Uyuni ist nach La Paz die zweite Station während unseres Bolivien-Aufenthalts im Sommer 2016. Bereits der Landeanflug auf den 3675 Meter hoch gelegenen Flughafen ist spektakulär: Nichts als die unendliche Weite der weißen Salzwüste, die mit 160km Länge und 135km Breite, sowie mit einer Dicke der Salzkruste von 2-7 Metern, die größte Salzfläche der Erde und damit den Hauptgrund für einen Besuch in der abgelegenen Region Boliviens darstellt.

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Ankunft am Flughafen Uyuni.

Drei Tage nehmen wir uns Zeit für die Erkundung der Gegend, und in diesem Artikel präsentiere ich euch einige Höhepunkte unseres Besuchs:

1. Die Stadt Uyuni

Wie eigentlich überall an einem neuen Ort, ziehen wir am ersten Tag unserer Ankunft ohne ein bestimmtes Ziel erst einmal zu Fuß los, so auch in Uyuni. Die 18.000 Einwohner zählende Stadt ist übersichtlich, ihre Straßen sind im Schachbrettmuster angelegt, und wir laufen zunächst vom kargen Stadtrand Richtung Zentrum. Die Luft ist unglaublich klar, und obwohl die Sonne scheint, lässt uns ein zugiger Wind frösteln. Kein Wunder auf knapp 3700 Metern Höhe und der Jahreszeit Winter auf der Südhalbkugel. Die Luft, die uns entgegen schlägt, ist staubig und trocken, denn Niederschläge fallen nur von Dezember bis März, und somit ist Wasser ein seltenes Gut in Uyuni.

Die Betonhäuser der Einwohner wirken verrammelt, sie erinnern ein wenig an eine sibirische Minenstadt, und nur wenige Menschen sind auf den Straßen unterwegs.

Das ändert sich allerdings, als wir das Stadtzentrum erreichen, mit seinem hübschen, gelben Uhrturm, einigen bunten Häusern im Kolonialstil, einer weißen Kirche und einem Markt.

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Stadtzentrum von Uyuni.

Am „Plaza Arce“ reihen sich einige Cafés und Restaurants aneinander, wo wir uns zu einem Kaffee niederlassen und das bunte Treiben beobachten. Mir gefällt die entspannte Atmosphäre von Einheimischen und Travelern in der Stadt, und am Abend essen wir die beste Pizza unseres Lebens bei Minuteman Pizza.

2. Friedhof der Züge

Am zweiten Tag machen wir uns am Morgen auf zum drei Kilometer südlich der Stadt gelegenen „Cementerio de los Trenes“, einem Eisenbahnfriedhof, auf dem etwa 100 Lokomotiven und Wagen ihrer vollständigen Auflösung entgegen rosten. Die ältesten Modelle stammen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert und lagern dort, nachdem in den 1940er Jahren die örtliche Industrie zusammengebrochen ist, die meisten der Edelmetallminen von ihren Betreibern aufgegeben und somit auch die meisten Versorgungstrassen stillgelegt und dem Verfall preisgegeben worden sind.

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Die weichen Farben der umliegenden Landschaft, und die zum Teil mit Graffiti besprühten Dampflokomotiven und Waggons, sind ziemlich spektakuläre Fotomotive. Wie auf einem Abenteuerspielplatz klettern wir in und auf den rostigen Wracks herum, ein genialer Ort!

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Tipp: Der Friedhof ist ein beliebter Ausflugspunkt für Touristen wie Einheimische. Wenn ihr die Szenerie für euch alleine haben wollt, müsst ihr sehr früh unterwegs sein, sonst wird es voll!

3. Der Salzsee „Salar de Uyuni“

Am Mittag unternehmen wir dann eine geführte Jeeptour auf dem Salzsee. Nach nur etwa 15 Minuten Fahrt von Uyuni aus erreichen wir das Ufer der 10.000 Quadratkilometer großen Salzpfanne.

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„Eingang“ Salar de Uyuni.

Die unter der Salzkruste gelegene Sole (wässrige Lösung aus Salzen und Wasser), ist etwa zwischen 70 und 120 Metern tief. Insofern ähnelt die Salar de Uyuni äußerlich einem zugefrorenen See. Unser Guide zeigt uns einige „offene“ Stellen im Salz, die bei Selbstfahrern immer wieder zu schlimmen Unfällen führen. Aber eigentlich kann die bis zu 30 Meter dicke Salzkruste selbst von Bussen und LKW befahren werden.

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Offenes Sole-Loch auf dem Salzsee.

Die spektakulären Spiegelungen, die man von Bildern kennt, kann man übrigens nur während der Regenzeit von Dezember bis März erleben, wenn die Salzkruste mit mehreren Dezimetern Wasser bedeckt sein kann. Von Ende Juni bis Anfang Dezember ist der Salzsee immer trocken.

Dennoch, das schier endlose Ausmaß der Wüste, das die Proportionen aufhebende Panorama, und die Tatsache, in allen Himmelsrichtungen nur Salz und darüber den wolkenlosen, blauen Himmel zu sehen, machen einen sprachlos und klein!

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Unendliche Weite der Salar de Uyuni.

Tipp: Die gleißende Helligkeit und die Sonnenstrahlung sind ziemlich extrem. Unbedingt Sonnenschutz, Sonnenbrille und Kopfbedeckung mitnehmen!

4. Die Kakteeninsel „Isla Incahuasi“

Nach etwa 70 Kilometern Fahrt über die Salzfläche erreichen wir die Isla Incahuasi, was übersetzt Haus der Inkas bedeutet, die für ihre vielen meterhohen und teilweise bis zu 1200 Jahre alten Säulenkakteen bekannt ist. Für ein Eintrittsgeld von 30 Bolivianos (etwa 3,50€) kann man einen 15-minütigen Spaziergang zum Gipfel der kleinen Insel unternehmen. Außerdem gibt es ein Café und Restaurant sowie Toiletten.

Uns ist es hier zu trubelig, und wir entscheiden, lieber einmal um die Insel herum zu wandern, was sich wirklich sehr lohnt.

5. Salzgewinnung in Colchani

Die Salzmenge der Salar de Uyuni wird auf etwa 10 Milliarden Tonnen geschätzt. Jährlich werden davon etwa 25.000 Tonnen abgebaut. Wir besuchen eine Salzabbau-Region in der Nähe der Ortschaft Colchani und gucken uns die archaisch anmutende Salzgewinnung an. Blockweise wird das Salz aus der Kruste gefräst und danach mit LKWs abtransportiert. Früher haben das selbstverständlich Lasttiere übernommen, Uyuni bedeutet nämlich übersetzt „Platz der Lasttiere“.

Wir haben vor allem Spaß am Fotografieren der Spiegelungen und Schattenwürfe der Salzwürfel, ebenfalls ein fantastischer Platz auf der riesigen Salzfläche.

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Salzabbau bei Colchani.

6. Das Salzhotel „Palacio de Sal“

Sieben Kilometer westlich von Colchani liegt ein Hotel, welches komplett aus Salz besteht. Nicht nur die Mauern und Türen, auch die Tische, Stühle und Betten sind aus dem weißen Gold gefertigt. Dafür wurden rund 1 Millionen Salzblöcke verbaut.

Wir haben das Hotel leider nicht besucht oder hier übernachtet. Ich stelle mir das aber ziemlich passend vor und würde beim nächsten Besuch der Salar de Uyuni hier eine Nacht einplanen.

7. Der Vulkan Tunupa und die sieben Mumien

Am nördlichen Rand der Salar de Uyuni, etwa 100 Kilometer Luftlinie vom Ort Uyuni, gibt es außerdem noch den 5432 Meter hohen Vulkan Tunupa, den man in drei bis vier Stunden besteigen kann. Am Fuße des Vulkans gibt es sogar einige Lodges, von denen aus man mit dem Aufstieg beginnen kann.

Das Besondere neben vermutlich spektakulären Ausblicken auf eine mondähnliche Landschaft: Auf etwa halber Höhe des Aufstiegs gibt es eine Höhle, in der sich sieben Mumien befinden sollen. Ein Mann, zwei Krieger, zwei Kleinkinder und deren Eltern. Tausende Jahre alt, aus der Zeit vor den Inkas, rituell beigesetzt, von der Dunkelheit und der trockenen Luft konserviert. Gegen eine kleine Gebühr kann man sich an einem Wärterhäuschen an der einzigen Straße von Coqueza die Schlüssel zur Höhle, die durch eine Stahltür vor Grabräubern gesichert ist, abholen.

Aber auch dafür hat unsere Zeit in Uyuni leider nicht gereicht. Ich finde allerdings, das klingt so abenteuerlich, dass ich alleine dafür noch einmal nach Bolivien zurückkehren und es euch daher in diesem Bericht nicht vorenthalten möchte.

8. Sonnenuntergang über dem Salzsee

Bereits gegen 18Uhr, es ist schließlich Winter, nähert sich die Sonne dem entfernten Horizont. Unsere Schatten werden länger und das Licht weicher, bis der rote Ball schließlich hinter der Erdkrümmung verschwindet. Ein wunderschöner Abschluss unseres Ausflugs auf dem „weißen Meer“.

Fazit:

Der Besuch der Salar de Uyuni ist wirklich ein überwältigendes Erlebnis und gehört in jeden Bolivien-Trip! Im Nachhinein hatten wir hier definitiv zu wenig Zeit, denn vor allem der Vulkan und die Mumien hätten mich auch noch sehr interessiert. Außerdem erinnere ich mich, dass ich etwas enttäuscht war, nicht diese spektakulären Regenwasser-Spiegelungen zu sehen. Aber ich wusste schlichtweg nicht, dass man das nur zur Regenzeit kann. Daher würde ich vermutlich beim nächsten Mal zwischen Dezember und März wiederkommen.

Wissenswertes:

Reisezeitraum? 8.-11. August 2016

Anreise? Linienflug mit Amaszonas Air von La Paz nach Uyuni.

Hotel? Hotel Tambo Aymara (55€ pro Nacht mit Frühstück), sehr empfehlenswert!

Wieviel Zeit einplanen? Mindestens 3-4 Nächte!

Preise? Bolivien ist ein armes Land und entsprechend niedrig ist das Preisniveau. Allerdings werden auch hier westliche Touristen bei Touren oder Eintrittsgeldern ausgenommen. Eine 1-Tages-Tour mit Fahrer und Verpflegung sollte daher nicht mehr als 15€ pro Person kosten!

Tourenanbieter? Wir haben diesen Trip inkl. der geführten Jeeptour über die deutsche Reiseagentur erlebe-fernreisen gebucht. Bei Buchungen vor Ort empfiehlt es sich, Informationen über die Seriosität der Anbieter einzuholen und die Empfehlungen anderer Reisender zu beachten. Viele Guides sprechen nur Spanisch oder setzen sich volltrunken ans Steuer, oft gibt es Unfälle!

Sicherheit? Wir haben uns in Bolivien insgesamt sehr sicher gefühlt. Man sollte allerdings keine Wertgegenstände im Hotel liegen lassen oder offen herum tragen. Daniel ist in La Paz dadurch leider sein Iphone geklaut worden. Das hätte aber sicher überall sonst auf der Welt auch passieren können.

Lesetipp: Der Journalist Philipp Laage schreibt auf seinem Blog über einen mehrtätigen Trip und seine Erlebnisse rund um Uyuni.

Warst du auch schon einmal in Uyuni? Habe ich einen interessanten Tipp vergessen?

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar! Deine Julia