Es ist Juli, ein früher Samstag Morgen. Durch das gleißende Sonnenlicht beobachte ich die pittoresken vorbeiziehenden Häuser der Stadtteile Darlinghurst und Paddington. Ja, wir sitzen tatsächlich im Bus zum Bondi Beach! Normalerweise stehen wir solchen „Must-See“- Orten ja skeptisch gegenüber, aber was wäre ein Städtetrip nach Sydney, ohne den berühmten Stränden – Sehnsuchtsort für Surfer und Schwimmer aus aller Welt – einen Besuch abzustatten?!

Der Himmel des australischen Winters ist stahlblau und es weht ein frischer Wind, gefühlte Außentemperatur ca. 13 °C. Dennoch habe ich meinen Bikini im Rucksack – sicherheitshalber – denn auch ich träume davon, seitdem ich die Olympischen Spiele im Sommer des Jahres 2000 vor dem Fernseher verfolgt habe, diesen Ort zu besuchen, und hier, vielleicht sogar im spektakulären Bondi Icebergs Pool, zu schwimmen.

Bondi Beach

Nach etwa 30 Minuten hält der Bus, Bondi Beach – Endstation! Kennt ihr das: Wenn ihr einen Ort auf Bildern schon so oft gesehen habt, ihn kaum erwarten könnt, nur noch einen Wimpernschlag davon entfernt seid, und am liebsten losrennen würdet, um ihn endlich zu erblicken? Ich halte mich zurück, aber das Grinsen in meinem Gesicht ist kaum zu übersehen.

Wir überqueren den Parkplatz hinter dem Strand, der bereits gut gefüllt ist, und dann liegt er vor uns, der 1,5 Kilometer lange, feine Sandstrand – einer der berühmtesten Surfspots der Welt.

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Bondi Beach Panorama.

Bondi Beach ist übrigens nach dem Sydney Opera House und der Sydney Harbor Bridge der am dritthäufigsten besuchte Ort der Stadt und gehört daher seit 2008 als nationales Denkmal zur Australian National Heritage List.

Bondi Icebergs Pool

Wir halten uns rechts entlang der Strandpromenade und erreichen nach etwa einem Kilometer und einigen Stufen den Bondi Icebergs Pool, und ich muss zugeben, erst jetzt, beim Blick über den in die Klippen gebauten Pool, die hereinbrechenden Wellen und den Strand, kommt die erhoffte Begeisterung so richtig auf. Wir können uns kaum satt sehen an dieser Szenerie und stehen mindestens eine halbe Stunde lang einfach da und genießen die Wintersonne.

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Der berühmte Meerwasser-Pool Bondi Icebergs.

In dieser Zeit stürzen sich nur wenige Surfer in die kalten Fluten, und auch im Pool ziehen lediglich zwei Schwimmer im Neoprenanzug ihre Bahnen. Vielleicht war ich mit dem Bikini doch etwas optimistisch?! 😀 Wir beschließen also, erst einmal weiter zu laufen, denn direkt hinter dem Schwimmbad beginnt ein Spazierweg entlang der spektakulären Küste von Bondi nach Coogee.

Bondi-Coogee-Coastal-Walk

Über sechs Kilometer zieht sich dieser Spazierweg entlang der Klippen, mehrerer Strände und Parks, von Bondi über Tamarama, Bronte und Clovelly nach Coogee.

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Der Spazierweg Bondi to Coogee.

Direkt zu Beginn des Weges, der zunächst vom Icebergs Pool in Stufen bergab führt, halten wir uns einige Zeit an den spektakulären Klippen, die zudem Felsgravuren der Aborigines aufweisen, direkt am Wasser auf, und fotografieren.

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Felsen mit Aborigine-Gravuren.

Weiter geht es entlang bewachsener Hänge und mit Ausblicken auf die oberhalb gelegenen Häuser von Bondi durch einen Engpass mit Felsen. Der Wind hat ihre Oberfläche geglättet, und ihre weiße Farbe bildet einen tollen Kontrast zum Blau des Meeres und des Himmels.

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Felsen auf dem Abschnitt Bondi-Tamarama.

Leider sind inzwischen erstaunlich viele Hardcore-JoggerInnen auf dem Weg unterwegs, und man muss aufpassen, dass man nicht umgelaufen wird. Kurz vor Erreichen des Tamarama Beach weichen wir daher auf die über dem Meer vorstehenden Klippen aus und laufen und fotografieren dort ungestört. Was für eine unglaubliche Aussicht man hier oben geboten bekommt! Ich setze mich auf einen Felsen, den Wind im Gesicht, das Tosen der Wellen im Ohr, und bemerke, dass ich selten eine spektakulärere Küste gesehen habe, was für ein Ort!

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Blick auf den Tamarama Beach.

Tamarama Beach, aka „Glamarama“, ist der Strand der Schönen und Reichen. Das erklärt, weshalb hier alle Männer muskulös oben ohne trainieren, und alle Frauen noch beim Joggen aussehen, als wären sie frisch dem Beauty-Salon entsprungen. Es ist wirklich eine Show! Im Oktober/November gibt es hier außerdem jedes Jahr die „Sculpture by the Sea-Ausstellung“, die Tamarama in eine Open-Air-Gallerie verwandelt.

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Überall hat man spektakuläre Ausblicke auf die tosenden Fluten des Pazifiks.

Ein leichter, nur wenige hundert Meter langer Abschnitt entlang der Straße, mit nicht minder tollen Ausblicken auf den Pazifik, führt dann weiter nach Bronte Beach. Bronte Beach ist ein familiärerer Strand, an den sich ein Park mit Picknick-Tischen und schattigem Spielplatz anschließt. Außerdem gibt es hier einen weiteren Meerwasser-Felsen-Pool, „The Bogey Hole“. Inzwischen ist es etwa 12Uhr am Mittag und die stärkere Sonne wärmt ganz gut – vielleicht ist das meine Chance?! Leider muss ich mit Bedauern feststellen, dass der Bogey-Hole-Pool wegen Renovierungsarbeiten geschlossen ist. O nein, was für ein Pech! Tja, dann bleibt wohl nur das offene Meer. Daniel, die Frostbeule, erklärt mich für völlig verrückt, aber ich ziehe das (sehr kurz) durch!

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Frisches Bad am Bronte Beach.

Nach dem kühlen Nass zieht es uns zum Aufwärmen zum Bronte Road Café Strip. Hier an der Straße direkt hinter dem Strand reihen sich mehrere Cafés aneinander, die sich hervorragend für ein zweites Frühstück eignen. Ich habe von einer Freundin einen Gutschein für das Bogey-Hole Café bekommen – hervorragend! An dieser Stelle ganz lieben Dank für dein Geburtstagsgeschenk, Fiona :-*

Und irgendwie bleiben wir hier im Café hängen, unterhalten uns mit einer deutschen Auswanderin und ihrem griechischen Mann über Land und Leute und die Unterschiede zu Deutschland, trinken einen weiteren Short Black, genießen die Sonne und vergessen die Zeit. Dass man an diesem Ort übers Auswandern nach Australien nachdenkt, verstehe ich sofort!

Da wir am Nachmittag dieses angebrochenen Tages auch noch in die Stadtteile Redfern und Newtown wollen, verzichten wir nach unserer Pause auf die letzten beiden Abschnitte des Bondi-Coogee-Walks (Bronte-Clovelly-Coogee), die wohl außer dem Waverley Cemetery nicht mehr viel Neues bieten, verabschieden uns vom Paradies Bronte und nehmen den Bus 379 zurück in die Stadt.

Wissenswertes:

Anfahrt? Die Busse 333 und 380 fahren aus der Innenstadt (Museum Station) zum Bondi Beach.

Länge? Dauer? Insgesamt 6 Kilometer. Ohne Pause läuft man etwa 2 Stunden.

Kleidung? Festes Schuhwerk ist empfehlenswert, obwohl die Aussies ja auch mit Flipflops wandern gehen 😉 Unbedingt eine Kopfbedeckung, Sonnenbrille, Sonnenmilch und Wasser mitnehmen!

Weitere Infos? Eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Abschnitte des Walks und weitere hilfreiche Infos findet ihr auf www.bonditocoogeewalk.com.

Bist du den Bondi-Coogee-Walk schon gelaufen und hast noch weitere interessante Tipps?
Hinterlasse mir gerne eine Nachricht! Deine Julia

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