Voller Vorfreude steuere ich unseren Mitsubishi aus Broome kommend links in die Cape Leveque Road. Vor uns liegen am heutigen Tag 220 Kilometer unbefestigter, rotsandiger Piste zu einem der entlegensten Kaps der Küste Westaustraliens, dem Cape Leveque. Es ist eine menschenverlassene Gegend, die zum angestammten Land der Ureinwohner der Djarindjin- sowie der Ardyaloon-Community gehört, und die nur mit einem allradgetriebenen Fahrzeug zu erreichen ist. Meistere ich die Strecke, möchten wir drei Tage dort oben im Kooljaman Wilderness Camp verbringen, welches die Community betreibt, die einsamen Strände genießen, und von Brian, einem Aboriginal-Guide, mehr über die einzigartige Natur und die Lebensweise seiner Vorfahren lernen.

Anreise über die Cape Leveque Road

Die Einstiegsstelle dieser zum großen Teil unbefestigten Sandpiste liegt 5 Kilometer nord-östlich der Stadt Broome an der Broome Road. Wir kommen an diesem Morgen direkt aus Broome, als wir das Straßenschild mit der Aufschrift Cape Leveque Road entdecken.

Wir hatten einige Bedenken, was diese 220 Kilometer Dirt-Road betraf: Zwischen vier und sechs Stunden Fahrtzeit prophezeiten mir andere Selbstfahrer sowie GoogleMaps – ein anstrengendes Unterfangen, so dachten wir.

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Nichts als roter Sand und „Wellblech“ auf der Strecke Broome – Cape Leveque.

Zunächst stehen uns viele Kilometer rotsandigen „Wellblechs“ bevor, vorbei an mittelhohen, grünen Büschen und dem hier überall typischen Spinnifex-Gras. Ich fahre mit 60-80 km/h über die engen Hubbel, das macht es einigermaßen erträglich. Bei der Geschwindigkeit muss man jedoch auf größere Steine oder Unebenheiten im Boden acht geben. Ich versuche mit Adleraugen vorausschauend zu fahren, um möglichst schnell reagieren zu können, das ist extrem anstrengend, macht aber unglaublich viel Spaß, ich spüre ultimative Freiheit!

Länger begegnen wir niemandem, bis auf die zahlreichen ausgedienten Autowracks, die am Straßenrand und im Gebüsch ihrer Auflösung entgegen rosten. Das bedeutet für die Aborigines also „im Einklang mit der Natur“, interessant! Für Daniel sind sie jedoch willkommene Foto-Motive, und hin und wieder halten wir daher kurz an.

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Zurückgelassener Schrott am Straßenrand.

Nach etwa einer Stunde Fahrtzeit erspähe ich vor mir plötzlich einige Wagen sowie ein Prepare-to-Stop-Schild. Ich hatte gelesen, dass die Piste in den kommenden Jahren zur befestigten Straße ausgebaut werden soll. Hier, mitten im Niemandsland, beginnen dafür also die Arbeiten.

Nach einer weiteren Stunde passieren wir den Abzweig zur Lombardina Aboriginal Corporation, eine kleine Tankstelle sowie einen Flugplatz, und nur 15 Minuten später biege ich links in den Abzweig zum Kooljamans ein. Nach nur knapp zweieinhalb Stunden Fahrtzeit erreichen wir das Camp.

Fazit: Mit einem zuverlässigen 4×4-Fahrzeug ist die Fahrt zumindest in den trockenen australischen Wintermonaten (Juli/August) ziemlich unproblematisch und relativ zügig machbar.

Ankunft am Kooljaman Wilderness Camp

Am Ende der Cape Leveque Road wartet ein staubiger Parkplatz und das Hauptgebäude des Kooljaman. Es herrscht trubeliges Treiben, da zeitgleich mit uns eine Busladung Tagestouristen in das Gebäude strömt. Die Rezeption ist gleichzeitig ein kleiner Laden und Souvenirshop, alles wirkt plötzlich sehr touristisch, und wir sind erst einmal ziemlich ernüchtert.

Dennoch checken wir für unsere gebuchte „Log Cabin“ ein, erhalten eine Übersichtskarte für das Camp-Gelände und den Zugangscode für das Tor. An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass nur 25 Autos pro Tag ohne Reservierung einer Unterkunft oder eines Zeltplatzes im Camp Zutritt zum Gelände und damit auch zu den umliegenden Stränden erhalten!

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Garten und spektakulärer Ausblick vom Haupthaus des Kooljaman Wilderness Camps.

Hinter dem Zugangstor passieren wir mit unserem Wagen zunächst den Zeltplatz, dann führt ein sandiger Pfad zu den insgesamt etwa 25 auf dem riesigen Gelände verstreuten Unterkünften, wie Safari Zelten, Holz-Cabins bzw. Beach-Camping-Shelters. Von allen Unterkünften hat man einen spektakulären Blick auf das leuchtend blaue Meer.

Wir beziehen unsere einfache Log-Cabin, die lediglich mit zwei Betten und einem Kühlschrank, der mit Solarenergie betrieben wird, ausgestattet ist. Auf der Terrasse steht ein großer Holztisch und ein Grill.

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Terrasse unserer Log Cabin im Kooljaman Wilderness Camp.

Immer zwei Cabins teilen sich eine Outdoor-Toilette mit WC sowie Waschbecken und Dusche mit fließendem Wasser. Bettwäsche und Handtücher werden gestellt. Die erhoffte Einfachheit in der Natur hat uns wieder, und wir entspannen uns etwas nach der anstrengenden Fahrt.

Strände & Aktivitäten am Cape Leveque

Nach einer kurzen Siesta wollen wir das Gelände, gelegen an der Spitze der Dampier Peninsula, heute auf eigene Faust erkunden. Da unsere Cabin mit Blick auf den Strand auf der östlichen Seite des Kaps liegt, laufen wir zunächst dort hinunter.

Eastern Beach

Das kristallklare, türkisfarbene Wasser des Eastern Beach lädt zum Schwimmen und Schnorcheln ein, denn hier gibt es weder Haie noch Krokodile, da das Wasser zu flach ist und die Bucht durch vorgelagerte Felsen geschützt wird.

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Der feinsandige Eastern Beach lädt zum Schwimmen und Schnorcheln ein.

Obwohl die Timorsee in den Wintermonaten mit etwa 19-20 Grad relativ frisch ist, genießen wir hier das kühle Nass und wärmen uns anschließend in der intensiven australischen Sonne am weißen Sandstrand wieder auf. Dieser Strand liegt übrigens auf der Sonnenaufgangs-Seite, sodass man früh am Morgen gegen 6 Uhr einen spektakulären Sonnenaufgang beobachten kann.

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Sonnenaufgang am Eastern Beach.
Western Beach

Die wildere westliche Seite des Kaps ist berühmt für ihre roten Klippen und Felsen, die für die Aborigines eine heilige Stätte darstellen. Daher sollte man nicht auf den Felsen herumklettern. Auch Baden wird hier wegen des starken Wellengangs und gefährlicher Strömungen nicht empfohlen. Dennoch lohnt sich ein Besuch des Strands, v.a. am späten Nachmittag und zum Sonnenuntergang, wenn der untergehende Ball die gesamte Küste in ein tiefrotes, weiches Licht taucht. Und auch für ausgedehnte Strand-Wanderungen ist man hier auf der richtigen Seite.

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Rote Klippen und Felsen am Western Beach.
Leuchtturm

Das 13 Meter hohe Cape Leveque Lighthouse liegt mitten im Camp auf der höchsten Erhebung. Der Leuchtturm wurde im Jahr 1911 erbaut und sendet alle 15 Sekunden drei Lichtblitze in die Ferne des Ozeans. Holztreppen führen bis hinauf zum Leuchtturm, und es gibt entlang der Treppen immer wieder Infotafeln zur Natur und Kultur der hier heimischen Menschen und Tiere.

Fischen

Fishing ist eine der beliebtesten Sportarten der Australier, und so darf auch hier jeder sein Boot mitbringen und die Angel für den Eigenbedarf auswerfen. Ob Red Snapper, Korallenforelle, Makrelen, Barrakuda oder Thunfisch, die Timorsee bietet sie alle.

Whale Watching

Zwischen Juli und Oktober sollen zudem Buckelwale auf ihrer Reise Richtung Süden am Kap vorbei ziehen, die man angeblich sogar vom Festland aus beobachten kann. Leider war uns dieses Spektakel nicht vergönnt. Und auch eine Whale-Watching-Tour mit Boot konnten wir wegen des starken Windes und Wellengangs nicht unternehmen.

Mit Brian Lee auf Hunters Creek Tagalong Tour

Wer noch tiefer in die abgelegenen Regionen des Kaps vordringen möchte, sollte sich einen Aboriginal-Guide nehmen. Wir entscheiden uns am zweiten Tag unseres Aufenthalts für eine Tour mit Brian zum Hunters Creek.

Bereits um 8.30Uhr am Morgen treffen wir uns mit dem etwas wortkargen, aber sympathischen Mann. Mit dabei hat er zwei Jungs aus der Community und seine Hündin Leila. Das für mich spannende an dieser Tour ist, dass jeder Teilnehmer in seinem eigenen 4×4-Wagen fahren wird, wodurch ich mir eine erhebliche Verbesserung meiner Offroad-Skills erhoffe!

Nach der Begrüßung lassen wir zunächst den Luftdruck der Reifen etwas ab, und dann geht’s auch schon los: Full-Speed hinter Brians Pick-Up her, über den Strand Richtung Hunters Creek. Wow – was für ein Fahrerlebnis!

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Mit Tempo 100 geht´s über den Strand Richtung Hunters Creek.

Nachdem wir einige Dünen mit weichem Sand passiert haben, halten wir nach etwa 30 Minuten Fahrt zum ersten Mal am unglaublich türkisfarbenen Wasser des Hunters Creek. Zusammen mit den grellen, schneeweißen Sandbänken ergibt sich eine wirklich spektakuläre Landschaft, ich bin absolut fasziniert! Brian erzählt uns einiges über die hier lebenden Wildtiere, die Natur und die Lebensweise seiner Vorfahren, die hier als erste Siedler ankamen und das Land immer wieder gegen Eindringlinge verteidigen mussten.

Danach geht es noch tiefer in die Dünenlandschaft. Brian fährt voraus, drei SUVs folgen ihm. Und selbstverständlich bleibt irgendwann einer der Wagen im losen Sand stecken. Schnell sind Schaufel und Sandbleche zur Hand und gemeinsam packen wir an, den Kollegen zu befreien. Auch ich werde diese Hilfe auf der Rückfahrt ein Mal benötigen 😀

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Mit drei SUVs folgen wir Brians Pick-Up.

Beim nächsten Stopp etwa 30 Minuten später wird’s ernst: Brian möchte uns die traditionelle Krabbenfang-Methode beibringen. Jeder bekommt dafür einen dünnen Speer, der sich an der Spitze spaltet. Damit sticht man in die Höhlen der Wurzeln der am Creek-Ufer wachsenden Mangroven, in der Hoffnung, dass eine sich dort versteckende Krabbe „anbeißt“. Wir lassen unsere Autos zurück und laufen nun zu Fuß weiter durch das Flussbett des Hunters Creek.

Die Ausbeute nach etwa 2 Stunden Jagen ist allerdings mit nur zwei Krabben ziemlich dünn, und Brian wirkt frustriert. Somit fällt leider auch das geplante gemeinsame Barbecue flach, und wir müssen für ein Picknick auf unsere mitgebrachten Vorräte zurückgreifen.

Gegen 14 Uhr machen wir uns mit unseren Autos auf den Rückweg, wobei wir noch einen ganz besonders schönen Strandabschnitt des Kaps passieren, die Mündung des Hunters Creek in die Timorsee.

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Flussmündung des Hunters Creek ins Meer.

Zurück im Camp wird der Reifendruck wieder aufgefüllt, und wir verabschieden uns nach einem gemeinsamen abenteuerlichen Tag von unseren neu gewonnenen Freunden und der traumhaft unberührten Natur am Cape Leveque.

Wissenswertes:

Reisezeitraum? 2.-4. August 2018

Anreise? Nur mit 4×4-Fahrzeugen wie oben beschrieben, da immer noch 90 Kilometer der Strecke unbefestigte Sandpiste sind. Broome Transit bietet außerdem Bus-Transfers an, und man kann wohl auch einen Flug chartern. Weitere Infos dazu hier.

Kosten? Die Log Cabin kostet 200€ pro Nacht. Die Tour mit Brian 110€ pro Person. Insgesamt haben wir also für die 3 Tage zu zweit 620€ bezahlt (ohne Verpflegung/Sprit!).

optimale Aufenthaltsdauer? 3-4 Tage.

Quartier? Kooljaman at Cape Leveque.

Verpflegung? Generell verpflegt man sich selber. Am besten kauft ihr bereits in Broome ein! Es gibt jedoch ein Restaurant/Café im Haupthaus des Kooljamans, wo wir 1x gefrühstückt haben und ein erstklassiges Abendessen genossen haben.
Achtung: Auf der Dampier Peninsula herrscht generelles Alkohol-Verkaufsverbot! Gegen eine Gebühr von $5 kann man jedoch eine selbst mitgebrachte Flasche Wein zum Abendessen öffnen lassen.

Touren? Neben der Tagalong Tour von Brian werden von den Einheimischen am Cape Leveque noch viele weitere Touren angeboten. Alle Infos bekommst du hier.

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