Sand so weit das Auge reicht – umgeben von Wasser. Die Kapverdische Insel Boa Vista gilt als Sahara im Atlantik. Mit nur etwa 100 Millimetern Niederschlag im Jahr ist die Insel, die vor der Küste Senegals liegt, trockener als die Wüstenstadt Timbuktu. 350 Sonnentage und endlose Strände machen sie damit zu einem Urlaubsparadies, welches immer noch recht unbekannt ist.

Lange haben wir nach einem geeigneten Abschluss unseres Afrika-Sommers 2014 gesucht, in dem wir Südafrika, Botswana (Kalahari Desert – Die Heimat der San) und Simbabwe bereisten. Ich wollte noch ein paar Tage Erholung am Strand, wofür in Südafrika in unserem Sommer nicht die richtige Jahreszeit ist, und per Zufall entdeckte ich im Internet Fotos des Wüstenfotografen Michael Martin von Boa Vista und war sofort begeistert. Ich bin erstaunt, dass ich bis dahin noch nie etwas von den Kapverden gehört hatte.

Ich folge bei Reisezielen gerne meinem Bauchgefühl und schnell waren, ohne große Recherche, Flug und Hotel für eine Woche gebucht. Etwas stutzig gemacht hat es mich zwar schon, dass ausgerechnet die Fluggesellschaft TUIfly dorthin fliegt und es vor allem Pauschalangebote großer Reiseanbieter gibt, die wir als überzeugte Individual-Reisende immer zu vermeiden suchen. Aber letztendlich haben wir uns davon nicht abhalten lassen und haben es nicht bereut, so viel kann ich euch schon verraten.

Zwischen Daniel und mir gibt es hin und wieder so einen kleinen Kampf, was Badeurlaube angeht. Ich muss ihm quasi jeden Tag am Strand abringen, da ihm nach 3-4 Stunden langweilig wird. Daher muss das Reiseziel auch immer seinen Entdecker- und Fotografieansprüchen genügen. Es braucht also Motive, wahlweise Menschen oder interessante Landschaft, besser beides 😀 Zum Glück hat Boa Vista auch das zu bieten, denn neben den endlosen, einsamen, hellgelben Sandstränden und türkis schimmerndem, Badewannen-warmem, klarem Meerwasser, gibt es auf der Insel noch viel mehr zu entdecken. Im Folgenden habe ich euch sieben Ideen und Tipps zusammengestellt:

Wanderungen durch die Dünenlandschaft

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Direkt angrenzend an die weiten Sandstrände türmen sich sanft geschwungene, nur schwach bewachsene Dünen aus wunderschön weichem Sand auf. Anders als z.B. in den Niederlanden an der Nordsee, sind sie überall zugänglich und man kann stundenlang durch die Landschaft spazieren, Spuren lesen, fotografieren oder einfach dasitzen, den Blick auf das offene Meer gerichtet, und die Zeit vergessen. Ein wahnsinnig tolles und zugleich beruhigendes Erlebnis.

Besichtigung des Schiffswracks „Cabo Santa Maria“

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An der Praia do Sobrado liegt das Wrack eines spanischen Frachters, der Cabo Santa Maria. Sie lief dort am 15. März 1968 wegen eines Navigationsfehlers unter den schwierigen Strömungs- und Windverhältnissen vor der Küste Boa Vistas auf Grund. Obwohl nicht leckgeschlagen, wurden keine Versuche unternommen, das Schiff frei zu schleppen. Stattdessen wurde es aufgegeben und die Ware wie Autos, Getränke, Kork und Käse, geplündert. Noch heute sieht man die rostigen Überreste des Wracks in der Brandung, ein unheimlicher Anblick und super Fotospot.

Ausflug in das kleine Dorf Rabil

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Mehr als die älteste erhaltene Kirche der Insel, São Roque, erbaut 1806, und die Töpferschule (Escola de Olaria), in der man Vasen, Amphoren und kleine getöpferte Souvenirs erstehen kann, hat Rabil nicht zu bieten. Aber hier bekommt man einen authentischen Eindruck und Kontakt zum Leben der kreolischen Bevölkerung. Bei einer kleinen Autowerkstatt am Rande des Dorfes haben wir uns mit ein paar Einheimischen unterhalten und mit deren äußerst unbefangenen, zutraulichen Kindern gespielt und herumgealbert.

Restaurant-Tipp: Casinha de Ema! Ema bereitet ausschließlich lokale Produkte aus Boa Vista zu. Fleisch aus eigener, artgerechter Haltung, Fisch und selbst angebautes Gemüse. Köstlich!

Haibeobachtung in der „Haibucht“

Im Norden der Insel, in der Nähe des Ponta Antónia, liegt die „Haibucht“. Hier kann man v.a. Ammen- und Zitronenhaie beobachten, die sehr nah an die Küste ins flache Wasser kommen. Die besten Monate dafür sind Juni und Juli, da sich die Haie dann zur Paarung in der Bucht aufhalten. Wir hatten im August leider nicht so viel Glück. Trotzdem lohnt sich der Abstecher in die karge Landschaft des Nordens.

Auf der Insel werden auch Wal- und Schildkrötenbeobachtungen angeboten. Das haben wir allerdings nicht ausprobiert.

Tour zum Leuchtturm Morro Negro

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Auf einer Anhöhe an der Ostküste der Insel steht einsam und erhaben der Leuchtturm Morro Negro. Zu Fuß kann man den kleinen Berg in 15 Minuten gemächlich erklimmen und ebenfalls auf das äußerst baufällige Gebäude des Leuchtturms klettern. Vorsicht: Überall liegen Scherben von geborstenen Fenstern und herabfallender Putz. Ein Eldorado für Fans verlassener Orte, wir lieben so etwas! Aber auch die Aussicht über den Atlantik ist grandios und der relativ weite Weg dorthin lohnt sich definitiv!

Tipp: Festes Schuhwerk und entsprechende Kleidung anziehen!

Muschelsuche am Strand von Porto Ferreira

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In der Bucht von Porto Ferreira, ebenfalls an der Ostküste Boa Vistas, kann man ganz besondere Muscheln finden, die der Fechterschnecken. Sie werden hier gefischt, da sie sowohl im rohen als auch gegarten Zustand als Delikatesse begehrt sind. Auf Boa Vista wird dies unter dem Namen „Buzios“ angeboten. Eigentlich mache ich mir nichts aus Muscheln, aber die großen, unterschiedlich geformten Gehäuse dieser Schnecken sind wirklich wunderschön.

Achtung: Da sie zu den geschützten Arten gehören, darf man höchstens drei Gehäuse pro Person bei der Abreise ausführen!

Besuch des Hauptortes Sal Rei

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Der Name des Hauptortes der Insel verdankt sich der Werbung für das einst hier gewonnene Salz. Es war so sauber, so „königlich“, dass es als „Sal Rei“ beworben wurde.

Vor Pastellfarben getünchten Häusern sitzen alte Männer und beobachten die spielenden Kinder. Tagsüber wirken die Altstadtgassen des 12.000-Einwohner-Ortes verschlafen.

Nachdem wir uns am letzten Tag unserer Reise ein bisschen um den zentralen Platz Largo de Santa Isabel umgesehen haben, lassen wir uns am frühen Abend nahe dem alten Hafen auf der Terrasse des Restaurants Té Manché nieder und beobachten das aufkommende bunte Treiben. Aus der Bar dringt kreolische Musik, und immer mehr junge Einheimische strömen Richtung Strand, es ist Wochenende. Es wird getrunken, gelacht und geflirtet, Kinder mischen sich selbstverständlich unter das Volk.

Als es dunkel ist, gibt es unter den jungen Männern einen Wettkampf im Tauziehen, ein echtes Spektakel und ein wunderschöner abschließender Abend.

Wissenswertes:

Anreise? TUIfly fliegt von Köln-Bonn, Frankfurt, Hamburg, Hannover und München direkt nach Boa Vista. Preise je nach Jahreszeit ab 330€. Die Flugzeit beträgt ca. 6 Stunden.

Einreise/Visum? Für die Einreise ist ein Reisepass nötig, der noch mindestens 6 Monate gültig ist. Wir haben das Visum problemlos „on arrival“ am Flughafen bekommen.

Sprache? Die Amtssprache ist Portugiesisch. Zumindest die jungen Leute sprechen meistens auch Englisch oder Französisch. Wir sind mit Spanisch gut zurecht gekommen.

Unterkünfte? Neben der großen Hotelkette RIU gibt es in Sal Rei auch einige kleinere Guest-Houses. Wir haben im Hotel Iberostar an der Praia da Chave gewohnt. Es ist das letzte Hotel in der Bucht, danach gibt es nur noch Natur und man kann sich gut von den anderen Hotelgästen am Strand absetzen. Sehr einsam und abgelegen: Das ökologisch bewirtschaftete Hotel Spinguera an der Nordküste.

Touren/Ausflüge? Leider kann man auf der Insel kein Auto mieten und selber fahren. Es gibt nur wenige ausgebaute Straßen und die Pisten und Staubstraßen sind in einem schlechtem Zustand. Daher bietet es sich an, einen sogenannten „Aluguer“, ein meist allradgetriebenes Taxi samt Fahrer, zu mieten. Den Preis muss man selber aushandeln. Wir haben außerdem zwei fantastische Touren mit CaboKaiTours gemacht. Das kleine Unternehmen gehört der Deutschen Kai Andrea Sauthoff, die seit vielen Jahren auf Boa Vista lebt und die Insel inzwischen wie ihre Westentasche kennt.

 

Planst du gerade eine Reise auf die Kapverden und hast eventuell noch Fragen?

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