Nach einer guten Stunde Fahrt vorbei an Reisfeldern, Wasserbüffeln und kleinen Dörfern mit vielen freudig winkenden Kindern, rattert das TukTuk in eine sandige Einfahrt. Ankunft bei „unserer“ kambodschanischen Familie, bei der wir für die kommenden drei Tage im kleinen Ort Sambor Preikuk in der Provinz Kampong Thom in Zentralkambodscha ein Zuhause finden.

Schüchtern beobachtet uns die kleine Chenda vom Arm ihrer Großmutter, die uns zurückhaltend aber herzlich begrüßt. Und schon kommen auch die beiden älteren Geschwister sowie mindestens vier Hunde angelaufen, um „Susdai“ (Khmer: „Hallo“) zu sagen. Unser Guide Arun, ein junger Mann aus dem Dorf, der Englisch spricht, macht uns miteinander bekannt, denn unsere Gastfamilie beherrscht nur die Landessprache Khmer.

Ich bin erleichtert, das traditionelle Pfahlhaus, in dem wir übernachten sollen, sieht sehr stabil und gemütlich aus.

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Wir haben die beiden Zimmer für uns, da die Familie hauptsächlich draußen, unterhalb des Hauses lebt und dort auch in ihren Hängematten schläft. Es gibt einen Waschraum mit Toilette, allerdings ohne fließendes Wasser, dafür mit vielen Mücken, und nur abends Strom. Die Großmutter zaubert auf Holzkohle in einem kleinen, gemauerten Verschlag, der als Küche dient, fantastisch frisches Essen wie Suppen, verschiedene Fleisch- und Fischgerichte mit Reis, jegliche Art von buntem Gemüse und gebratene Nudeln.

Nach einem leckeren gemeinsamen Mahl ziehen wir am Nachmittag erst einmal neugierig alleine los, um das Dorf und seine Umgebung ein bisschen kennenzulernen. Überall winken uns die Kinder zu und rufen „Bye-bye“, kichern und posieren stolz vor Daniels Kamera. Wir schlagen uns etwas durchs Gebüsch und entdecken traumhafte Wasserwege, einen Jungen mit seinen Wasserbüffeln und überall unglaublich freundliche, offene Menschen.

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Der Tag endet nach einem weiteren köstlichen Essen früh, mit Einbruch der Dunkelheit gegen 20Uhr. Er beginnt allerdings auch schon gegen 5 Uhr mit dem ersten Morgengrauen, wenn sich alle Hähne und Hunde in ihrem Geschrei und Gebell zusammen tun und an Schlaf nicht mehr zu denken ist.

Heute werden wir nach einem typischen Khmer Frühstück mit Reis und gebratenen Nudeln mit Ei sowie Obst von Arun abgeholt, um am Vormittag eine in der Nähe gelegene Grundschule und eine High-School zu besuchen.

Auf für uns Europäer viel zu kleinen Fahrrädern machen wir uns auf den Weg. Mit im Gepäck Schreibhefte und Stifte, die ich aus Deutschland als kleines Geschenk mitgebracht habe.

Bei unserer Ankunft in der Grundschule ist gerade Pause. Die Kinder toben ausgelassen auf der Wiese, spielen Fußball oder erledigen schon ein paar Hausaufgaben. Schnell werden wir belagert und durch die genau vier Klassenzimmer (1. – 4. Klasse) geführt.

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Es ist schmutzig, das Mobiliar ist einfach, nicht alle Kinder können sich die Schulmaterialien leisten, aber diese Kinder gehen immerhin zur Schule und dürfen – und wollen – lernen. Denn trotz in Kambodscha herrschender Schulpflicht ist dies nicht der Regelfall, sogar auch nicht am Rande der Hauptstadt Phnom Penh, wie wir dort erzählt bekamen. Oft fehlt das Geld, und die Kinder werden als Arbeitskraft in der Familie, auf dem Feld oder der Müllkippe zum Müll sammeln, gebraucht.

Hier jedoch freuen sich die Schulkinder über unsere Geschenke, die sie gut gebrauchen können. Wir machen noch ein paar Erinnerungsfotos, und dann geht’s auch schon weiter.

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Nächstes Ziel ist die Kampong Chheuteal High School. Nach einer kurzen Rundfahrt über das Internatsgelände, die Schüler hier kommen meist von weit her, sind wir verabredet mit ein paar Jugendlichen der Botanik Klasse, die von uns gerne etwas über Deutschland erzählt bekommen möchten. Wie so oft auf Reisen ist das gegenseitige Interesse groß, nicht nur unsere Neugier wie die Menschen dort leben, sondern auch ihr Wissensdurst über unsere Welt. Zum Glück spricht einer der Schüler ein bisschen Englisch und übersetzt gemeinsam mit unserem Guide für die anderen. So beantworten wir Fragen über unsere Schulformen und Fächer, über Mitteleuropäische Pflanzen und das Klima, den Schnee, der immer als besonders exotisch und interessant empfunden wird, und unseren Beruf als Musiker. Es ist eine unterhaltsame Frage-Antwort-Runde und ein schönes Gefühl, den Jugendlichen eine so ganz andere Botanik-Stunde beschert zu haben.

Auf dem Rückweg zu unserem Homestay passieren wir noch die neue, in wunderschönen Farben glänzende Sambo Pagoda. Auch der prachtvoll verzierte und geschmückte Innenraum dieses Buddhistischen Tempels ist einen Blick wert.

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Nach einer Mittagspause zur Erholung und um die sengende Mittagshitze zu vermeiden, brechen wir mit Arun wieder auf. Heute Nachmittag stehen die Tempelruinen von Sambor Preikuk auf unserem Programm. Weniger bekannt als die Tempel von Angkor, haben wir die wunderschöne Anlage mitten im Wald ungestört für uns alleine. Es sind etwa 150 kleinere Tempel aus dem 1. Jahrtausend n. Chr., mehr oder weniger gut erhalten. Viele sind von gigantischen Würgefeigenwurzeln überwuchert, die das Gestein nach und nach sprengen oder komplett einschließen.

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Andere wurden im Vietnamkrieg von US-Amerikanischen Bomben zerstört, da sich der Vietcong zum Teil in Kambodschas Wäldern versteckt hielt. Auch heute wird in Kambodscha noch vor Minen gewarnt, doch Arun erklärt uns, das Gebiet um die Tempel sei vor einigen Jahren komplett von Minen befreit worden.

Inzwischen steht die Sonne tief, und Arun schlägt uns vor, zum Abschluss des Tages zu einem nahe gelegenen Reisfeld zu fahren, um den Sonnenuntergang zu genießen. Dort angekommen, werden gerade außerdem über einen Damm, der zwei riesige Felder trennt, Wasserbüffel und Rinder nach Hause getrieben, ein lautstarkes Spektakel.

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Wir setzen uns ins Gras, lassen den Tag und das Erlebte Revue passieren und genießen die wunderschöne Kulisse, bis die Sonne hinter dem Horizont verschwindet.

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Bei der Rückkehr zu unserer Khmer-Familie wartet man schon mit dem vorbereiteten Abendessen auf uns. Auch die anderen Familienangehörigen, die tagsüber mit dem Bau eines weiteren Hauses auf dem Nachbargrundstück beschäftigt sind, sitzen dabei. Es gibt Bier, die Stimmung ist gut und obwohl wir kein Wort verstehen, freuen wir uns über den Familienanschluss.

Nach einer weiteren tropischen Nacht fällt der Abschied daher nicht leicht. Was für ein tolles Erlebnis, für ein paar Tage Teil dieser freundlichen Dorfgemeinschaft auf dem Land gewesen zu sein und einmal das ganz einfache Leben kennenlernen zu dürfen. Das wird uns unvergesslich bleiben.

Hast du auch schon einmal bei Einheimischen gewohnt? Wie und wo waren deine Erfahrungen mit Homestays?

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