Seit drei Monaten arbeite ich als Flötistin beim Odense Symfoniorkester und darf die drittgrößte Stadt Dänemarks als meinen vorübergehenden Wohnort bezeichnen. Mit nur etwa 180.000 Einwohnern ist Odense einigermaßen übersichtlich, braucht sich jedoch hinsichtlich des kulturellen und sozialen Angebots, der Geschäfte sowie der Cafés und Restaurants nicht hinter den größeren Städten des Landes zu verstecken. Im Gegenteil, die recht kleine Größe und das typische dänische Hygge-Lebensgefühl machen die Heimatstadt des berühmten Dichters Hans Christian Andersen zu einem idealen, entspannten Wochenend-Ausflugsziel.

Ich bin an den freien Tagen der vergangenen Wochen, ähnlich wie auf meinen Reisen, immer wieder durch neue, mir unbekannte Ecken der Stadt getigert und habe dabei eine Vielzahl sehenswerter, unterhaltsamer, cooler und gemütlicher Orte in Odense entdeckt, die ich für euch in diesem Blog einmal zusammenfasse:

Auf den Spuren von Hans Christian Andersen

Rund um den Sortebrødre Torv sieht Odense immer noch so aus wie zu Lebzeiten des Märchendichters H. C. Andersen: Winzige, bunte Häuschen mit roten Dächern und hyggelig geschmückten Fenstern, kopfsteingepflasterte Gassen, ein Marktplatz – kurz, es ist der ideale Ort, um mit einem Rundgang durch die Stadt zu beginnen.

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Bunte Häuser im historischen H.C. Andersen Viertel.

Ich bin jedes Mal neu entzückt, wenn ich durch das kleine historische Viertel schlendere. Hier findet ihr nicht nur das H.C. Andersen Museum und sein Geburtshaus, sondern außerdem einen ganzjährig geöffneten Weihnachts-Souvenir-Laden. Die Dänen sind verrückt nach Weihnachten! An den ersten beiden Dezember-Wochenenden verwandelt sich das Viertel daher in ein zauberhaftes Weihnachtsdorf (H.C. Andersen Julemarkedet) mit Marktständen, Unterhaltung, Pferdewagen und historischen Karussells.

Odense Konzerthaus

Am Rande des kleinen Altstadt-Viertels liegt mein momentaner Arbeitsplatz, das „Koncerthus“, in dem das Odense Symfoniorkester zu Hause ist. Das Orchester spielt überwiegend klassisches Konzertrepertoire von Beethoven bis Strawinsky, sehr häufig aber auch Programme mit den bekannten Filmmusik-Hits wie Harry Potter, Star Wars oder Fluch der Karibik. Konzerte finden meistens am Donnerstag und Freitag Abend ab 19:30 Uhr statt, und Karten sind auch kurzfristig an der Abendkasse zu bekommen.

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Das Konzerthaus von Odense.

Aber auch wenn ihr kein Konzert besuchen wollt, montags bis donnerstags probt das Orchester von 10-14Uhr im großen Saal des Hauses, und Zaungäste sind jederzeit willkommen.

Nelle´s Coffee & Wine Overgade

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Vielleicht tatsächlich mein aller liebster Ort in Odense ist dieses kleine Café in der Overgade. Ob zum Frühstück, um einfach einen hervorragenden Kaffee zu genießen, zum Arbeiten am Laptop oder abends auf ein Glas Wein, hier sitzt man zu jeder Tageszeit gemütlich bei Kerzenschein in schickem Ambiente und mit dem Duft frischgemahlenen Kaffees in der Nase.

Tipp: Während der Happy Hour von 17-19Uhr gibt es das Glas Wein zum halben Preis!

Odense Flakhaven

Nach einem guten Kaffee kann das Sightseeing-Programm weiter gehen. Am Flakhaven stehen Odenses Rathaus und Dom. Vor allem, wenn die Sonne scheint, sitze ich gerne auf den langen Bänken vor dem Rathaus und gucke Leute – eine meiner Lieblingsbeschäftigungen unterwegs.

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Am Odense Flakhaven: Rathaus und Dom.

Außerdem gibt es an der Südseite des Rathauses seit 2014 einen Gemeinschaftsgarten, in dem Gemüse, Kräuter, Blumen und Beerensträucher angebaut werden. Jeder kann diesen Garten besuchen und an den aufgestellten Tischen entspannen oder picknicken.

Der gotische St.-Knuds-Dom zu Odense ist die zweitgrößte Kirche Dänemarks. Vor allem der riesige, kunstvoll vom Lübecker Holzschnitzer Claus Berg verzierte Altar von 1521 ist sehr sehenswert. Ein Blick in die Kirche lohnt sich also.

Das Gelände der Brandts Klædefabrik

Mitten im Herzen von Odense rund um die Brandts Passage liegen die alten Gebäude dieser ehemaligen Textilfabrik, die inzwischen zu einer Art Kultur- und Einkaufszentrum mit zahlreichen Museen, Cafés und Geschäften restauriert worden sind. Ob im Medienmuseum, dem Museum des 20. Jahrhunderts „Tidens Samling“, der Brandts Kunstgalerie, einer Kunstbuchhandlung, im Kino Café namens Biografen oder einigen Geschäften, die dänische Designer-Möbel und -Einrichtungsgegenstände anbieten – auf diesem Gelände kommt jeder auf seine Kosten.

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Alte Fabrikgebäude und Streetart verbinden sich in Odense an vielen Orten.

Sehr cool finde ich, dass sogar noch ein alter Schornstein der Fabrik erhalten ist. Das hat nicht jede Stadt in ihrem Zentrum.

Park Munke Mose

Munke Mose ist die grüne Lunge Odenses. Hier kann man spazieren gehen, joggen oder Fahrrad fahren, alles entlang dem Fluss Odense Å, und es gibt auch einen Bootsverleih.

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Tretboot-Verleih am Fluss Odense Å.

Vor allem bei gutem Wetter wird der Park von vielen jungen Leuten als Treffpunkt zum Picknicken oder Sport treiben gewählt. Dann sitzt man bei einem kühlen Odense Pilsener mit Freunden bis spät in den Abend zusammen.

Vintapperstræde

Spielt das Wetter nicht mit, ist diese kleine Straße, die man durch einen Torbogen von der Fußgängerzone Vestergade aus erreicht, das entspannte Ausgeh-Viertel der Wahl.

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Kneipen und Restaurants auf der Vintapperstæde.

Mit einigen guten Restaurants und Kneipen in alten Backsteingebäuden, hier sei vor allem die „Christian Firtal“ genannt, erinnert mich die Gasse immer ein bisschen an die Winkelgasse aus Harry Potter. Hier haben wir unter Kollegen schon den einen oder anderen feucht-fröhlichen Abend gefeiert.

Odense Hafen und Hafenbad

Auch in Odense hat man in den vergangenen Jahren, wie in vielen anderen Städten auch, den ehemaligen Industriehafen in ein modernes Stadt- und Wohnviertel umgewandelt. Viele gut erhaltene und renovierte Gebäude aus der Vergangenheit des Hafens und neue Wohnhäuser mit interessanter Architektur reihen sich entlang den alten Kai-Mauern auf und bieten vielfältige Freizeit-Möglichkeiten wie z.B. Minigolfen, SUP, Beachvolleyball oder Klettern.

Im „Havnebad“, einem abgetrennten, 33 Meter langen Poolbecken im Hafen, kann man ganzjährig schwimmen. Während die Wassertemperatur im Sommer bei angenehmen 20-24 °C liegt, würde ich die 3°C im Winter eher meiden.

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Hafenbad im Hafen von Odense.

Klassische kleine Badehäuser als Umkleiden, ein rot-weiß gestreifter Aussichtsturm sowie eine große Sauna versprechen jedoch Spaß für Jung und Alt.

Storms Pakhus

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Und nur wenige Minuten fußläufig vom Hafen liegt ein weiterer meiner ganz besonderen Lieblingsorte Odenses: Eine Nutzholzhalle aus den 40er Jahren, die 24 Street-Food-Buden unter ihrem Dach beheimatet, das Storms Lagerhaus. Mit sechs Bars und einer riesigen Auswahl an Street Food aus Dänemark, China, Südamerika, dem Mittleren Osten, Vietnam, Thailand, Indien und Italien, gehört das Storms zu den Plätzen, an denen ich mittags oder abends immer wieder gerne Zeit verbringe.

Neben leckerem und für Dänemark auch einigermaßen erschwinglichem Essen gibt es im hinteren Teil der Halle auch Geschenk- und Designerstände mit Kleidung, Accessoires oder Keramik, hergestellt von lokalen, kreativen Idealisten. Außerdem kann man sich die Haare und den Bart bei einem Barbier stylen lassen. Das gesamte Konzept ist total cool und angesagt, und ich habe mich noch längst nicht durch alle Buden durchprobiert 😉

Wissenswertes:

beste Reisezeit? Ein Ausflug nach Odense lohnt sich das ganze Jahr über. Das Wetter ist maritim geprägt und daher recht wechselhaft. Es nieselt und stürmt öfter, aber auch die Sonne kommt schnell wieder durch. Ich finde jedoch, vor allem jetzt vor Weihnachten hat die Stadt einen besonderen Charme.

Anreise? Von Deutschland aus tatsächlich am besten mit dem Auto über Flensburg. Bis auf die Insel Fünen, auf der Odense liegt, muss man keine Brückenmaut bezahlen. Außerdem parkt man in der Stadt in vielen Seitenstraßen kostenlos. Die Fahrt mit der Bahn über Hamburg Hbf ist zwar möglich, aber leider langwierig und unzuverlässig. Mit dem Flugzeug erreicht man Odense entweder über den Flughafen Kopenhagen oder Billund. Von dort fahren Züge in etwa 2 Stunden nach Odense.

Wohnen? Die wenigen Hotels in Odense sind teuer und zumeist ziemlich einfach/schlecht. Ich empfehle, private B&Bs oder eine Wohnung über AirBnB zu buchen. Da bekommt man gemütliche Apartments oder Zimmer ab 50,-€ die Nacht.

Preise? Essen und Trinken zu gehen ist, wie überall in Skandinavien, auch in Dänemark deutlich teurer als in Deutschland. Ein kleiner Cappuccino kostet 5,-€, das Bier 8,-€, eine Mahlzeit schnell 25,-€ pro Person. Darauf muss man sich einstellen.

Unbedingt probieren: Den typisch dänischen Hotdog, der hier Pølser heißt und in vielen Variationen an jeder Imbissbude angeboten wird. Außerdem das Bier der beiden ortsansässigen Brauereien Albani und Tuborg.

Achtung Baustelle: Mitten in der Stadt und viele Straßen entlang befindet sich derzeit eine riesige Baustelle, da hier bis 2020 unter dem Begriff „Odense Letbane“ der ehemalige Straßenbahnbetrieb wiederbelebt wird.

Studierst oder lebst du in Odense und hast noch weitere Lieblingsorte?

Lass´ es mich wissen und hinterlasse mit gerne einen Kommentar. Deine Julia