Nachdem wir zu Beginn unserer großen Südamerika-Reise 2019 elf Tage auf den traumhaften Galápagos-Inseln verbracht haben, kehren wir aufs Festland von Ecuador zurück. Uns interessieren Land und Leute des kleinen Andenstaates, und wir verbringen fünf Tage in Quito und Umgebung.

Die 2,7-Millionen-Einwohner-Stadt liegt nur 20 Kilometer südlich des Äquators in einem 2850m hohen Talkessel der Anden und ist somit die höchstgelegene Hauptstadt der Welt! Für uns bietet es sich auch deshalb an, hier ein bisschen Zeit zu verbringen, um uns für die kommenden Wochen unserer Reise, die uns bis auf Höhen um die 5000 Meter führen soll, zu akklimatisieren.

Was wir in der Stadt alles erlebt haben, und welche Orte im Umland einen Besuch lohnen, erfährst du hier:

Sehenswerte Orte in Quitos historischem Zentrum

Wir beginnen die Stadtbesichtigung am ersten Tag in Quitos Altstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Rund um den Plaza de la Independencia (Plaza Grande) findest du wie in vielen südamerikanischen Städten die typischen hübschen Gebäude im Kolonialstil, wie den Präsidentschaftspalast oder die Kathedrale von Quito. Wunderschön ist auch das „Hasta la Vuelta! Señor“ an der Avenida Chile, ein Gebäudekomplex mit barockem Innenhof, in dem sich zahlreiche Restaurants, Cafés und Läden angesiedelt haben.

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Hasta la Vuelta-Gebäudekomplex mit zahlreichen Cafés und Restaurants.

Doch für uns immer am spannendsten ist das Leben der Einheimischen, das sich natürlich draußen auf dem Platz abspielt. Hier erlebst du Schuhputzer, spielende Kinder neben kleineren Demonstrationen, und viele Rentner, die ihren Lebensabend bei guten Gesprächen und Schach spielen in der Sonne verbringen. Stundenlang halten wir uns auf dem Platz auf und gucken Leute!

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Leben rund um den Plaza de la Independencia, Altstadt Quito.

Ebenfalls sehenswert ist der Plaza de San Francisco, mit der gleichnamigen Basilika, die aus dem 16. Jahrhundert stammt und tatsächlich das größte barocke Bauwerk des kolonialen Lateinamerika ist.

Quitos Gründungsplatz, den Plaza Benalcazar, kennt heute kaum noch jemand. Er ist nun auch nicht super spannend, lohnt dennoch einen kurzen Blick.

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Plaza de San Francisco mit gleichnamiger Basilika und Plaza Benalcazar, Altstadt Quito.

Ein tolles Bauwerk hingegen ist die Basilica del Sagrado Voto Nacional, die sehr an die Kathedrale Notre Dame erinnert. Lustig sind die Wasserspeier, die in Form einheimischer, ecuadorianischer Tiere, wie Gürteltiere, Leguane und Schildkröten, gehalten sind. Die Basilika, die tatsächlich erst 1988 geweiht wurde, also für eine Kirche ein relativ junges Gebäude ist, ist die größte neugotische Basilika der Welt. Als Besucher kannst du u.a. auch in die 115 Meter hohen Türme steigen und hast einen tollen Rundblick auf Quito und die umliegenden Berge.

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Blick auf die Basilica del Sagrado Voto Nacional.

Eine der ältesten Straßen Quitos ist die schmale Calle La Ronda, für mich einer der schönsten Orte in der Altstadt. Hier schlendern wir über Kopfsteinpflaster vorbei an bunt getünchten Kalksteinhäusern, in denen kreative Handwerks- und Delikatessläden, Cafés und Restaurants liegen. Weil wir inzwischen hungrig sind, beschließen wir, die südamerikanische Spezialität Meerschweinchen zu probieren: Wir nagen einige Minuten an dem mageren Stück Fleisch herum – weshalb das eine Delikatesse sein soll, erschließt sich uns jedoch nicht.

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Straßenszene und Spezialität frittiertes Meerschweinchen in der Calle Ronda, Altstadt Quito.

Ausblick von der Statue Virgen de El Panecillo

Am Morgen unseres zweiten Tages in Quito fahren wir noch vor dem Frühstück mit einem Taxi (US$ 20) auf den Hügel El Panecillo, der sich 200 Meter über Quitos Altstadt bis auf 3035 Meter erhebt. Von hier oben haben wir nicht nur einen spektakulären Blick auf die 86 Kilometer lange Stadt und die umliegenden sieben Vulkane, sondern können die Madonnen-Statue, die oben auf dem Hügel thront und die wir bereits gestern von der Altstadt aus gesehen haben, einmal von Näherem betrachten. Das 45 Meter hohe Monument, gefertigt aus 7000 Stücken Aluminium, entwarf der spanische Künstler Augustin de la Herran Matorras – sehenswert!

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Ausblick von der Statue Virgen de El Panecillo über Quito bis zum verschneiten Cotopaxi.

Tipp: Wir wurden von Einheimischen mehrfach davor gewarnt, zu Fuß auf den Hügel zu laufen. Am Hang unterhalb der Statue liegen wohl relativ arme Wohnviertel mit viel Kriminalität.

Frühstück im Mercado Norte

Da wir ja noch nicht gefrühstückt haben, kauft uns unser Taxifahrer auf der Rückfahrt, während wir uns durch den Berufsverkehr quälen, bei einer Straßenverkäuferin zunächst die in Ecuador überall bekannten und beliebten „Bizcochos“, eine Art Blätterteig-Keks. Dann empfiehlt er uns ein Frühstück im Mercado Norte unter den Einheimischen statt im Hotel: Dabei probieren wir uns durch das riesige Angebot bunter Früchte und trinken zwei hervorragende Jugos, frische, mit einigen geheimen Zutaten zubereitete Säfte – super lecker!

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Unglaubliche Vielfalt an frischen Früchten und Säften im Mercado Norte, Quito.

Spaziergang durch das Viertel La Floresta

Am Mittag unternehmen wir einen Spaziergang durch das Bohème-Viertel La Floresta. In den vergangenen Jahren haben sich hier viele Expats, kreative Künstler und Musiker angesiedelt. Wir flanieren vorbei an schicken Einfamilienhäusern, hippen Cafés und Streetart. Hier kann man es aushalten!

Das Künstlerviertel Guápolo

Nur einen Katzensprung von La Floresta entfernt liegt der Mirador de Guápolo, ein schöner Aussichtspunkt auf das koloniale Künstlerviertel Guápolo, welches einige hundert Meter tiefer im Cumbayá-Tal liegt. Eine kopfsteingepflasterte, ca. 4,5 Kilometer lange Straße schlängelt sich rechts des Aussichtspunktes hinab in das alte Dorf. Vor allem der Hauptplatz und die große Kirche sollen sehenswert sein. Uns wurde außerdem erzählt, dass sich ein Besuch am Wochenende abends lohnt, wenn die Bars und Restaurants gut besucht und die kleinen Galerien und Kunsthandwerksläden geöffnet sind. Wir sind heute jedoch schon genug gelaufen und haben uns nicht persönlich davon überzeugt.

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Ausblick vom Mirador de Guápolo auf das dörfliche Künstlerviertel.

Mit der Seilbahn auf Quitos Hausberg

Ein Highlight während unseres Quito-Aufenthalts war definitiv unser Ausflug mit der modernen Kabinenseilbahn auf den 4784 Meter hohen Mt. Pichincha. Dafür nehmen wir am späten Nachmittag ein Taxi, das uns vom Hotel zur Talstation des Teléferico Quito bringt. Dort angekommen kaufen wir zwei Tickets und lassen uns in wenigen Minuten ganz bequem von der höchsten Seilbahn der Welt auf 4100 Meter Höhe fahren. Die Aussicht von hier oben auf Quito und die umliegenden, schneebedeckten Vulkane Cayambe, Antisana und Cotopaxi ist spektakulär und vor allem am frühen Abend bei weicher werdendem Licht wunderschön!

Der aktive Vulkan Pichincha besitzt zwei Gipfel: Rucu, was auf Quechua „der Schlafende“ bedeutet, und Guagua, „das Kind“. Beide könnt ihr während einer 8-stündigen Wanderung besteigen. Außerdem gibt es ein Café, Spazierwege, eine Instagram-taugliche Schaukel und Downhill-Pisten ins Tal. Wir genießen allerdings einfach nur die Aussicht, denn herum laufen ist bei der Höhe und dünnen Luft schon ganz schön anstrengend!

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Den Wolken so nah: Panorama vom Mt. Pichincha auf Quito, 4100m ü.n.N.

Kosten: Taxi → Talstation $5, Seilbahn Berg- und Talfahrt $8,50 pro Person.
Achtung: Auf dem Berg ist es deutlich frischer als in der Stadt: Wärmere Kleidung, ggf. sogar Mütze und Handschuhe mitnehmen!

Ausflug zum Äquator

Am dritten Tag verlassen wir die Stadtgrenzen Quitos für einen Ausflug zum Mitad del Mundo. Das Äquatormonument, welches etwa 23 Kilometer nördlich von Quito liegt, ist ein 30 Meter hohes Bauwerk, das genau an dem Ort liegt, den der erste Europäer in Ecuador, Charles Maria de la Condamine, als genaue Position des Äquators bestimmte. Das Zentrum des Monuments bildet eine große Kugel auf einem Monolithen, um die ein Metallring verläuft, welche die Erde und den Äquator symbolisiert. In Ost- und Westrichtung des Bauwerks verläuft eine gelbe Linie, die genau auf dem Äquator liegen soll.

Obwohl sich inzwischen längst herausgestellt hat, dass sich der wahre Äquator etwa 240 Meter nördlich des Monuments befindet, wollte ich den Monolithen, den man für eine tolle Aussicht auf das Umland auch besteigen kann, besuchen. Und auch wenn die umliegende Parkanlage mit einigen Ausstellungen, einem Planetarium, Restaurants und Souvenirshops relativ touristisch daher kommt, finde ich, dass sich der Ausflug für ein paar Fotos sehr lohnt.

Eintritt: $5 pro Person.

Nebelwald und Kolibris

Nur 80 Kilometer von Quito entfernt könnt ihr ein verwunschenes Paradies erleben: Den Bellavista Cloud Forest, ein privates Nebelwald-Reservat mit einer angeschlossenen Ökolodge, die ein britisch-kolumbianisches Paar seit 1991 betreibt. Hierhin zieht es uns am vierten Tag unseres Quito-Aufenthalts, da ich unbedingt Kolibris in freier Wildbahn beobachten möchte.

Noch vor dem Frühstück holt uns ein Bus der Lodge von unserem Hotel in Quito ab. Auf der Fahrt sehen wir, wie sich die Landschaft verändert: Links und rechts der Straße ragen riesige Bäume empor, und schnell weichen die hügeligen Anden dem immergrünen Nebelwald. Irgendwann geht es offroad weiter, und wir erblicken die ersten Wolken, die beim Aufstieg an den Berghängen immer wieder ihre Form verändern – ein magisches Schauspiel. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir die Bellavista Cloud Forest Lodge. Kaum ausgestiegen, schwirren auch schon die ersten Kolibris um unsere Köpfe, unglaublich!

Wir beziehen eine einfache, aber gemütliche Holzhütte, und in den kommenden zwei Tagen wandern wir zusammen mit einem Ornithologen-Guide auf verschiedenen Trails durch das 700 Hektar große Schutzgebiet, immer auf der Suche nach exotischen Vögeln. Zwischendurch können wir an der Lodge die etwa 60 verschiedenen Kolibri-Arten beobachten. Das Reserve hat auch eine eigene Forschungsstation, die mit Forschern und Studenten nationaler sowie internationaler Universitäten zusammen arbeitet. Ein Projekt, das sich zu unterstützen lohnt!

Quartier: Bellavista Cloud Forest Lodge mit Vollpension und 3x täglich geführten Touren.
Tipp: Die Lodge bietet auch ein Programm für Tagesgäste an, wenn euch eine Übernachtung zu teuer ist.

Wissenswertes:

Reisezeitraum? 28. Juli – 1. August 2019

Anreise? Internationaler Flug mit Lufthansa in ca. 16 Stunden von Frankfurt über Panama City nach Quito (Flughafenkürzel UIO). Vom Flughafen arrangiert ihr am besten vorab einen privaten Transfer zu eurem Quartier (ca. $20). Vereinzelt wurde uns von Überfällen in öffentlichen Taxis vom Flughafen in die Stadt mit Hilfe von Halluzinogenen berichtet.

Unterkunft? Hotel Fuente de Piedra II mit Frühstück. Gute Lage, saubere Zimmer, aber relativ hellhörig.

Restaurant-Tipp? Im Ausgeh-Viertel Mariscal Sucre kommt kulinarisch jeder auf seine Kosten. Es gibt viele gute, zum Teil aber auch sehr teure Restaurants. Wir waren mehrfach im „Don David Internacional“, einem familiären, relativ günstigen, kubanischen Laden mit sehr leckeren Gerichten.

Unbedingt probieren? Empanadas sind unterschiedlich zubereitete Teigtaschen mit diversen Füllungen (z.B. Hühnchenfleisch, Schweinefleisch, Käse oder Hackfleisch mit Käse). Außerdem empfehlenswert Locro de Queso, eine gelbe Suppe aus Kartoffeln, Mais, Zwiebeln, Käse und Milch. Ebenfalls sehr verbreitet ist Ceviche, in Limonen- und Orangensaft marinierter roher Fisch. Oder Arroz colorado, eines von vielen Reisgerichten mit Bratbananen, Hackfleisch, Eiern, Erbsen und Karotten. Cuy ist das gegrillte Meerschweinchen, von dem ich oben berichte.

Sicherheit? Wir haben uns zu keiner Zeit in Quito unsicher gefühlt. Dennoch wurden wir während unserer ausführlichen Stadterkundung zu Fuß immer wieder von Einheimischen gewarnt, wenn wir in einer Straße besser nicht weiter gehen sollten, oder dass wir unsere Wertsachen, v.a. Daniels große Kamera, nicht zu offen zeigen sollen. Wir haben diese Ratschläge einfach befolgt und sind so gut zurecht gekommen. Taxis haben wir direkt vom Hotel bestellen lassen, die kennen vertrauensvolle Fahrer.

Achtung: Ecuador ist ein sehr katholisches Land. Dementsprechend sind sonntags wirklich viele Läden/Restaurants geschlossen und die Straßen wie leer gefegt. Wir kamen ausgerechnet an einem Sonntag Abend in Quito an und hatten Schwierigkeiten, noch etwas zu Essen zu bekommen. In diesem Fall also besser vorab etwas am Flughafen kaufen!