Von Anfang 2019 bis Juli 2020 habe ich hauptberuflich als Flötistin beim Beethovenorchester in Bonn gearbeitet. Daher habe ich in der ehemaligen Hauptstadt der Bundesrepublik einen zweiten Wohnsitz.

Mit etwa 325.000 Einwohnern gehört die Universitätsstadt eher zu den kleineren deutschen Metropolen. Doch mit ihre Lage am Rhein und ihrem weltberühmten Sohn Ludwig van Beethoven, der Museumsmeile, dem Sitz der Vereinten Nationen, sowie tollen Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten im Umland, wird Bonn viel zu oft und zu Unrecht gegenüber der vermeintlich sehenswerteren Nachbarstadt Köln vernachlässigt. Warum das ein Fehler ist, zeige ich im folgenden Beitrag, in dem ich dir alle meine persönlichen Lieblingsplätze sowie sehenswerte, unterhaltsame, coole und gemütliche Orte für ein Wochenende in Bonn vorstellen möchte:

1. Der Hofgarten und das ehemalige Kurfürstliche Residenzschloss

Mitten in der Bonner Innenstadt liegt dieses barocke Schlossgebäude, welches heute als Hauptgebäude der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn als Ausbildungsort für 41.000 Studierende aus aller Welt dient. Das im Inneren leicht baufällige Anwesen ist von außen betrachtet ein echter Hingucker, und im angrenzenden Hofgarten herrscht studentisch entspannte Atmosphäre. Hier genießt man die Sonne beim Lernen, spielt eine Runde Frisbee oder trifft sich auf ein kühles Getränk mit Freunden. Wie ich finde, der ideale Einstieg für dein Wochenende in der Studentenstadt Bonn.

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Tipp: Mein Lieblingscafé zum Frühstücken, Kaffee trinken, Lernen oder Arbeiten ist das Pirkan Café direkt gegenüber der Uni!

2. Der Alte Zoll – Blick über den Rhein bis zum Siebengebirge

Um danach einen ersten Blick auf den Rhein zu werfen, bietet sich dieser Teil der Stadtbefestigung aus dem 17. Jahrhundert an, der sogenannte Alte Zoll, der nur wenige Minuten fußläufig vom Hofgarten entfernt liegt. Zusammen mit einem grandiosen Blick auf das Rheintal bis zum entfernten Siebengebirge und dem Drachenfels, lassen sich im angrenzenden Biergarten die lauen, sonnenreichen Bonner Sommerabende genießen.

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3. Das Alte Rathaus – Blickfang am Marktplatz

Nur unweit von Uni und Zoll befindet sich der historische Markt, auf dem montags bis samstags von 8-18.30Uhr eine bunter Wochenmarkt samt ein paar leckeren Streetfood-Ständen für den Snack zwischendurch zu finden ist. Highlight des Platzes ist jedoch das im Rokoko-Stil gehaltene Alte Rathaus. Das dreistöckige Gebäude mit Mansarddach wurde 1738 erbaut und wird heute gerne für Hochzeiten genutzt. Vor allem von der Treppe aus kann man wunderbar meiner Lieblingsbeschäftigung „Leute gucken“ nachgehen und das lebhafte Treiben des Platzes beobachten.

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4. Das Beethoven-Haus – Geburtshaus des berühmtesten Sohnes der Stadt

Für mich als Musikerin des Beethovenorchesters selbstverständlich Pflichtprogramm, der Besuch des Hauses in der Bonngasse, in dem der berühmte Musiker und Komponist Ludwig van Beethoven 1770 geboren wurde. Neben mehr als 200 originalen Ausstellungsstücken, etwa Handschriften, Partituren oder Alltagsgegenständen wie seinem Hörrohr, kannst du hier auch Beethovens Bratsche und seinen letzten Flügel besichtigen. In Sinnesräumen mit Audio- und visuellen Erlebnissen kommst du dem Musikgenie nahe und kannst in seine Jugend in Bonn eintauchen. In diesem Jahr feiern wir übrigens seinen 250. Geburtstag!

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Eintritt: Erwachsene 10€, Schüler/Studenten/Azubis 7€, Kinder unter 6 Jahren frei.
Tipp: Das Beethoven-Denkmal, eine große Bronzestatue des berühmten Komponisten, findest du auf dem naheliegenden Münsterplatz.

5. Die Bonner Kirschblüte – Blütenzauber in der Altstadt

Jedes Jahr von Anfang bis Mitte April spielt sich in der Bonner Altstadt entlang der Max-, Franz-, Dorotheen-, Breite- und Heerstraße ein ganz besonderes Naturspektakel ab: Die Bonner Kirschblüte, die ganze Straßenzüge in ein weißes, rosa- und pinkfarbenes Blütenmeer hüllt. Je nachdem wieviel Regen, Wind und Hitze es gibt, stehen die farbenfrohen Bäume dann etwa 10-14 Tage in voller Blüte, und Bonn erwacht aus seinem Winterschlaf. Die Altstadt mit ihren alten Fassaden und bunten Cafés und Bars bietet dabei eine wunderschöne Kulisse für die blühenden Bäume. Auch ich bin totaler Kirschblüten-Fan und war im vergangenen Jahr zum ersten Mal in Bonn dabei – einfach traumhaft schön!

Tipp: Inzwischen zieht der kurzweilige Blütenzauber auch viele Touristen aus dem Um- und Ausland an. Ich empfehle dir daher eine rechtzeitige Hotel-Reservierung, wenn du Bonn in dieser Zeit besuchen möchtest!

6. Der „Haribo Store Bonn“ – süße Versuchung in der Bonner Innenstadt

Wer hätte es gewusst? Das weltberühmte Unternehmen für Süßigkeiten wurde 1922 in Bonn gegründet. Haribo steht nämlich als Kürzel für „Hans Riegel Bonn“ und bietet in seinem Shop in der Straße Am Hofgarten auf zwei Etagen Süßigkeiten-Tüten jeglicher Sorte für groß und klein. Ein Paradies für alle Haribo-Fans!

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Tipp: Im Bonner Stadtteil Bad Godesberg betreibt Haribo auch noch einen Fabrikverkauf.

7. Die Botanischen Gärten der Universität Bonn – Auszeit im Poppelsdorfer Schlosspark

Direkt um die Ecke des Haribo Store beginnt die wunderschön von rot- und weißblühenden Rosskastanien gesäumte Poppelsdorfer Allee, die eine etwa einen Kilometer lange Schneise zum sehenswerten Poppelsdorfer Schloss schlägt. In dessen angrenzender Parkanlage befinden sich die Gewächshäuser und Gartenanlagen der Botanischen Gärten der Universität Bonn. Diese laden – unter der Woche sogar kostenlos – dazu ein, sich eine Auszeit vom städtischen Treiben zu nehmen.

8. Die Bonner Museumsmeile – Architektur, Kunst und Geschichte zum Anfassen

Auf einem schönen Spaziergang durch die Bonner Südstadt, die zu den größten zusammenhängenden Gründerzeitvierteln Deutschlands zählt, geht es es weiter zur Museumsmeile. Hier befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft fünf hochkarätige Museen: Das Zoologische Forschungsmuseum König, das Haus der Geschichte, das Kunstmuseum, die Bundeskunsthalle sowie das Deutsche Museum. Wer meinem Blog folgt weiß, dass ich nicht die große Museumsgängerin bin. Doch die Museumsmeile und auch der angrenzende UN Campus – Bonn ist deutsche UNO-Stadt – lohnen sich auch für Freunde der Architektur-Fotografie.

Tipp: Gleich neben dem UN Campus steht das höchste Bürogebäude in NRW, der 162 Meter hohe gläserne Post Tower. Entweder von seiner Aussichtsplattform oder vom Restaurant Konrad´s in der 17. Etage des naheliegenden Marriott Hotels hast du eine fantastische Aussicht auf Stadt und Umland.

9. Der Freizeitpark Rheinaue – grünes Ausflugsparadies am Rhein

Im Zuge der Bundesgartenschau 1979 wurden die damals unbebauten, landwirtschaftlich genutzten Rheinauen hergerichtet und erschlossen. Seither gehören die Auen, die diverse Kunstwerke, einen künstlich angelegten See sowie einen kleinen, versteckten japanischen Garten beherbergen, zu den beliebten Naherholungsgebieten der Bonner. Hier findet das jährliche Großfeuerwerk „Rhein in Flammen“ statt, zwischen März und Oktober jeweils am dritten Samstag des Monats einer der größten Flohmärkte Deutschlands, sowie zahlreiche Konzertveranstaltungen auf dem KUNST!RASEN Bonn.

10. Der gemütliche Stadtteil Beuel – Bonns Schäl Sick

Als Schäl Sick (rheinisch für schlechte/falsche Seite) bezeichnen die Bonner die in Flussrichtung rechts gelegene Rheinseite. Hier liegt der Bonner Stadtteil Beuel, in dem ich wohne. Als Zugezogene stört mich überhaupt nichts an der vermeintlich „falschen“ Seite, im Gegenteil: Beuel ist ruhiger, sauberer und gemütlicher als der linksrheinische Teil Bonns. Am liebsten sitze ich hier in Mayras Wohnzimmer, meinem absoluten Lieblingscafé zu jeder Tageszeit, oder genieße die Abendsonne entlang der von Kopflinden gesäumten Promenade am Rheinufer. Im Sommer lädt der Beueler Strand unterhalb des Restaurants „Bahnhöfchen“ sogar zum Baden und Sonnen am Rhein ein, und meine liebste Joggingstrecke verläuft flussabwärts durch herrliche Natur bis zur Rhein-Sieg-Mündung.

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Tipp: Von der Bonner Innenstadt aus erreichst du Beuel in wenigen Minuten fußläufig über die Kennedybrücke.

11. Der Bonner Bogen – Wiederbelebung einer ehemaligen Zementfabrik

Ebenfalls rechtsrheinisch liegt der Bonner Bogen, ein neu gestaltetes Areal am Rheinufer zwischen den Bonner Stadtteilen Ramersdorf und Oberkassel. Hier entstand in den vergangenen Jahren ein Gebäudeensemble aus einem wie ich finde gelungenen Mix der alten Backsteinbauten einer ehemaligen Zementfabrik und sehr modernen Neubauten, wie dem 5-Sterne-Designhotel Kameha Grande, einigen Restaurants sowie Firmen- und Wohngebäuden. Ich mag das schicke Gelände sehr, vor allem im Sommer. Ideal ist die Kombination aus Sonntagsbrunch auf der Außenterrasse der Rohmühle (unbedingt vorab reservieren!) und anschließendem Spaziergang am Rhein.

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Weitere Sehenswürdigkeiten in Bonn?!

So viel also zu meinen ganz persönlichen Lieblingsplätzen in Bonn. Selbstverständlich hat die ehemalige Bundeshauptstadt aber noch mehr zu bieten. Wenn du also einen längeren Aufenthalt in Bonn planst, gäbe es da außerdem noch das ehemalige Regierungsviertel mit Bundesrat, Villa Hammerschmidt und Palais Schaumburg, die Bonner Oper, eine Fahrt auf dem Rhein mit einem der Bonner Ausflugsschiffe, das Schloss Drachenburg im Siebengebirge, das Villenviertel in Bad Godesberg oder den nahegelegenen Kottenforst, ein großes Waldgebiet mit Wildgehege und Waldlehrpfad.

Wissenswertes:

beste Reisezeit? Ich finde, die schönste Jahreszeit in Bonn ist der Sommer.

Anreise? Am besten mit der Bahn zum Bonner Hauptbahnhof, der zentral in der Stadt liegt. Alle genannten Sehenswürdigkeiten und Orte lassen sich bequem zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen. Bonn ist außerdem eine Fahrrad-Stadt!

Wohnen? Ich empfehle das Motel One wegen seiner perfekten Lage. Wer es etwas freakig und ausgefallener mag, kann im Base Camp Hostel aber auch in Retro-Wohnwagen und Waggons der Deutschen Bahn übernachten.

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Preise? Das Preis- Leistungsverhältnis stimmt meistens. Ich empfinde Bonn nicht als besonders teuer.

Unbedingt probieren? Das Bonner Bier „Bönnsch“, z.B. im historischen Brauhaus Bönnsch, oder den Siegfried-Gin, der in einer Bonner Destillerie hergestellt wird. Außerdem empfehle ich die rheinischen Spezialitäten „Strammer Max“, „Halve Hahn“, „Himmel und Äd“ und Sauerkrautauflauf.

Lesetipp: Bonn hat es dieses Jahr sogar auf die Best in Travel 2020-Liste des Lonely Planet geschafft!

Kennst du Bonn schon und hast noch weitere Tipps für einen Städtetrip?
Hinterlasse mir gerne einen Kommentar! Deine Julia

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Beethoven-Stadt Bonn