„Day at leisure“ sagte uns das heutige Programm für unseren 2-tägigen Aufenthalt in der Bolivianischen Metropole La Paz während unserer Peru/Bolivien Reise im August 2016. Besonders in Städten sind solche Tage unsere liebsten, denn sie bedeuten Zeit, sich treiben zu lassen, Zeit für Begegnungen und Zeit, einen Ort und seine Menschen zu erleben.

Nach einem guten Frühstück im Restaurant des Hostal Naira – unbedingt eins der romantischen Zimmer mit Steingewölbe im EG des überdachten Innenhofs reservieren! – ging es ins bunte Treiben:

Erster Anlaufpunkt, der Hexenmarkt „Mercado de Hechiceria“, gelegen Ecke Avenida Santa Cruz/Illampu. Die ersten Sonnenstrahlen des Tages brechen durch die Abgaswolken der vorbei fahrenden, überfüllten Kleinbusse und LKW und tauchen die Marktstände, an denen Frauen alles Mögliche für Zauberkunst, obskure Riten und traditionelle Heilkunst feilbieten, in ein ganz besonderes, weiches Morgenlicht. Wer die Stände, an denen u.a. zahlreiche Lama-Embryos ausgestellt/aufgehängt sind, fotografieren will, muss schnell sein, bevor einen die Marktfrauen lautstark davon abhalten wollen.

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Wunderschöne, bunte Häuser aus der Kolonialzeit gibt es in der Calle Jaén zu sehen, einer kleinen, verschlafenen Gasse mit ein paar Museen. Einige Alte sitzen an diesem Morgen eingangs der Gasse auf Bänken in der Sonne, unterhalten sich und scherzen mit den wenigen, vorbei laufenden Touristen. Südamerika-Feeling at its best! Hier scheint das Leben in Ordnung zu sein.

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Vorbei am Teatro Municipal, geraten wir plötzlich in einen Menschenauflauf. Eine Straße ist von der Polizei mit Schutzschilden und einem Wasserwerfer fast komplett abgeriegelt. Dahinter Zelte, Reporter, Kinder und Erwachsene mit Behinderungen. Wir bahnen uns einen Weg durch die Menschen, die Stimmung wirkt friedlich, und kommen mit einer Frau ins Gespräch, die uns erklärt, dies sei der Abschluss eines Protestmarsches von Behinderten, die in Bolivien für eine bisher nicht vorhandene Behindertenrente kämpften. Viele dieser Menschen leben daher auf der Straße vom Betteln, ohne jegliche staatliche finanzielle Unterstützung. Wir dürfen fotografieren und verschenken unsere restlichen Kekse an ein paar Kinder, bevor wir nachdenklich weiter gehen.

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Nur einen Block weiter, am bekannten Plaza Murillo mit Blick auf die schön erhaltenen Kolonialgebäude des Regierungssitzes, lassen wir das gerade Erlebte Revue passieren. Wie so oft in diesen Ländern liegen bittere Armut, Leid und Prunk direkt nebeneinander und man bekommt wieder ein Gefühl dafür, wie gut es uns in Deutschland wirklich geht.

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Zur kurzen Erholung, und weil der Laden wirklich unschlagbar gut aussieht, kehren wir, direkt um die Ecke auf der Calle Comercio, bei The Writer´s Coffee ein. Das Ambiente ist toll, die Auswahl an Kaffee-Kreationen ist riesig und auch der Kuchen schmeckt fantastisch. Eine absolute Empfehlung für jeden La-Paz-Besuch! Vom Chef persönlich, einem Boliviano, der einige Jahre in Deutschland gelebt hat, bekommen wir den Tipp, mit der roten Seilbahnlinie ins oberhalb der Stadt La Paz gelegene El Alto zu fahren. „It´s safe, don’t worry!“

Wir machen uns zu Fuß auf den Weg zur Talstation, zahlen am Schalter 3 Bolivianos pro Ticket – umgerechnet 40 Cent – und schon sitzen wir in einer sauberen, neuen Gondel und genießen die traumhafte Aussicht auf den schneebedeckten Hausberg Illimani und das unter uns liegende Häusermeer der 2-Mio.-Stadt La Paz. Oben angekommen, auf immerhin 4100m Höhe, wird man mit einem spektakulären Blick über die gesamte Stadt belohnt.

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Wir verlassen das Seilbahnterminal und schlendern, die dünne Luft spürend, ein bisschen durch El Alto, vorbei an Fußball spielenden Männern, einer Klasse Mädchen, die gerade Sportunterricht hat, und zahlreichen Frauen an kleinen Grills vor staubigen Baracken, die verschiedenste Kleinigkeiten anbieten. Wir entscheiden uns für zwei Tüten Popcorn. Die Mädchen im Teenageralter sind begeistert von Daniels Kamera. Wir unterhalten uns ein bisschen, es gibt viel Gekicher und dann Gruppenposen für ein paar Fotos. Viele Touristen scheinen sich bis hierhin nicht zu verirren, das wird auch im Gespräch mit den Mädchen deutlich.

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Auf der Rückfahrt steigen wir noch kurz an der Mittelstation, am riesigen Cementerio General, aus. Anders als in New Orleans, wo man die Friedhöfe nur noch mit Führungen besuchen kann, darf man hier völlig ungestört durch unendlich viele Gänge laufen und verschiedenste, oft sehr persönliche Grabbeigaben hinter gläsernen, abschließbaren Grabsteinen bewundern. Da die Gegend um den Friedhof als recht gefährlich gilt, sind wir noch vor Einbruch der Dunkelheit weiter hinab gefahren.

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Zu unserer Überraschung hat sich das Zentrum der Stadt während unserer Abwesenheit in eine große, überlaufene Festmeile verwandelt. Alles scheint auf den Beinen zu sein, um einem karnevalsähnlichen Umzug der Universität, mit Samba tanzenden Fußgruppen, Musikkapellen und geschmückten Wagen, zuzujubeln. Hunderte Essensstände, Feuerwerk und Feier bis spät in die Nacht. Ein großartiger Abschluss für solch einen erlebnisreichen Tag.

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Wissenswertes:

Reisezeitraum? 6.-8. August 2016

Unterkunft? Hostal Naira – unbedingt eins der romantischen Zimmer mit Steingewölbe im EG des überdachten Innenhofs reservieren!

Preise? Bolivien ist generell ein armes Land und das Preisniveau ist entsprechend niedrig. Überall bekommt man an Straßenständen Snacks für ein paar Bolivianos. Besucht man Restaurants/Cafés mit westlichem Standart sind die Preise allerdings wie bei uns!

Sicherheit? La Paz gilt generell nicht als sichere Stadt. Wir haben uns bei Tageslicht allerdings überall wohl gefühlt. Abends/Nachts waren wir nicht mehr alleine unterwegs. Leider ist Daniel während des Festumzugs sein iPhone aus der Hosentasche gestohlen worden. Dies hätte aber wohl überall auf der Welt passieren können!

Achtung: La Paz liegt auf 3200 bis 4100m ü.N. und ist damit der weltweit höchstgelegene Regierungssitz. Die dünne Luft spürt man extrem, v.a. oben in El Alto! Wer damit empfindlich ist, sollte La Paz vielleicht nicht als erste Station auf einer Südamerika Reise wählen.

 

Warst du auch schon einmal in La Paz? Wie waren deine Eindrücke von der Stadt mit dem weltweit am höchsten gelegenen Regierungssitz?

Hinterlasse mir gerne einen Kommentar! Deine Julia