Spektakuläre Landschaften, Festungen und Klöster, lebendige Traditionen sowie Menschen, die Wohlstand in Glück messen. Dafür ist das kleine, buddhistische Königreich Bhutan am östlichen Rand des Himalayas bekannt. Schon viele Jahre träumen wir, Daniel und ich, von einer Reise in den abgeschiedenen Staat, der sich erst seit wenigen Jahren für den Tourismus öffnet. Im Februar 2024 ist es endlich soweit: Mit Stopover in Kathmandu (Nepal) reisen wir für eine Woche nach Bhutan. Im folgenden Beitrag nehme ich dich mit zu allen unseren persönlich Highlights während unserer Bhutan-Rundreise mit Reisetipps zu Sehenswürdigkeiten, Entfernungen, Straßenverhältnissen, Land und Leuten und ganz besonderen Orten entlang unsere Route.

Der Anflug ist Chefsache

Bei strahlendem Sonnenschein landen wir auf dem Flughafen Paro, dem einzigen internationalen Flughafen des Landes. Wegen seiner Lage inmitten des Himalayas gilt er als einer der am schwierigsten anzufliegenden Flughäfen der Welt. Insgesamt gibt es nur 17 Piloten, die in Paro starten und landen dürfen. Der Flughafen kann nämlich nicht wie andere Airports geradeaus angeflogen werden, da sich im An- und Abflugbereich bis zu 5500m hohe Gipfel befinden, Fallwinde durch das Tal ziehen und es auch kein Radar gibt. Deshalb werden die Landebahnen ausschließlich am frühen Vormittag bei Tageslicht manuell auf Sicht angeflogen. Erleichtert, diese erste abenteuerliche Hürde genommen zu haben, betreten wir bhutanischen Boden.

100 Dollar für einen Tag „Bruttonationalglück“

Das Königreich Bhutan erlaubt keinen Individualtourismus, weshalb wir unsere einwöchige Rundreise über eine Reiseagentur vorab gebucht haben. Zu den von ihnen organisierten Dingen zählt auch das Bhutan-Visum, welches uns zwei Wochen vor Reisebeginn zugestellt wurde. Damit gestaltet sich unsere Einreise schnell und einfach. Und wieder landet ein neuer Stempel in unseren Reisepässen.

Eine weitere Besonderheit von Bhutan ist die Touristen-Tagespauschale von 100 US-Dollar pro Person (Stand 2024), die wir ebenfalls vorab über die Reiseagentur bezahlt haben. Zunächst klingt das nach einer teuren Reise. In dieser Pauschale sind allerdings Vollpension, alle Übernachtungen, ein privater Fahrer samt Fahrzeug, ein Guide sowie alle Eintrittsgelder enthalten! Außerdem fließt ein Teil der Pauschale in die Schulbildung und Gesundheitsversorgung, die den Bürgern Bhutans kostenfrei ermöglicht wird. Das unterstützen wir sehr gerne.

Sehenswürdigkeiten und Highlights in Bhutans Hauptstadt Thimphu

Ausgangs des Flughafens erwarten uns unser Guide Kinley und unser Fahrer bereits, begrüßen uns freundlich und laden unser Gepäck in einen modernen Hyundai. Beide tragen den karierten „Gho“, das traditionelle Gewand der Männer in Bhutan. Auf dem Smartphone checken sie kurz die geplante Route nach Thimphu. Schon an dieser Stelle sind wir überrascht von der besonderen Mischung aus Tradition und Moderne. Dies sollte uns in den nächsten Tagen immer wieder so ergehen. Kinley, der unsere Blicke und Gedanken wohl erraten hat, erklärt uns in fließendem Englisch, dass die Männer den „Gho“, der ein bisschen einem knielangen Bademantel ähnelt, meist nur zur Arbeit und im Tempel tragen.

Etwa eine Stunde dauert die Fahrt vom Flughafen Paro nach Bhutans Hauptstadt Thimphu. Mit nur 115.000 Einwohnern gehört Thimphu eher zu den kleineren Hauptstädten der Welt. Hier verbringen wir unseren ersten Tag in Bhutan mit Sightseeing. Wir schlendern gemütlich über den Centenary Market und bestaunen die große Auswahl an frischen Lebensmitteln, die überwiegend aus dem benachbarten Indien importiert werden, besuchen den Clock Tower und trinken einen hervorragenden Kaffee im angrenzenden Tower Café. Auf dem Handicraft Market werden alle jene fündig, die typische Stoffe und Souvenirs aus Bhutan erstehen wollen.

Im Vergleich mit anderen asiatischen Großstädten wirkt Thimphu geradezu dörflich, kein Gehupe, keine Menschenmassen, wenig Verkehr. Wir genießen dieses ruhige Treiben sehr! Übrigens kommt Thimphu komplett ohne Ampeln aus. Nur an einem größeren zentralen Kreisverkehr gibt es die sogenannte Dancing Police, ein echtes Schauspiel!

Etwas außerhalb der Stadt besuchen wir am Nachmittag die National Memorial Chorten, eine tibetische Stupa samt umliegender Anlage mit den typischen goldenen, sich drehenden Gebetssäulen, die den Einwohnern Thimpus für das tägliche Gebet zur Verfügung steht. Wir beobachten das bunte Treiben und die exotischen Klänge, die sich aus Glöckchen-Geklingel und Gebets-Gemurmel zusammensetzen. Übrigens laufen die Menschen immer im Uhrzeigersinn um die Stupa, da die heiligen Schriften, die die Lehre Buddhas predigen, von links nach rechts geschrieben sind.

Zum Abschluss des Tages fahren wir dann noch zur riesigen über der Stadt thronenden Buddha Dordenma Statue. Die 51 Meter hohe, gigantische Bronze-Statue ist derzeit der größte Buddha der Welt. Sie ist komplett mit Gold überzogen, wurde in China gefertigt und danach in Einzelstücken nach Bhutan transportiert. Wir spazieren ganz alleine über den riesigen Vorplatz, der für Festivals und Zeremonien gebraucht wird, und sind wirklich beeindruckt von den Ausmaßen der gesamten Anlage.

Quartier: Hotel Khang Residency (1 Nacht).

Über den Dochula Pass gen Osten

Nach dem Frühstück geht für uns die Reise aus Thimphu weiter Richtung Osten nach Punakha. Das erste Highlight an diesem Tag ist die Überquerung des 3100 Meter hohen Dochula Gebirgspasses, den wir nach einer kurvenreichen, etwa einstündigen Fahrt über eine hervorragend ausgebaute Asphaltstraße bei strahlendem Sonnenschein erreichen. Auf der Passhöhe stehen 108 Chorten, die gemeinsam mit den umliegenden 7000 Meter hohen, schneebedeckten Himalaya Gipfeln einfach spektakuläre Fotomotive abgeben. Wir können uns kaum satt sehen an dieser Kulisse und schwingen begeistert unsere Kameras.

Übrigens hat man dieses Glück der klaren Sicht meist nur in den Wintermonaten zwischen Oktober und Februar, weshalb ich unbedingt in diesem Zeitraum nach Bhutan reisen wollte.

Bhutans beliebtester Instagram Spot

Gegen Mittag erreichen wir Punakha. Hier herrscht meistens ein etwas milderes Klima als im Rest des Landes, da das Tal nur auf einer Höhe von 1250 Metern liegt. Daher legen auch wir erst einmal Mütze, Jacke und Handschuhe ab, als wir den beliebtesten Instagram-Selfie-Spot der Jugendlichen Bhutans, die Punakha Suspension Bridge, überqueren. Die stimmungsvoll mit Gebetsfahnen geschmückte Hängebrücke überspannt den Pho Chhu Fluss auf einer Länge von 160 Metern. Der Blick in die umliegende Berglandschaft ist fantastisch, und so tun wir es den jungen buddhistischen Mönchen gleich, die wir auf der Brücke in ihren wehenden orange-roten Roben treffen, und schießen zahlreiche Fotos.

Die eindrucksvolle Klosterfestung Punakha-Dzong

Nur einen 20-minütigen Spaziergang von der Suspension Bridge entfernt liegt eins der bekanntesten Klöster Bhutans, das Punakha-Dzong. 1638 errichtet, ist es das zweitälteste und zugleich das zweitgrößte Dzong Bhutans und eines der eindrucksvollsten Bauwerke des Landes. Das sechsstöckige Bauwerk ist 180 Meter lang und 72 Meter breit, es hat drei Innenhöfe und einen zentralen Turm. Wir haben Glück, da am Wochenende unseres Besuchs außerdem das Punakha Dromchoe Festival in der Klosterfestung stattfindet, wofür Menschen aus dem ganzen Land ins Punakha-Dzong pilgern. Es wird gebetet, Tänze werden aufgeführt und Kampf-Szenen einer Schlacht aus dem 17. Jahrhundert nachgestellt. Kinder laufen umher und spielen fangen und wir mittendrin, der Traum eines jeden Reisenden und Fotografen!

Homestay bei einer traditionellen Drukpa-Familie

Am späten Nachmittag fahren wir aus Punakha weiter ins benachbarte Dorf Chimi Lhakhang. Hier werden wir den Abend und die Nacht bei einer Familie in ihrem zu Hause verbringen. Mit solchen sogenannten Homestays haben wir bereits in Kambodscha gute Erfahrungen gemacht, um ein bisschen intensiver mit der Bevölkerung eines Landes in Kontakt zu kommen. Meistens sind die Verhältnisse einfach, man schläft in einem kahlen Raum auf einer Matratze auf dem Boden, doch die Menschen sind dafür umso herzlicher. So auch Familie Zam, die uns mit ihrem 5-jährigen Sohn bereits neugierig erwartet. Und so sitzen wir schon wenige Minuten später im Wohnzimmer der Familie bei frischem Milk Tea und Gebäck und tauschen uns über unsere jeweiligen Lebensgewohnheiten, das Verhältnis der Menschen in Bhutan zu ihrem König und über die zurückliegenden Corona-Jahre aus. Anders als in Kambodscha können wir uns hier übrigens wunderbar auf Englisch verständigen, da in Bhutan alle Schulfächer auf Englisch unterrichtet werden und daher auch jeder ganz gut Englisch spricht.

Nach dem Tee geht’s weiter in die Küche, um gemeinsam das Abendessen zuzubereiten. Auch die Oma und ein paar Nachbarn kommen vorbei, und wir sitzen später in gemütlicher Runde um den Esstisch. Ein selbst gebrannter Schnaps beendet den unterhaltsamen Abend, und wir fallen müde aber glücklich auf unsere Matratze.

Quartier: Chimi Lhakhang Home Stay (1 Nacht).

Das abgelegene Haa Valley

Die Nacht verläuft ruhig und wir schlafen überraschend gut. Nach dem Frühstück machen wir noch ein gemeinsames Erinnerungsfoto, und dann verabschieden wir uns auch schon wieder von Dago und seiner Familie. Denn heute liegt eine lange Fahrt in das abgelegene Haa Tal ganz im äußersten Westen Bhutans vor uns. Wegen seiner Nähe zu Tibet war das Tal viele Jahre für Touristen nicht zugänglich und wird auch immer noch von weniger als 10% der Bhutan Reisenden besucht. Grund genug für uns, dorthin zu fahren. Für die 160 Kilometer Strecke benötigen wir angeblich 5 Stunden. Und als wir wenig später stundenlang auf dem Rücksitz des Hyundai durchgerüttelt werden, bereue ich kurz unsere Entdeckerlust! Als wir das zauberhaft ländliche Haa dann am frühen Nachmittag aber endlich erreichen, sind die Strapazen auch schnell wieder vergessen.

Wir drehen eine Runde durch das ruhige Dorf, unterhalten uns mit ein paar jungen Leuten auf der Straße, die genauso neugierig auf uns wie wir auf sie sind, und besichtigen den ältesten Tempel des Landes, den wunderschönen Lhakang Karpo, in dem heute eine Klosterschule untergebracht ist.

Quartier: Haa Heritage Hotel (1 Nacht).

Die höchste befahrbare Passstraße Bhutans

In Bhutan jagt ein Reise-Höhepunkt den nächsten. Und so sitzen wir bereits am nächsten Morgen wieder im Auto auf dem extrem kurvenreichen Weg Richtung Chele La Pass, der mit 3810 Metern höchsten Passstraße Bhutans. Am heutigen Vormittag haben wir zwar kein Glück mit der Sicht, der Nebel tut der Stimmung auf dem Pass jedoch keinen Abbruch, im Gegenteil! Wie eine Geisterarmee wehen die vielen Gebetsfahnen auf der Passhöhe im Wind, und auch hier steigen wir trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt aus und fotografieren ausführlich.

Auf dem Weg bergab begegnet uns außerdem noch ein Yak am Straßenrand und etwas Rest-Schnee vom vergangenen Winter. Der Chele La Pass verbindet das Haa Valley mit dem 2 Stunden entfernten Paro, dem Ausgangspunkt unserer Bhutan Rundreise, wo wir unsere letzten beiden Nächte in Bhutan verbringen werden.

Quartier: Rema Resort Hotel (2 Nächte).

Menschen beobachten in Paro

Eine unserer liebsten Beschäftigungen auf Reisen ist es, Menschen anzugucken. Einfach nur irgendwo zu sitzen, vielleicht in einem Kaffee, und das bunte, für uns oft exotische Treiben zu beobachten. In der 15.000-Einwohner-Stadt Paro entdecken wir zufälliger Weise eine große buddhistische Gebets-Zeremonie mit hunderten Menschen unter einer extra dafür errichteten riesigen Zelt-Überdachung. Wir begeben uns unter die Einheimischen und schauen erst einmal zu, versuchen ein Gespür für die Situation zu bekommen. Ob man hier fotografieren darf, frage ich mich. Noch bevor ich mich darüber mit Daniel austauschen kann, spricht mich eine junge Frau an und fragt, wo ich herkomme. Als ich sage, dass wir aus Deutschland sind, zückt sie ihr Smartphone, zeigt mir den Instagram Account ihrer Schwester, die in Deutschland Jura studiert. Wieder so ein Moment, in dem ich überrascht bin, wie sehr Moderne und Tradition in Bhutan zusammenfließen. Wir unterhalten uns eine Weile und sie erklärt, es sei überhaupt kein Problem, bei der Veranstaltung zu fotografieren. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und legen begeistert los.

Nach und nach spricht sich herum, dass zwei Deutsche anwesend sind und fotografieren, und immer mehr Mädchen kommen aus der betenden Menge auf mich zu und wollen Fotos mit mir machen. Wir unterhalten uns kurz, bevor sie wieder an ihren Platz laufen, um weiter zu beten, total verrückt. Daniel ist derweil vorne bei den Mönchen und macht einige einzigartige Portraits. Was für ein riesiges Glück, dass wir in diese Veranstaltung gestolpert sind!

Wanderung zum berühmten Tigernest-Kloster

Unseren letzten Tag in Bhutan verwenden wir für die Wanderung zum spektakulären, auf 3140 Metern Höhe in den Klippen liegenden Tigernest-Kloster, dem krönenden Abschluss unserer Bhutan Rundreise. Etwa 30 Minuten außerhalb von Paro startet der steile Trek von über 550 Höhenmetern bergauf auf einem Parkplatz im Wald. Um zum Fotografieren am Nachmittag das beste Licht zu haben und anderen Touristen möglichst aus dem Weg zu gehen, beginnen wir die Wanderung erst gegen 11.30Uhr mittags. Im Februar ist es ohnehin noch nicht so warm, da muss man auch nicht der Mittagshitze entkommen.

Bereits nach wenigen Minuten bin ich ziemlich am Prusten. Steiles bergauf laufen gehört nach wie vor nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen. Trotzdem erreichen wir unser erstes Etappenziel, das Teehaus, bereits nach 45 Minuten Wanderung. Hier wollen wir erst einmal eine Mittagspause einlegen, etwas Essen und trinken und die jetzt schon spektakuläre Aussicht genießen.

Gegen 13.30Uhr brechen wir wieder auf und nehmen die 2. Etappe in Angriff. Wieder brauchen wir nur 45 Minuten bis zum Tiger´s Nest Viewpoint und der Blick auf das in den Felsen gebaute Kloster ist wirklich einmalig! Da wir zum Fotografieren noch auf besseres Licht warten wollen, nehmen wir hier einen Abzweig nach links zu einem versteckten, anderen in den Felsen gebauten Tempel, der sich ebenfalls lohnt.

Als wir gegen 15.30Uhr wieder zurück beim Viewpoint sind, ist das Licht perfekt, weich und warm, und wir machen unzählige Fotos aus jedem Winkel. Eine Treppe führt hinab bis direkt zum Tigersnest-Kloster und wir halten uns sicher 2 Stunden dort auf, genießen den Ausblick und diesen spektakulären Ort in luftiger Höhe.

Nach nur einer Stunde Abstieg sind wir wieder beim Auto und fahren zurück nach Paro ins Hotel, wo wir einen gemütlichen letzten Abend in Bhutan genießen, bevor uns am nächsten Morgen der Flieger zurück nach Kathmandu bringt und diese Traumreise zu Ende geht.

Wissenswertes:

Reisezeitraum? 15.-20. Februar 2024

Anreise? Der Flughafen Paro in Bhutan wird nur von Drukair und Bhutan-Airlines angeflogen. Die Flüge müssen gesondert vom restlichen internationalen Flug gebucht werden. Die beiden Airlines verkehren nur zu wenigen asiatischen Zielen, wie Kalkutta und Delhi in Indien, Kathmandu in Nepal, Bangkok in Thailand, Dhaka in Bangladesch und Singapur. Die Einreise über Land ist nur aus Indien möglich.

Route? Wir haben uns überwiegend auf den Westen des Landes konzentriert. Die Route war Paro – Thimphu – Dochula Pass – Punakha – Chimi Lhakhang – Haa Valley – Chele La Pass – Paro – Tiger´s Nest Kloster – Paro.

Quartiere? Alle Hotels wurden vorab von unserer Reiseagentur gebucht. Sie waren durchweg auf relativ hohem Niveau.

ideale Aufenthaltsdauer? Wenn du zeitlich etwas entspannter als wir unterwegs sein willst, würde ich 10-12 Tage im Land für ideal halten. Bhutan ist zwar ein kleines Land, für die kurvigen, kleinen Bergstraßen braucht man meistens jedoch relativ viel Zeit.

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