Ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich zum ersten Mal ein Foto des Rila Klosters entdeckt habe. Vermutlich auf einer dieser einschlägigen Seiten „Places to see in your Lifetime“. Ich weiß nur, dass ich damals dachte, nie zuvor ein schöneres Bauwerk gesehen zu haben. Diese Farben, diese Anlage, gelegen mitten in den Bergen.

Ich machte mich auf die Suche nach Informationen und als ich herausfand, dass man im Kloster selber auch noch übernachten kann und die Anlage dadurch am frühen Morgen ganz in Ruhe, ohne viele andere Touristen, genießen kann, war klar, dass es eine Station auf unserem Osteuropa-Roadtrip werden musste.

Die erste Kontaktaufnahme im März zwecks Zimmer-Reservierung versuchte ich per E-Mail. Es kam keine Antwort. Daraufhin probierte ich mehrere der auf der Homepage angegebenen Telefonnummern. Bei der dritten oder vierten möglichen Nummer nahm jemand ab, mit Englisch kam ich jedoch nicht weiter. Einige Tage später wagte Daniel einen neuerlichen Versuch in der Hoffnung, sich mit Serbokroatisch verständlich zu machen. Immerhin brachte er in Erfahrung, dass man erst einen Monat vor dem Anreisedatum ein Zimmer reservieren kann. Wir sollten im Juli wieder anrufen. Na, leicht machen sie es einem aber nicht, dachte ich.

Drei Monate später bat ich dann doch sicherheitshalber eine bulgarische Kollegin, für uns anzurufen, und siehe da, wir bekamen unser Zimmer mündlich zugesprochen!

Die orthodoxe Klosteranlage des heiligen Iwan von Rila liegt auf ca. 1150 Metern ü.N. im Rila-Gebirge, 120 Kilometer südlich von Sofia im südwestlichen Bulgarien. Sie wurde im 10. Jahrhundert gegründet und ist das bedeutendste und größte Kloster in Bulgarien.

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Bei unserer Ankunft gegen Mittag heißt es für mich erst einmal umkleiden. Ich tausche Shorts gegen lange Hosen und mein schulterfreies Top gegen ein T-Shirt, denn an den beiden Eingängen des Klosters wird darauf penibel geachtet.

Der Parkplatz, der vor dem West-Eingang des Klosters liegt, ist gut gefüllt und es springen so einige Touristen aus den Tagesausflugs-Bussen, die aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia hierher fahren.

Wir wollen erst einmal klären, wo wir uns für das gebuchte Zimmer anmelden können. Wieder kommen wir mit Englisch beim Pförtner überhaupt nicht weiter. Serbisch funktioniert besser und er schickt uns zu einer Rezeption im hinteren rechten Flügel der Anlage. Dort sitzt zu meiner Überraschung ein Mönch, finster dreinblickend, bärtig, in seiner schwarzen, orthodoxen Mönchsrobe. Er scannt unsere Pässe – so viel Moderne muss sein -, wir bezahlen die 30€ Zimmer-Gebühr und bekommen einen Schlüssel ausgehändigt. Unsere freundliche Frage danach, wo wir hin müssen und ob es am kommenden Morgen ein Frühstück gibt, kann oder mag er uns nicht beantworten.

Wir machen uns also selbständig auf die Suche nach unserer Zimmernummer. Bei drei Etagen und geschätzten 150 Zimmern im Wohntrakt, der um die Klosterkirche herum verläuft, gar nicht so einfach.

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Aber immerhin kommen wir als Übernachtungsgäste in den Genuss, diesen die Klosterkirche umlaufenden Gebäudeteil überhaupt betreten zu dürfen. Den Tagesgästen ist dies untersagt. Dabei bekommt man erst von oben einen wirklich guten Blick auf die Anlage.

Die Zimmer sind erwartungsgemäß einfach, aber in Ordnung. Selbstverständlich gibt es ausschließlich Einzelbetten 😉 Frisches Bettzeug und Handtücher inklusive. Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad mit Dusche und WC.

Nachdem wir alles geregelt und uns eingerichtet haben, kann ich den imposanten Anblick der Klosteranlage endlich genießen. Es ist wirklich fantastisch, und ich stehe minutenlang staunend auf dem Gang vor unserem Zimmer und beobachte das Treiben im Innenhof.

Wir laufen ein Stockwerk höher, um die in der Mitte der Anlage gelegene Klosterkirche Sweta Bogorodiza mit ihren fünf Halbrundkuppeln von allen Seiten genauer betrachten zu können, da werden wir zum ersten Mal zurückgepfiffen. Eine Angestellte macht uns klar, dass wir uns nur auf unserem Flur aufhalten dürfen…aha.

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Wir ziehen uns etwas enttäuscht zurück in den Hof, mischen uns unter die anderen Touristen und erkunden die Klosterkirche und ihren Rundgang mit farbgewaltigen Fresken, die religiöse Szenen zeigen, zunächst einmal von unten.

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Außerdem zu sehen, der Chreljo-Turm (links im Bild) aus dem 13. Jahrhundert, der sich baulich deutlich absetzt vom restlichen Klosterkomplex. An diesem Turm wurde 1844 auch noch ein kleiner Glockenturm angebaut.

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Um kurz vor 18 Uhr beginnt unser Rezeptions-Mönch dort zu läuten, scheinbar steht das Abendgebet an. Nach und nach kommen etwa zehn Mönche aus verschiedenen Teilen des Klosters eiligen Schrittes Richtung Klosterkirche gelaufen. Sie wirken wie auf der Flucht vor den ganzen Touristen, und ein Mönch mit langem grauen Bart weist Daniel laut und barsch an, er möge ihn nicht fotografieren.

Ich stehe etwas entfernt und beobachte die Situation nachdenklich. Auch ohne Sinn für Religion und Ordensleben verstehe ich, dass sich die Mönche gestört fühlen. Sie leben in einer Art Museum und werden tagtäglich von hunderten Menschen beobachtet und vielleicht sogar in ihrem religiösen Alltag behindert. Auf der anderen Seite verdienen sie Geld mit uns Touristen und das Kloster gehört offiziell zu den 100 nationalen touristischen Objekten Bulgariens. Ich bin hin und her gerissen, Fakt ist jedoch, dass ich mich nicht wirklich willkommen fühle.

Zum Abendessen verlassen wir die Klostermauern zum Ost-Ausgang. Hier gibt es drei kleine, einfache Restaurants an der Straße. Das Essen ist in Ordnung, viel Auswahl hat man in der Umgebung eben nicht.

Um 21 Uhr schließen die Klostertore im Sommer, allerdings gibt es wohl eine Klingel und man kommt als Übernachtungsgast auch später noch wieder hinein.

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Die Nachtruhe beginnt früh, das Morgengebet dafür auch. Noch vor Sonnenaufgang schleiche ich mich aus unserem Zimmer in die Kirche, um die Morgenmesse zu erleben. Bereits im noch vollkommen leeren Innenhof hört man die Gesänge der Mönche. Etwas unsicher, ob ich als Frau einfach zuschauen darf, betrete ich die dunkle, nach Weihrauch riechende Kirche. Es gibt ein paar weitere Besucher, und ich schaue mir das spirituelle Spektakel eine Weile an, ein Erlebnis, welches man nicht jeden Tag zu sehen bekommt. Vielleicht hat sich die Übernachtung hier doch gelohnt.

Wissenswertes:

Anreise? Mit dem Auto am schnellsten von Sofia (120km) oder Thessaloniki (230km), da 20km westlich des Klosters die Straße Sofia-Thessaloniki verläuft. Von Sofia fährt außerdem der Rila-Express 7 Tage die Woche 1x täglich nach Rila und zurück (Rila Express).

Eintritt? Der Eintritt in die Klosteranlage ist FREI! Parken kostet 2€ pro Tag.

Zimmer reservieren? Die Zimmer innerhalb der Klosteranlage kosten 30€ pro Nacht und können unter folgender Nummer reserviert werden: +35 9896872010

Fotografieren? Für alle Gebäude erlaubt, bis auf den Innenraum der Klosterkirche. Mönche, wie im Beitrag bereits erwähnt, besser nicht ablichten.

Kleidung? Knie- und Schulterbedeckung ist Pflicht. An den Eingängen stehen entsprechende Schilder, und Security kontrolliert.

Tipp: Durch die wunderschöne Lage mitten in den Bergen lässt es sich in der Umgebung des Klosters wunderbar wandern, z.B. zu den Sieben Rila-Seen oder der Berghütte Fischsee sowie zur Berghütte des 2729m hohen Maljowiza.