP – Carnarvon – Exmouth – Cape Range NP – Nanutarra – Karijini NP – Port Hedland – Broome – Cape Leveque – Broome – Halls Creek – Purnululu NP – Kununurra – Katherine Gorge NP – Darwin

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Mietwagen? Unseren 4×4-Mietwagen haben wir über Explorer Fernreisen gebucht. Die Kosten beliefen sich auf 1200€ Miete plus 660€ für die Einwegmiete.

Quartiere? Habe ich alle individuell auf dem Portal booking.com gebucht.

Flüge? Onlinebuchung eines Gabelflugs bei Explorer Fernreisen für 1120€ p.P.

Gesamtkosten? Inkl. Flug, Mietwagen, Sprit, Unterkünften, Verpflegung und Eintrittsgebühren haben wir ca. 4000€ p.P. ausgegeben.

Fazit: Unser Roadtrip durch Westaustralien ist ein absolut unvergessliches Erlebnis, und wir haben uns damit einen lange gehegten Traum erfüllt. Wenn ich mir die Fotos so anschaue, bin ich immer wieder total fasziniert von den verschiedenen Orten, die wir alle erlebt haben, und habe den Wunsch, sofort wieder durch Australien zu reisen. Lustiger Weise, denn vor Ort, „on the road“, waren wir manchmal der unglaublichen Entfernungen zwischen sehenswerten Orten, der Ödnis rechts und links der Straße und der immer gleichen roten Felsen etwas über. Dabei lieben wir die Weite und das Nichts eigentlich sehr. Vermutlich haben wir uns für 3 Wochen einfach ein paar Kilometer zu viel vorgenommen. Nach unserer Erfahrung denke ich, 4 Wochen sollte man sich für diese Strecke schon Zeit lassen. Insgesamt würde ich außerdem sagen, dass Westaustralien kein Ziel für Anfänger eines Selbstfahrer-Roadtrips ist. Da gibt es Gegenden in der Welt, wie z.B. in den USA, wo man auf kleinerem Raum deutlich mehr Abwechslung geboten bekommt. Und auch etwas Offroad-Fahrpraxis sollte vorhanden sein, um das Abenteuer Westaustralien wirklich genießen zu können.

Bist du auch so ein Roadtrip-Fan wie ich? Welche Strecken hast du bereits zurück gelegt?
Hinterlasse mit gerne einen Kommentar! Deine Julia