Nach unserem Quito-Aufenthalt fahren wir über die hervorragend geteerte Panamericana weiter ins 100 Kilometer entfernte Otavalo. Unter der Woche ist der 50.000-Einwohner-Ort ein verschlafenes Städtchen, doch dies ändert sich am Wochenende: Jeden Samstag findet hier nämlich der größte Tiermarkt Südamerikas statt, der Mercado de los Animales, den wir unbedingt erleben wollen.

Neben einigen Touristen treffen sich hier vor allem indigene Bewohner der umliegenden Dörfer, um im ersten Morgenlicht Nutztiere zu kaufen oder zu verkaufen. Von Kühen und Schweinen über Lamas, Schafe, Hühner, Gänse und Kaninchen bis hin zu Meerschweinchen.

Wir machen uns noch vor Sonnenaufgang mit dem Taxi ($5) auf den Weg zum neuen Standort des Tiermarktes, der seit Anfang des Jahres fünf Kilometer nördlich außerhalb der Stadt stattfindet. Und bereits auf der Zufahrtsstraße begegnen uns die Otavaleños, zu Fuß oder in kleinen Transportern, mit ihren Tieren.

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Indigene auf dem Weg zum wöchentlichen Tiermarkt in Otavalo.

Ein Großteil der Einheimischen trägt auch im Alltag die traditionelle Tracht: Frauen umwickeln ihren langen schwarzen Zopf mit einem bunten Band und kleiden sich in einen schwarzen Rock und eine weiß bestickte Bluse. Die Männer tragen einen Hut und einen dunklen Poncho.

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Die traditionelle Tracht der indigenen Bevölkerung Otavalos.

Der heutige Morgen ist bedeckt und die Luft ist feucht-kühl, als wir die Verkaufsfläche der Rinder erreichen. Männer feilschen um schwarze, braune oder gesprenkelte Muttertiere mit ihren Kälbern. Daneben poltert ein Bulle von der Ladefläche, die Besitzer zerren an bunten Stricken. Und vor allem zwischen den Tieren ist Vorsicht geboten: Zwei Mal kann ich nur knapp dem Dung-Strahl eines der Tiere ausweichen 😀

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Die Verkaufsfläche für Rinder auf dem Mercado de los Animales in Otavalo.

Auf der nächsten Verkaufsfläche werden Kleintiere gehandelt: Stolze Hähne, Hühner und ihre Küken, Gänse, Kaninchen und Meerschweinchen. Letztere werden hier nicht etwa als Haustiere verkauft – sie landen erst auf dem Grill und dann als Spezialität auf dem Teller.

Ich empfinde Mitleid beim Anblick der vielen Tiere, gepfercht in enge Drahtkäfige, Körbe und Pappkartons. Hier ruft noch niemand nach Tierschutz. Aber vermutlich ist das trotzdem immer noch ehrlicher und harmloser als unsere grausame Massentierhaltung!

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Auf der Verkaufsfläche für Kleintiere auf dem Mercado de los Animales in Otavalo.

Weiter geht es zum Verkaufsbereich für Schafe, Lamas und Schweine. Eine Indio-Frau trägt in einem bunten Tuch auf ihrem Rücken mehrere Lämmer an mir vorbei. Daneben wehrt sich ein Ferkel mit ohrenbetäubendem Gequieke gegen jede Art der Fortbewegung. Lauthals verkünden die Verkäufer die Preise für Jungtiere, die, nach dem Verkauf, schreiend an der Leine weggeführt werden. Es ist ein großartiges, buntes, sehr fotogenes Spektakel!

Und während auf dem Freiluft-Markt energisch um die noch lebenden Tiere gefeilscht wird, haben andere ihr Ende bereits in einem der großen, blubbernden Kochtöpfe der Essensstände in einer angrenzenden Markthalle gefunden. Wir folgen dem guten Duft, verzichten dann aber doch auf Innereien zum Frühstück und machen uns mit einem großen Erlebnis mehr im Gepäck auf den Rückweg in die Stadt.

Wissenswertes:

Reisezeitraum? 1.-3. August 2019

Anreise? In etwa zwei Stunden mit dem Reisebus, Taxi oder Mietwagen von Quito aus.

Unterkunft? Hostal Riviera Sucre. Familiär geführte, saubere Unterkunft mit schönem Innenhof und leckerem Frühstück. Ohne Heizung im Winter wird es nachts allerdings ziemlich kühl in den Zimmern.

Restaurant-Tipp? Wir waren 2x im Restaurant „Arbol de Montalvo“ – unbedingt die Steinofenpizza probieren!

Achtung: Auf allen Otavalo-Karten, die ihr in der Stadt erhaltet, ist der Tiermarkt noch an seiner alten Stelle am westlichen Stadtrand eingezeichnet. Hier findet allerdings nichts mehr statt! Die aktuelle Lage findet ihr bei Google Maps unter „New Mercado de Animales“.

Weitere Tipps für Otavalo? Das Leben der Einheimischen lässt sich außerdem wunderbar im Simon Bólivar Park mitten in der Altstadt beobachten. Ihr könnt auch einen geführten Ausflug in die umliegenden Indiodörfer unternehmen, wo uns die Verarbeitung von Wolle sowie die Herstellung von Instrumenten und Schilfmatten gezeigt wurde. Der Plaza de Ponchos ist der ideale Anlaufpunkt zum Souvenirkauf: Von Decken und Tüchern über Hosen, Ponchos, Hängematten und Teppiche zu kleineren handgefertigten Produkten. Frische Lebensmittel kauft ihr am besten wie die Einheimischen im Mercado Municipal 24 de Mayo. Hier kann man auch wunderbar einen Mittagssnack zu sich nehmen. Die Naturfreunde unter euch kommen am naheliegenden Lago San Pablo oder beim Wasserfall Cascada de Taxopamba auf ihre Kosten.