„The Big Easy“, wie New Orleans liebevoll genannt wird, ist keine gewöhnliche US-Metropole! Hier treffen Traditionen auf Skurrilität, 700 Kirchen auf Ignoranz bezüglich aller Konventionen, Chaos und Verfall auf Dekadenz. Spätestens seit „Hurricane Katrina“ im Jahre 2005 in aller Munde, ähnelt die Stadt in ihrem Flair eher den Städten in der Karibik oder Lateinamerikas. Klingt nach einem idealen, ausgefallenen Städtetrip-Ziel für uns, weshalb New Orleans auf unserem Roadtrip von Seattle nach Miami (Roadtrip von Seattle nach Miami – 11.000 unvergessliche Kilometer quer durch die USA) im Sommer 2015 nicht fehlen durfte!

Gute zwei Tage, also ziemlich exakt 48 Stunden, verbringen wir in der bunten Stadt am Mississippi, weshalb es sich für mich anbietet mit diesem Beitrag an der Travellers Insight Blogparade „Die perfekten 48 Stunden in…“ teilzunehmen. Nun aber auf ins Vergnügen:

1. Tag:

French Quarter

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Häuserzeile im French Quarter, New Orleans.

Wir beginnen unseren ersten Tag in New Orleans im historischen, ältesten Stadtteil, dem French Quarter mit seinen vielen bunten Häusern und blümerant bepflanzten, schmiedeeisernen Balkonen.

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Die meisten der Gebäude stammen aus dem späten 18. Jahrhundert, weshalb sich die spanische Vorherrschaft über die Stadt in der Architektur widerspiegelt. Gemütlich spazieren wir durch die Gassen, vorbei an Boutiquen und kleinen Kunstgallerien, Cafés und Restaurants. In der Decatur Street besuchen wir eine kleine Zigarren-Fabrik, in der wir einigen Exil-Kubanern beim Zigarren-Drehen über die Schulter schauen. Sofort tauchen wir ein in das Leben und die exotische Mischung der etwa 4000 Bewohner dieses Viertels – Intellektuelle, Künstler, Migranten, Alteingesessene – und fühlen uns wie in ein anderes Land versetzt.

Tipp: In jedem Reiseführer wird das „Café du Monde“ empfohlen. Wenn du Touris meiden und lieber mit den Einheimischen frühstücken möchtest, empfehle ich dir die „Croissant D´Or Patisserie“ in der Ursulines Avenue! Wir waren 2x hier und total verliebt in diesen Ort!

Jackson Square

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Dieser Platz bietet zusammen mit der weißen St. Louis Cathedral so etwas wie einen zentralen Ort im French Quarter. Er ist Anziehungspunkt für Maler, Karikaturisten, Tarotkartenleser, Wahrsager, Pantomimen und Akrobaten. Im Laufe eines Tages spielen hier zahlreiche Jazzgruppen Live-Musik für Trinkgelder. Das Treiben ist bunt, die Laune gut, hier können wir unserer Lieblingsbeschäftigung „Leute gucken“ stundenlang nachgehen.

Einen guten Fotospot für den Platz findest du von einer Treppe auf der gegenüberliegenden Seite der Decatur Street. Hier stehen auch einige Kutschen bereit für einen romantischen Ausflug durch das Viertel.

Die „Ladies in Red“

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Auch Straßenbahnen gehören zum Flair von New Orleans. Eine der bekanntesten Linien, die Riverfront-Linie, wird von roten Wagen, den sogenannten „Ladies in Red“, bedient. Diese fahren parallel zum Mississippi von der „Dumaine Station“ im French Quarter bis zur „Canal Street Station“, eine abwechslungsreiche Alternative zum Fußweg entlang der Riverfront.

French Market

Sightseeing macht hungrig, daher steuern wir als nächstes die historischen Markthallen des French Market an. Schon die Choctaw-Indianer nutzten angeblich diese Stelle zwischen Mississippi und French Quarter als Handelsplatz. Wir schlendern gemütlich durch die überdachten, schattigen fünf Blöcke des Komplexes. Leider gibt es hier heutzutage weniger Lebensmittel als vielmehr Souvenirs zu kaufen – T-Shirts, Modeschmuck, Sonnenbrillen, Gewürze oder Soßen. Aber eben auch coole Imbiss- und Getränkestände für einen kleinen Snack zwischendurch.

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Street-Food/Drink im French Market, New Orleans.

Tipp: Jeden Mittwoch findet hier von 14-18Uhr der Farmers Market mit Kochvorführungen und Musik statt!

Louis Armstrong Park

Gestärkt laufen wir durch eine uns noch unbekannte Straße des French Quarter zum Louis Armstrong Park. Für uns als Musiker ist der Besuch der Statue des berühmtesten Sohnes der Stadt New Orleans, des Jazz-Trompeters Louis Armstrong, Pflicht. Ansonsten hat der sauber angelegte Park nicht viel zu bieten.

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Statue von Louis Armstrong im gleichnamigen Park.

St. Louis Cemetery No. 1

New Orleans ist nicht nur die Stadt des Jazz, sondern auch der Friedhöfe. 42 von ihnen sind über die Stadt verteilt, der St. Louis Cemetery No. 1 ist am zentralsten gelegen.

Das Besondere: Es gibt seit 1789 ausschließlich überirdische Bestattungen, sogenannte „above ground burials“ in weiß verputzten Grabhäuschen, denn aufgrund von schlammigen Böden, häufigen Überschwemmungen, starken Regenfällen und einem hohen Grundwasserspiegel kam es immer wieder dazu, dass eingegrabene Tote ungewollt ans Tageslicht gespült wurden. Dieses Verfahren ist ausschließlich in New Orleans und Südlouisiana bis heute üblich.

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Oberirdische Gräber auf einem Friedhof in New Orleans.

Mit wachsendem Reichtum und Wohlstand wurden die Mausoleen immer ausgefallener und prunkvoller, weshalb die Cities of Dead heute eine besondere Attraktion bilden.

Die Stadt entwickelte außerdem ihre ganz eigene Art der Begräbnisse: Eine traditionelle Jazz Funeral wird von einer Marching Band begleitet, die traurige Musik und Hymnen auf dem Weg zur Beerdigung hin und fröhliche, weltliche Musik auf dem Weg zurück spielt.

Achtung: Seit dem 1. März 2015 kann man alle Friedhöfe der Stadt nur noch mit einer Guided Tour besuchen!

Die Riverfront und der Paddlewheeler Natchez

Am späten Nachmittag bietet es sich an, zur Flusspromenade am Mississippi zurück zu kehren, der sogenannten Riverfront. Durch mehrere Parks laufen wir hier entlang dem Fluss vom Jackson Square bis zum Audubon Aquarium of the Americas.

An der Toulouse Station, etwa nach einem Drittel der Strecke, befindet sich die Anlegestelle des historischen Raddampfers Natchez, der letzte seiner Sorte, der auf dem Mississippi verkehrt. Jeden Abend um 19 Uhr kann man auf ihm eine Jazz-Dinner-Cruise unternehmen. Wir entscheiden uns zwar dagegen, aber auch der Anblick, und die Abfahrt dieses Kolosses zu erleben, ist schon eindrucksvoll.

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Raddampfer Natchez auf dem Mississippi in New Orleans.

Bourbon Street

Wir möchten heute Abend lieber New-Orleans-stilecht Party machen und stürzen uns ins Getümmel auf der berühmten Bourbon Street. Hier reihen sich Restaurants, Bars und Kneipen aneinander. Überall spielen Live-Bands verschiedenste Jazz-Musik, es wird getanzt und getrunken, leicht bekleidete Damen versuchen Kunden anzulocken, verkleidete Freaks ziehen mit Lichterketten geschmückte Gefährte durch die Straße, Hauptsache bunt, laut und schrill.

Nach einem guten Burger auf der Terrasse des Steakhouse Cornet ziehen wir los von Bar zu Bar. Überall sind Fenster und Türen geöffnet – gefällt uns die Musik, die heraus schallt, treten wir ein, bestellen ein Bier und genießen die zum Großteil fantastisch spielenden Musiker. Mal an zwei Flügeln, mal als typisches Jazz-Klavier-Trio mit Klavier, Bass und Schlagzeug, mal mit Gesang, mal mit Bläsern, von Rock bis Funk, alles dabei.

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Live-Musik in der „My Bar“ auf der Bourbon Street.

Im Old Absinthe House, einer der ältesten Kneipen der Straße, probieren wir zur späten Stunde den berühmt-berüchtigten Absinthe Frappé, der heute aus Absinthersatz, Eis und Mineralwasser zubereitet wird. Insgesamt ein unvergesslicher, abwechslungsreicher, lustiger Abend, der erst am frühen Morgen des nächsten Tages endet.

2. Tag:

Lower Ninth Ward

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Überreste von Hurrikan Katrina im Stadtteil Lower Ninth Ward.

Nachdem wir uns von der Party-Nacht am Vorabend etwas erholt haben, fahren wir am Vormittag des zweiten Tages mit unserem Mietwagen nach Lower Ninth Ward. Dieser Stadtteil von New Orleans geriet 2005 nach Hurrikan Katrina in das Licht der internationalen Öffentlichkeit, da es hier die schlimmsten Überschwemmungen und Zerstörungen in der ganzen Stadt gegeben hat. Das Wort „Lower“ im Namen des Viertels sagt es schon, es ist der tiefste Punkt der Stadt, weshalb das Wasser hier leichtes Spiel hatte.

Wir wollen uns ein eigenes Bild davon machen, wie es heute, 10 Jahre nach dem Wirbelsturm, in Lower Ninth Ward aussieht, was seitdem an Wiederaufbauarbeiten geschehen ist, und wie es den Menschen dort geht.

Dieses einst lebendige Viertel war vor allem Heimat vieler Afroamerikaner. Als wir es erreichen, haben wir das Gefühl, in ein anderes Land zu kommen: Die Straßen sind löchrig und zum Teil nicht einmal asphaltiert, viele Häuser gleichen Ruinen und sind nicht wieder errichtet worden, kaum ein Mensch ist auf der Straße zu sehen.

Ein älterer Herr, der Daniel beim Fotografieren einer Ruine beobachtet, kommt auf uns zu und beginnt zu erzählen, dass vielen der meist armen Bewohner die finanziellen Mittel fehlten, ihre Häuser wieder aufzubauen, von der Regierung sei keine Hilfe mehr zu erwarten, und so leben viele von ihnen heute auf der Straße oder bei Familienangehörigen in anderen Teilen der Stadt.

Tipp: Wenn du das Viertel nicht auf eigene Faust besuchen möchtest oder keinen Mietwagen in New Orleans zur Verfügung hast, nimm an einer der vierstündigen Fahrradtouren „The Lower Nine“ von Ninth Ward Rebirth Biketours teil.

Blaine Kern´s Mardi Gras World

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Eingang zum Mardi Gras World, New Orleans.

New Orleans ist nicht nur die „City of Jazz“, sondern auch die des Karnevals. Karneval ist das wichtigste Fest in der Stadt, vor allem der bunte Umzug am letzten Karnevalstag, dem sogenannten Mardi Gras. Ähnlich wie hier in Deutschland ziehen an diesem Tag verschiedene Karnevalsvereine mit großen Festwagen und Trucks durch die Straßen und werfen bunte Plastikketten.

Wenn du wie wir nicht an Karneval in New Orleans bist, lohnt sich der Besuch von Blaine Kern´s Mardi Gras World, einem 20 Hallen großen Gebäudekomplex, in dem etwa 50 Mitarbeiter an rund 250 Karnevalswagen und -figuren arbeiten. Du kannst während einer einstündigen Führung durch die Hallen die Mitarbeiter bei ihrer Arbeit beobachten und bekommst so ein besseres Verständnis für die Bedeutung des Karnevals in New Orleans.

Wir laufen einfach ohne Führung durch die Hallen und bestaunen die riesigen, aufwendig hergestellten Wagen und Figuren – absolut lohnend!

Garden District

Nach dem Besuch des Mardi Gras World laufen wir weiter Richtung Uptown in den eleganten Villen-Bezirk Garden District. Hier leben die überwiegend wohlhabenden Amerikaner New Orleans´ in großen, pastellfarbenen Häusern im viktorianischen Stil, umgeben von gepflegtem Grün und sauberen, ruhigen Straßen.

Entlang der Magazine Street kühlen wir uns im coolen Mojo Coffee House bei einem Iced Coffee ab, und schlendern dann durch die vielen Shops und Boutiquen, Galerien und Secondhandläden. Danach werfen wir einen Blick auf den Lafayette Cemetery. Die grüne Straßenbahnlinie St. Charles bringt uns von der Station Washington zurück zum French Quarter. Ein erholsamer Abschluss unserer beiden Tage im abwechslungsreichen New Orleans.

Wissenswertes:

→ Reisezeit? New Orleans hat subtropisches Klima mit heißen, feuchten Sommern. Daher eignen sich v.a. das Frühjahr und der Herbst für eine Städtetrip.

→ Anreise? Es gibt keine Direktflüge aus Deutschland! Delta, Air France, KLM, American Airlines oder die Lufthansa fliegen aber mit Zwischenstopp und ab etwa 700€ in 11 Stunden nach New Orleans.

→ Wohnen? In New Orleans gibt es insgesamt 38.000 Quartiere. Ich empfehle ein Hotel in der Nähe des French Quarter, dann sind die meisten der obigen Sehenswürdigkeiten/Unternehmungen fußläufig zu erreichen.

→ Preise? Ein Hotelzimmer in guter Lage (ab etwa $100 pro Nacht), sowie gutes Essen (ca. $30 p.P.) sind wie überall in Amerika recht teuer. Eintrittspreise entsprechen europäischem Niveau, oft gibt es Studenten- und Seniorenrabatt. Der Tagespass für den ÖNV kostet dafür nur $3.

→ Sicherheit? New Orleans hat in Sachen Sicherheit keinen guten Ruf – unserer Meinung nach zu Unrecht! Wir haben uns nirgendwo unsicher gefühlt, auch nicht bei Nacht. Im French Quarter sowie auf der Bourbon Street patroullieren zahlreiche Polizisten auf Segways und zu Pferd. Wie überall in Amerika gibt es viele bettelnde Obdachlose, mehrheitlich sind diese jedoch harmlos.

→ Unbedingt probieren: Typisch für New Orleans sind die Cajus-Küche sowie Creole. Beides basiert im Grunde genommen auf der französischen Küche, gespickt mit Einflüssen aus Afrika, Spanien, Italien, der Karibik sowie der indianischen Kultur. So isst man z.B. Louisianas Nationalgericht Gumbo, das ist Reis mit Zwiebeln, Paprika und Sellerie sowie Knoblauch, und dazu wählt man aus zwischen Huhn, Wurst oder Meeresfrüchten mit einer dunklen Mehlschwitze. Etouffée wird ragoutartig mit den heimischen Fischen Wels (catfish) oder Languste (crawfish) zubereitet. Hopping John ist ein einfaches Gericht bestehend aus Reis und Bohnen. Po-boys sind meist mit Roastbeef oder Shrimps belegte Baguettes, getunkt in Bratensauce mit Senf oder Majo, und Salatblättern sowie Tomatenscheiben belegt. Muffulettas sind dick mit Schinken, Salami, Käse und Olivensalat belegte Weißbrote. Guten Appetit!

→ Tipp: Die Einheimischen von New Orleans mögen es nicht, wenn der Name der Stadt mit Betonung auf die zweite Silbe („leans“) ausgesprochen wird. Es heißt also „New ORlins“, nicht „New OrLEENS“!

Du warst schon in New Orleans und hast noch weitere Tipps?

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar! Deine Julia