Etwa 8000 Bunker zählten zu Hitlers größenwahnsinnigem Plan des Atlantikwalls, einer knapp 2700 Kilometer langen Küstenverteidigungsanlage, vom Nordkap in Norwegen bis hinunter zu den Pyrenäen an der Grenze zu Spanien reichend, die im zweiten Weltkrieg aus dem Boden gestampft wurde, um die Küste an Nordsee, Atlantik und Ärmelkanal vor einer alliierten Invasion zu schützen.

Während in Belgien oder den Niederlanden die meisten Bunker gesprengt und abgerissen worden sind, kann man an den Stränden der dänischen Westküste immer noch viele dieser Betonzeugen entdecken. Da wir Fans von solchen „Lost Places“ sind und ich derzeit in Dänemark lebe, beschließe ich mit Daniel an einem sonnigen Herbstwochenende spontan, eine Foto-Tour zu den Bunkern von Søndervig zu machen.

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Zwei kleinere Betonkonstruktionen am Strand von Sondervig.

Mit dem Auto fahren wir von Odense in etwa drei Stunden nach Ringkøbing, quartieren uns dort in einem netten Hotel ein, und sind bereits mittags am Strand von Søndervig. Da dieser Oktober-Samstag spätsommerlich daherkommt und zudem der erste Tag der Herbstferien ist, sind wir nicht die einzigen, die anreisen. Das erklärt auch, weshalb ich in Søndervig selber kein Quartier mehr bekommen habe! Die endlos weiten, hellen Nordseestrände mit angrenzenden Dünen sind beliebt bei deutschen Familien und Hundebesitzern, und wir befürchten schon, dass die „Lost-Bunker“ gar nicht mal so verlassen sein werden.

Wir parken meinen Golf im Ort und laufen dann über einen schmalen Zugangsweg zum Strand. Direkt am Ende des Weges befinden sich rechts und links zwei beeindruckend große Bunker-Exemplare – und wie befürchtet, klettern darauf zahlreiche Leute herum. Zum Glück sind die meisten Urlauber aber ja bequeme Menschen, und nur wenige hundert Meter linker Hand vom Strandzugang entfernt liegen die Bunker und andere Betonkonstruktionen so verlassen, wie wir es uns erhoffen.

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Ein traumhafter Herbsttag erwartet uns am Strand von Sondervig.

Rund 5000 Betonunterstände sollen dänische Arbeiter während der deutschen Besatzung von 1940-1945 auf Befehl der Wehrmacht gebaut haben. Und im inneren saßen Soldaten, die sich von Verwundungen erholen mussten, die körperliche Gebrechen hatten oder zu jung oder alt für den Dienst an der Front waren. Bis auf die Bunker-Ruinen erinnert hier natürlich nichts mehr an diese furchtbare Zeit, aber ich mag es, mir die Geschichte und Gegebenheiten von Lost Places vor Augen zu führen, während ich einen solchen Ort besuche.

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Die Bunker haben verschiedenste Formen und Größen.

Währenddessen schlendern wir fotografierend – zum Teil dabei auch im Sand liegend 😉 – den Strand entlang, der immer noch wärmenden Herbstsonne entgegen.

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Daniel ganz in seinem Metier.

Die Farbkontraste des blauen Himmels, des weiß-gelben Sands und der mit grünem Gras bewachsenen Dünen machen die Szenerie äußerst fotogen. Und inmitten dieser traumhaften Kulisse die grauen Betonkolosse – das ist schon surreal!

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Viele der Bunker sind mit Graffitis besprüht. Wind, Salz und Sand nagen außerdem sichtlich am über 60 Jahre alten Beton.

Übrigens werden noch immer Bunker entdeckt, die jahrzehntelang unter Dünen verschwunden waren. Erst 2008 legte der Wind hier ganz in der Nähe eine Anlage frei, die 63 Jahre unterm Sand geschlummert hatte. Die Forscher stießen auf das komplette Bunkerinventar mit Möbeln, Briefmarken und Uniformresten.

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Zwei begehbare Bunkerexemplare am Strand von Sondervig.

Stundenlanges Spazieren und Fotografieren macht hungrig, zumal in Meeresluft. Und so suchen wir uns ein windgeschütztes Plätzchen in den Dünen, verzehren unsere mitgebrachten Stullen und genießen die Sonne und den Blick über den weiten Strand und hinaus auf das tosende Meer. Was für ein wunderschöner Tag!

 

Wissenswertes:

beste Reisezeit? Die Wehrmachtsbunker an der dänischen Nordseeküste sind vermutlich ganzjährig einen Ausflug wert. Wir haben sie im Oktober 2018 bei strahlendem Sonnenschein erlebt, doch auch bei schlechtem Wetter stelle ich mir einen Besuch spektakulär vor. Dann wirken die Bunker sicher noch gespenstischer!

Anreise? Nur mit dem PKW möglich. Die Fortbewegungsmöglichkeiten per Bus oder Bahn sind in Dänemark leider ziemlich begrenzt.

Wohnen? Viele Hotels an der Küste wirken eher wie heruntergekommene Jugendherbergen. Wir sind im Hotel Ringkøbing untergekommen – okay, aber leider nicht ganz preisgünstig. Es soll auf AirBnB tolle Ferienhäuser geben, danach habe ich für nur eine Übernachtung allerdings nicht gesucht.

Restaurant-Empfehlung? Verglichen mit deutschen Preisen unglaublich teuer, aber absolut vorzüglich: Restaurant SMAG in Ringkøbing.

weitere Infos? Wer sich ausführlicher mit der Geschichte der Bunker befassen und zudem so einen Betonkoloss von innen besichtigen möchte, besucht am besten das nahegelegene Tirpitz Bunkermuseum.

Weitere Fotos/Blogs? Noch mehr spektakuläre Bunker-Fotos von unserem Ausflug findest du auf der Homepage von Daniel. Und bei Michael bekommt ihr Infos zum Besuch der Bunker in Lökken.

Hast du auch schon einmal Bunker am Strand besucht und magst meinen Lesern verraten, wo das war?

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar! Deine Julia