Die Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas wurde durch drei Ereignisse weltbekannt: durch das Attentat von Sarajevo 1914, bei dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand von einem Serben ermordet wurde, durch die Olympischen Winterspiele 1984 und durch die Belagerung von serbischen Truppen während des Bosnienkrieges von 1992-1995.

Vor allem das letzte Ereignis mit seinen vielen Toten, Verbrechen und Zerstörung, scheint in den Köpfen vieler Westeuropäer eingebrannt zu sein, die immer noch staunen, wenn wir erzählen, dass wir nach Bosnien reisen.

Dabei hat sich Sarajevo von dieser grausamen Zeit zum Glück längst erholt. Natürlich sieht man im Stadtbild immer noch zahlreiche Fassaden mit Einschusslöchern von Scharfschützen-Geschossen oder Granatsplittern, was einen als Besucher immer wieder erschaudern lässt, doch die Einheimischen blicken nach vorne und arbeiten hart für eine bessere Zukunft ihres Landes.

Nach 2013 sind wir in diesem Sommer, im August 2017, zum zweiten Mal in der Stadt. Eigentlich kehren wir selten ein zweites Mal an den gleichen Ort zurück, doch mit Sarajevo waren wir irgendwie noch nicht fertig.

Schon bei unserem ersten Besuch in der knapp 300.000 Einwohner zählenden Stadt haben wir uns in der bunten Mischung aus europäischer und orientalischer Tradition total wohl gefühlt. Die Muezzine rufen von den Minaretten, nebenan läuten Kirchenglocken, und in den Gassen der Altstadt sitzt man bei Bosanska Kava, frischen Ćevapčići und Wasserpfeife.

Wieder haben wir unglaublich viel erlebt, und im folgenden kann ich euch ein paar Insidertipps geben, die ihr auf eurem Städtetrip nach Sarajevo auf keinen Fall verpassen solltet:

Marktplatz Baščaršija in der Altstadt

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Ein guter Ausgangspunkt für die Erkundung Sarajevos ist der Marktplatz Baščaršija mit seinem berühmten Brunnen Sebilj, der die Form eines Kiosks besitzt. Hier und in den angrenzenden Gassen schlägt das orientalische Herz Sarajevos. In den umliegenden Cafés lässt es sich bei einem Bosnischen Kaffee (Bosanska Kava) verweilen und das bunte Treiben beobachten.

Feilschen in der Kupfergasse

Gefällt euch das orientalische Kaffeeservice? In der Gasse der Kupferschmiede (Ulica Luledžina), die direkt vom Marktplatz abzweigt, könnt ihr es von Ladenbesitzern erstehen, die diese Trinkgefäße und viele weitere Souvenirs von Hand fertigen. Wie im orientalischen Kulturraum üblich: Feilschen nicht vergessen! 😉

Meeting-of-Cultures“ – Symbol

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Dieses Symbol auf der Ferhadija Straße markiert die Schnittstelle in der Stadt zwischen dem osmanisch-islamisch geprägten Ostteil (Altstadt) und dem österreichisch-ungarischen, christlichen Westen. Am deutlichsten sichtbar ist dies an der jeweiligen Architektur der Stadtteile: Schaust du Richtung Osten, siehst du die Moscheen, die engen Gassen des Handwerker- und Händlerviertels mit ihren kleinen Läden, Restaurants und orientalischen Gerüchen. Drehst du dich um und guckst Richtung Westen, erblickst du größere Gebäude im K&K-Stil sowie Cafés und eine Fußgängerzone mit mitteleuropäischem Charakter aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Herrschaft in Bosnien.

Fußgängerzone Ferhadija

Die Ferhadija ist die Einkaufsstraße Sarajevos. Folgt man ihr Richtung Westen, vorbei an der Herz-Jesu Kathedrale (Katedrala Srca Isusova) bekommt man ein ganz anderes Bild der Stadt. Noch vor 4 Jahren herrschte hier überwiegend Trübnis, nur einige wenige Läden und Banken waren geöffnet. Kinder und Jugendliche lungerten in den verfallenen Hinterhöfen. Heute findet man hier hippe, stylische Cafés und Läden, die westliche Markenklamotten verkaufen. Deiner Shopping-Laune sind also auch in Sarajevo keine Grenzen gesetzt. Beim Denkmal Vječna Vatra (Ewige Flamme), welche in Erinnerung an die Gefallenen des zweiten Weltkriegs brennt, endet die Fußgängerzone.

Platz vor der Mirza Delibašić Sporthalle

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Selbstverständlich gibt es nicht nur schöne Ecken in Sarajevo. Die Stadt und ihre Einwohner haben schlimme Zeiten erlebt und der Krieg hat Spuren hinterlassen. Besonders sichtbar sind diese noch rund um die ehemalige Olympia-Sportstätte Mirza Delibašić.

Akademie der Künste Sarajevo und Brücke „Festina Lente“

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Nun machen wir uns auf an das Ufer des Flusses Miljacka zur Akademie der Künste. Die Hochschuleinrichtung wurde 1972 gegründet und ist vor allem wegen ihres architektonisch wunderschönen Gebäudes bekannt. Zusammen mit der davor den Fluss überspannenden Looping-Brücke Festina Lente, die 2012 von drei Studenten der Akademie entworfen wurde, ergibt sich ein spannendes Bild.

Fahrt mit der alten Straßenbahn von Sarajevo

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Das aus 27 Haltestellen bestehende Streckennetz der Straßenbahn von Sarajevo umfasst 6 Linien und die Fahrten sind ein echtes Erlebnis, denn alle Fahrzeuge sind älter als 30 Jahre und übernommen von ausgemusterten Fuhrparks anderer Städte wie Brünn, Wien, Amsterdam, Köln, aber auch Pjöngjang!

Wir steigen bei der Haltestelle Pošta in der Nähe der Akademie der Künste ein, fahren bis zur Latinska cuprija (Lateinerbrücke) und werden dabei ordentlich durchgeschüttelt. 

Lateinerbrücke

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Diese osmanische Steinbogenbrücke über die Miljacka ist eine der ältesten in Sarajevo und deswegen so berühmt, weil an ihrem Nord-Ende am 28. Juni 1914 der Bosnische-Serbe Gavrilo Princip das Attentat auf Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau verübte, welches als Auslöser des ersten Weltkriegs gilt.

Die besten Ćevapčići der Stadt

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Sightseeing macht hungrig! Für alle Nicht-Vegetarier ist der Besuch einer echten „Ćevapžinica“ in der Altstadt Pflicht. Ich empfehle die „Ćevapžinica Željo“ in der Kunderdžiluk-Gasse. Es gibt dort zwei Ladenlokale. Man bestellt 5, 8 oder 10 Ćevape und bekommt sie für wenige Euro frisch serviert in Fladenbrot mit Kaymak und Zwiebeln…köstlich!

Gut zu wissen: In vielen dieser muslimischen Restaurants wird kein Alkohol ausgeschenkt!

Kovači-Gasse

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Einer meiner Lieblingsorte der Stadt ist diese Gasse, die gegenüber dem Marktplatz den Hügel hinauf verläuft. Kleine Manufakturen, ein Barbier, Cafés und Bars in kleinen Holzhäusern liegen entlang der mit Kopfsteinpflaster gepflasterten Gasse. Hier trifft man sich auf einen Drink und genießt die Abendsonne.

Sonnenuntergang auf der Gelben Bastion

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Den besten Blick auf einen romantischen Sonnenuntergang und über ganz Sarajevo habt ihr von der Žuta tabija (Gelbe Bastion). Folgt man der Kovači-Gasse bergauf über den Friedhof Šehidsko mezarje Kovači (siehe Titelbild), der ebenfalls einen Blick lohnt, könnt ihr die kleine Festung nicht verfehlen. Im Sommer finden hier auch Open-Air-Kino-Veranstaltungen statt.

Lost-Place“ Olympia Bobbahn

Der 1629 Meter hohe Trebević ist der Berg am südlichen Stadtrand Sarajevos, an dessen Hang sich im Wald die Überreste der für die Olympischen Winterspiele 1984 errichtete Bob- und Rodelbahn befinden.

Wer keine stundenlange Wanderung da hoch unternehmen möchte, fährt am besten mit einem Auto am frühen Morgen die R 446 hinauf. Schon auf der Strecke liegen einige spannende Ruinen am Straßenrand.

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Vor dem Pino Nature Hotel müsst ihr dann links in eine kleine Straße in den Wald abbiegen. Nach etwa einem Kilometer stoßt ihr auf die Bobbahn, ein irrer Ort.

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Wir haben das Auto dort einfach abgestellt und sind weiter gelaufen. Man kann die immer noch zusammenhängende, recht gut erhaltene, Kilometer lange Betonbahn hinauf zum Startpunkt und bis unten ins Ziel komplett ablaufen.

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Der größte Teil ist mit Graffiti besprüht, in jeder Kurve findet sich etwas Neues. Zum Teil wachsen Pflanzen und ganze Bäume aus der Bahn. Eine dünne Humus-Schicht, die sich in zwei Jahrzehnten seit dem Kriegsende gebildet hat, reicht ihnen.

Doch geht es nach den Träumen einiger bosnischer Rodelpioniere, soll hier in Zukunft wieder gerodelt werden (Süddeutsche Zeitung – Olympische Bobbahn in Sarajevo).

Heute treffen wir allerdings nur wenige andere Menschen, es ist wundersam still im Wald, und wir halten uns stundenlang an diesem ganz besonderen Ort auf.

Auf dem Rückweg finden wir außerdem noch einige gute Fotospots für einen Überblick auf die gesamte Stadt.

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Achtung: Da die Hänge des Trebević während der Belagerung von Sarajevo von Streitkräften der Republika Srpska für ihre Artilleriestellungen genutzt wurden und der Nordhang nahezu komplett vermint war, gilt immer noch besondere Vorsicht, auch wenn bis 2011 die meisten Minenfelder geräumt wurden. Außerdem gibt es hier zahlreiche streunende Hunde.

 

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