Der Purnululu Nationalpark, auch unter dem Namen „Bungle Bungles“ bekannt, ist einer der jüngsten Nationalparks in Australien. Erst 1987 wurde das Gebiet mit seinen dramatischen Landschaften, den engen Schluchten und den rot-schwarzen, bienenkorbförmigen Sandsteinformationen für Besucher geöffnet und versetzt diese seither in Staunen.

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Bungle Bungles Panorama.

Die Bungle Bungle Hügelkette, seit 2003 Weltnaturerbe der UNESCO, bildet den Mittelpunkt des Parks. Zu ihr gehören die bis zu 250 Meter hohen, von Erosion rundgeschliffenen Türme, die wie Bienenkörbe aussehen und als „Domes“ bezeichnet werden. Die roten Felsen, das grüne Spinifex-Gras und der im australischen Winter stahlblaue Himmel bieten einen spektakulären Farbkontrast und machen die Landschaft sehr fotogen.

Nachdem ich Fotos dieses atemberaubend schönen Naturwunders gesehen hatte, war klar, dass der Nationalpark auf unserem Roadtrip entlang der australischen Westküste nicht fehlen durfte! Allerdings ist die abgelegene Gegend, etwa 60 Kilometer östlich des Great Northern Highway, nicht ganz einfach zu erreichen. Nur mit einem allradgetriebenen Fahrzeug lassen sich die 53 Kilometer Schotterpiste inklusive einiger Flussquerungen zu der verlorenen Welt der Bungle Bungles zurücklegen – ein echtes Abenteuer. Das hat jedoch auch Vorteile, finden sich hier doch vergleichsweise wenige Touristen ein.

Anreise über den Spring Creek Track

Die Einstiegsstelle dieses unbefestigten Tracks liegt 305 Kilometer südlich von Kununurra oder 160 Kilometer nordöstlich von Halls Creek am Great Northern Highway. Wir kommen an diesem Vormittag aus Richtung Süden, als wir das braune Straßenschild mit der Aufschrift „Purnululu Nationalpark“ entdecken.

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Abzweig vom Great Northern Highway auf den Spring Creek Track.

Wir hatten einige Bedenken, was die 53 Kilometer Dirt Road und die bevorstehenden Flussquerungen betraf, da wir als Selbstfahrer unter solchen Bedingungen bisher kaum Erfahrung gesammelt haben, daher sind wir ziemlich aufgeregt: Werden wir und unser Auto die Strecke schaffen?

Zunächst stehen uns viele Kilometer elendiger Wellblechpiste bevor, vorbei an rotbraunen Hügeln und dem im Outback typischen Spinifex-Gras. Ich fahre mit 60-80 km/h über die engen Hubbel, das macht es einigermaßen erträglich. Bei der Geschwindigkeit muss man jedoch auf große Steine oder Unebenheiten im Boden acht geben. Ich versuche mit Adleraugen vorausschauend zu fahren, um möglichst schnell reagieren zu können, das ist extrem anstrengend, macht aber unglaublich viel Spaß, ich spüre ultimative Freiheit! Etwa eine Stunde lang begegnen wir niemandem. Nur hier und da erspähen wir ein paar kleinere Flachnagelkängurus, die mit ihrem hellbraunen Fell in dem trockenen Buschland fast komplett unsichtbar sind. Bisher sind alle Creeks ausgetrocknet.

Als ich darüber schon fast etwas enttäuscht bin, erspähe ich plötzlich vor mir einen Wagen, der langsam durch ein Flussbett rollt. Das Wasser ist nicht besonders tief und wir kommen beide gut durch. Nur wenige Kilometer weiter das gleiche Spiel. Dieses Mal steht das Wasser immerhin auf Höhe unserer Motorhaube, aber auch diese Furt quere ich souverän. Ich bin begeistert von diesem Fahrerlebnis und freue mich wie ein kleines Kind – davon möchte ich mehr –, doch dann sind wir schon am Visitor Center, nach nur etwa 90 Minuten Fahrtzeit.

Fazit: Mit4×4-Fahrzeugen ist die Fahrt in den australischen Wintermonaten (Juli/August) ziemlich unproblematisch und gut machbar!

Ankunft am Purnululu Nationalpark Visitor Center

Jeder muss sich und sein Fahrzeug vor der Einfahrt in den Nationalpark hier am Visitor Center anmelden und eine Gebühr von $12 pro Auto entrichten. Da wir bereits den Holiday Pass für Western Australia besitzen, müssen wir keinen Eintritt mehr bezahlen.

Hinter dem Visitor Center teilt sich der Track in eine nördliche und eine südliche Route zu jeweils verschiedenen Camps und Wandermöglichkeiten: Die 20 Kilometer lange nördliche Strecke führt an steilen, orangefarbenen Felswänden entlang zum Echidna Parkplatz. Die 27 Kilometer lange Südroute führt vorbei am Bellburn Airstrip und endet am Piccaninny Creek Parkplatz, wo sich die berühmten Bienenkörbe, die „Bungle Bungels“, befinden.

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Sehenswerte Felsen am Piccaninny Creek Parkplatz.

Wanderungen im südlichen Teil des Purnululu NP

Da unser Quartier, die Bungle Bungle Wilderness Lodge, an der Südroute liegt, beginnen wir am ersten Tag im Nationalpark mit den Wanderungen, die vom Piccaninny Creek Parkplatz ausgehen. Die Hauptattraktionen dieser Region des Nationalparks sind die Bienenkörbe oder auch „The Domes“, das ausgetrocknete Flussbett des Piccaninny Creek, der Piccaninny Lookout, das Window sowie die Cathedral Gorge.

The Domes Trail (700 Meter Rundwanderung)

Dieser kurze Rundweg ist die kürzeste Wanderung im Nationalpark. Über sandigen Boden führt der Weg direkt vom Parkplatz vorbei an zahlreichen eindrucksvollen, typischen Sandstein-Kegeln.

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Domes und Termitenhügel entlang des „The Domes Trail“.

Da man zum Teil sehr nah an den Sandstein-Formationen vorbei läuft, kann man erkennen, dass es sich hierbei nicht um Felsen, sondern um sehr fragile Gesteinsschichten aus verdichtetem Sand, Steinen und Geröll handelt. Die grauen Steinringe sind die wasserdurchlässigeren Schichten. Wasser sickert in diese Gesteinsschichten und ermöglicht dunklen Algen, hier zu wachsen. Die rote Farbe entsteht durch Mangan- und Eisenoxid, welches die weniger wasserdurchlässigen Steinringe überzieht und sie so vor noch schnellerer Erosion schützt. Man spaziert hier wie durch eine Märchenwelt, einfach wunderschön!

Cathedral Gorge Walk (2 Kilometer hin und zurück)

Wenn man sich wieder zurück auf dem Hauptweg befindet, führt der nächste ausgeschilderte Abzweig nach links in etwa 30 Minuten zur grandiosen Cathedral Gorge. Man läuft an roten, steilen, hohen Felswänden vorbei bis zu einem gewaltigen, aus dem Felsen gewaschenen Kessel, der an die Wände einer Kathedrale erinnert. An dessen Rückseite befindet sich selbst in der Trockenzeit ein Wasserloch.

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Die „Cathedral Gorge“ – akustisches Highlight im Purnululu NP.

Zusammen mit den Schatten spendenden Felsen erlebt man hier eine kühle, frische Oase – ideal zum Picknicken und Singen. Ja, in der Tat, die Felsen bieten eine hervorragende Akustik, probiert es aus! 😉 Danach geht es auf dem gleichen Pfad wieder zurück zum Hauptweg.

Piccaninny Creek Lookout (3 Kilometer hin und zurück)

Hier treffen wir nun auf das trockene, ausgewaschene, furchige Flussbett des Piccaninny Creek, welches alleine schon einen tollen Anblick bietet. Wir können uns kaum satt sehen und fotografieren ausgiebig. Mit jedem Schritt ergeben sich neue Blickwinkel und Fotomotive.

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Das ausgewaschene, trockene Flussbett des Piccaninny Creek.

Nach etwa 300 Metern entlang dem Flussbett weist ein Schild nach rechts den Weg zum Piccaninny Lookout, und nur wenigen Minuten später erreichen wir den Aussichtspunkt. Wir haben den Panorama-Blick auf die berühmten Bienenkörbe ganz für uns alleine, welch ein Glück!

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Ausblick vom Piccaninny Creek Lookout.
The Window (6 Kilometer hin und zurück)

Zurück auf dem Hauptweg entscheiden wir, dem Flussbett weiter bis zum „The Window“ zu folgen. Es ist inzwischen ziemlich heiß, und es gibt keinerlei Schatten. Das Laufen auf dem Geröll im Flussbett ist anstrengend, und man kommt nur langsam voran. Hier und da muss man über Furchen springen oder klettern, um überhaupt weiter zu kommen.

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Der Wanderweg zum „The Window“ führt zum Teil durch die tiefen Furchen des Piccaninny Creek Flussbetts.

Dennoch lohnt sich die Mühe und nach etwa einer Stunde erblicken wir das natürliche, durch Wind und Wetter geformte Fenster in einem Bienenkorb-Felsen.

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„The Window“ im Purnululu NP.
Whip Snake Gorge Walk (10 Kilometer hin und zurück)

Die richtig Wanderbegeisterten unter euch können vom Window noch weiter den Whip Snake Creek entlang laufen, ein weiteres ausgetrocknetes Flussbett mit Felsenkessel am Ende. Wir drehen hier allerdings um, da unsere Wasservorräte bereits knapp werden.

Piccaninny Gorge Trek (30 Kilometer Mehrtageswanderung)

Diese Wanderung ist nur mit Ausrüstung samt Zelten mit ein bis zwei Übernachtungen zu machen. Sie führt weiter den Piccaninny Creek entlang immer tiefer in die Felsschluchten. Wer diesen Trek laufen möchte, muss dies im Visitor Center anmelden und dort einen Notfallsender ausleihen und bei sich tragen.

Wanderungen im nördlichen Teil des Purnululu NP

Im Norden des Nationalparks finden wir eine ganz andere Landschaft vor, mit Palmen bewachsene, steile Felswände und ein Labyrinth von engen Schluchten, das durch Erosion über viele Jahrtausende geschaffen wurde. Von zwei Parkplätzen aus erreicht man u.a. den spektakulären Echidna Chasm sowie die Mini Palms Gorge, eine wunderschöne, besonders farbkräftige Schlucht mit jungen Fächerpalmen.

Der Mini Palms Walk (5 Kilometer hin und zurück)

Am zweiten Tag im Purnululu Nationalpark machen wir uns auf in den Nordteil. Wir parken den Wagen auf dem Bloodwood Parkplatz, um von hier aus in die Mini Palms Gorge zu laufen.

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Ebene zu Beginn des Mini Palms Walks.

Zunächst wandern wir auf einem befestigten Pfad über die Ebene, während die Sonne bereits früh am Morgen erbarmungslos brennt, dann weiter über die losen, großen Steine des ausgetrockneten Flussbetts. Dieses wird allmählich immer enger, riesige Felsbrocken versperren uns den Weg, wir müssen zum Teil kriechen oder klettern – ich bin begeistert, wird mir beim einfachen Laufen doch immer schnell langweilig. Dennoch habe ich das Gefühl, dass der Weg viel länger ist als die angegebenen 2,5 Kilometer. Aber die Vegetation und die feuerroten, senkrechten Felsen sind spektakulär anzusehen.

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Auf dem Weg zur Mini Palms Gorge: steiniges Flussbett, steile feuerrote Felsen und riesige Felsbrocken.

Am Ende des Weges wartet dann, über eine Metalltreppe erreichbar, eine Plattform, von der aus man in die immer enger werdende Schlucht mit den Mini Palms blicken kann. Danach geht es auf dem selben Weg wieder zurück zum Parkplatz.

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Winzige Palmen auf dem Boden der Mini Palms Gorge.

Von der Art des Weges hat mir tatsächlich diese Wanderung von allen, die wir im Purnululu Nationalpark zurückgelegt haben, am besten gefallen!

Der Echidna Chasm Walk (4 Kilometer hin und zurück)

Der große Höhepunkt im Nordteil des Nationalparks ist jedoch der Echidna Chasm. Wir fahren dafür im Anschluss an den Mini Palms Walk zum Echidna Parkplatz und laufen wieder entlang einem knochentrockenen, steinigen Flussbett immer tiefer in die Felsspalte. Die Felswände ragen hier bis zu 200 Metern rechts und links von uns in die Höhe. Zu Beginn ist die Spalte noch 3-4 Meter breit, verengt sich aber letztlich bis auf einen Meter – das ist nichts für Klaustrophobiker!

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Engste Stelle der Echidna Chasm.

Du solltest diese Wanderung so planen, dass du dich Mittags gegen 11.30Uhr in der Felsspalte befindest, denn dann gibt es den nur wenige Minuten dauernden magischen Moment, während dessen die Sonnenstrahlen bis auf den Boden der Schlucht fallen. Die Felsen leuchten dann in allen Farbtönen, von Violett über feuriges Rot bis hin zu hellen Orange- und Gelb-Tönen – wunderschön anzusehen, leider auf Fotos kaum festzuhalten!

Rundflug über die Bungle Bungles

Als krönenden Abschluss unseres Besuchs im Purnululu Nationalpark gönnen wir uns einen Helikopter-Rundflug über das Gebiet der Bungle Bungle Range. Noch nie zuvor haben wir einen Hubschrauber bestiegen, erst recht keinen, der ohne Fenster und Türen daherkommt, damit man aus der Luft einen möglichst unverstellten Blick hat, und so genießen wir fest angeschnallt und mit Kopfhörern ausgerüstet jeden Moment des 42-minütigen Fluges.

Erst aus der Luft erfasst man die wahre Größe dieses riesigen Gebiets rund um die Bienenkörbe, die tatsächlich nur einen relativ kleinen Teil des Nationalparks einnehmen. Wir überfliegen rot-schwarze Felsplateaus, schauen in tiefe Felsspalten und erblicken in der Ferne die unendliche Weite der Kimberley Region – ein unvergessliches Erlebnis!

Info: Die Fluggesellschaft HeliSpirit fliegt direkt im Nationalpark vom Bellburn Airstrip aus. Ihr könnt hier ganz kurzfristig Rundflüge buchen. Ihre Piloten sind bekannt dafür, besonders tief zu fliegen, was vor allem für die Fotografen unter euch interessant ist. Es werden drei Flugrouten zu verschiedenen Preisen angeboten. Unser 42-minütiger Flug ist die längste angebotene Route und kostet AU$ 500 pro Person. Weitere Infos unter „Wissenswertes“.

Wissenswertes:

Reisezeitraum? 6.-8. August 2018

Öffnungszeiten? Der Nationalpark ist nur in der Trockenzeit von April bis etwa Ende November geöffnet, da es im australischen Sommer viel regnet und Teile des Parks überschwemmt sein können.

Anreise? Nur mit einem 4×4 Fahrzeug, da die 53 Kilometer Schotterpiste, die vom Great Northern Highway in den Nationalpark führt, auch einige Flussquerungen bereithält! Der Nationalpark liegt 850 Kilometer nördlich von Broome oder 1120 Kilometer südlich von Darwin.

Kosten? Der Eintritt kostet $12 pro Fahrzeug. Wer mehrere Nationalparks in Western Australia besucht, sollte sich für $44 den Holiday Pass zulegen. Er ist 4 Wochen für alle Nationalparks in WA gültig.

optimale Aufenthaltsdauer? Mindestens 3-4 Tage.

Quartiere? Ohne Camper/Zelt gibt es nur eine sehr begrenzte Zahl von Glamping-Zelten in 3 Lodges im Nationalpark – Wir haben uns die Bungle Bungle Wilderness Lodge gegönnt – traumhaft, mit super Service!

Verpflegung? Wir hatten Halbpension in der Lodge. Ansonsten gibt es im Nationalpark keine Versorgungsmöglichkeit oder Tankstelle! Nehmt genug Wasser, Snacks und Treibstoff mit!

Helikopter Rundflug? Wir haben einen 42-minütigen Rundflug mit HeliSpirit direkt vom Bellburn Airstrip im Nationalpark unternommen – atemberaubend! Kosten $500 pro Person. Es gibt noch zwei günstigere Flug-Routen à 18 und 30 Minuten, siehe folgende Karte:

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Weitere Infos? Auf der offiziellen Website des Purnululu Nationalparks findest du weitere detaillierte Informationen.