Nach unserer ausführlichen Elternzeitreise durch Neuseeland zu Beginn dieses Jahres hatten wir uns für die Sommerferien 2026 vorgenommen, eine mehrwöchige Tour mit unserem Offroad-Camper Samu zu unternehmen. Es sollte der erste längere Trip mit unserem Fahrzeug werden, bei dem auch unsere kleine Tochter, inzwischen ein Jahr alt, an Bord sein würde. Ziel der Tour waren die Westalpen. Als Westalpen bezeichnet man den Teil der Alpen, entlang dessen die drei Grenzen Schweiz, Frankreich und Italien aufeinander treffen. Die Staatsgrenzen folgen größtenteils dem Alpenhauptkamm, sodass viele der Viertausender-Gipfel auf diesen Grenzen oder in ihrer Nähe liegen. Bereits im Sommer 2023 waren wir in der Gegend unterwegs, damals noch ohne Kind, und sind spektakuläre alte Militärstraßen und Karrenwege durch zum großen Teil unberührte und abgeschiedene Berglandschaft gefahren. Dieses Jahr lassen wir es etwas ruhiger angehen. Um unserer Tochter willen fahren wir weniger Kilometer und weniger anspruchsvolle Pisten. Meistens können wir uns nicht beide gleichzeitig auf die Strecke konzentrieren, sondern einer ist immer mit den Bedürfnissen der Kleinen beschäftigt. Daher haben wir uns einige der leichteren Touren ausgesucht, die für unseren diesjährigen Roadtrip mit einem kleinen Kind oder auch für Offroad-Neulinge ideal sind, und die ich im folgenden Beitrag beschreiben werde. Bitte einsteigen und anschnallen:

1. Adelboden und die spektakuläre Engstligenalp-Hochebene

Wir beginnen unseren diesjährigen Westalpen-Roadtrip im Skiort Adelboden im Berner Oberland in der Schweiz. Freunde von uns machen hier regelmäßig Urlaub, und dieses Jahr treffen wir uns für ein paar Tage zum Wandern. Neben ein paar kleinen Touren am Ort unternehmen wir einen Ausflug mit der Gondel (Berg- und Talfahrt 39 CHF) auf die Engstligenalp. Die größte Hochebene der westlichen Schweiz liegt auf 1900-2000 Metern und ist landschaftlich ein Traum! Wilde Berge, plätschernde Flüsse und die tosenden Engstligenfälle, die 600 Meter in die Tiefe stürzen.

Auch ohne Offroadfahrt genießen wir hier die ersten Tage der Reise sehr. Samu parkt derweil auf dem Camping Bergblick, einem kleinen Platz eingangs des Ortes Adelboden, direkt am Fluss gelegen, den wir sehr empfehlen können.

2. Der Stausee Lac des Toules am Fuße des Großen-Sankt-Bernhard

2023 haben wir den Großen Sankt Bernhard auf dem Weg von der Schweiz nach Italien über die grandiose 2469 Meter hohe Passstraße überquert. Dieses Jahr kürzen wir die Strecke ab, um uns Fahrtzeit mit unserer Kleinen zu ersparen, und fahren durch den Autobahntunnel (19 CHF für die einfache Fahrt). Die Nacht davor verbringen wir auf einem wilden Stellplatz am Fuße des Berges. Eine einfache Schotterpiste führt hinauf zum Lac des Toules, einem türkisgrün schimmernden Stausee. Die Aussicht in die umliegenden Berglandschaft ist fantastisch, es gibt sogar einen kleinen Imbiss (La Casa del Pumba) und zahlreiche Wanderwege. Absolut zu empfehlen als Zwischenstation!

3. Das zauberhafte Valle Argentera im italienischen Piemont

Die kommenden Tage verbringen wir in einer Ferienwohnung im kleinen Dorf Soucheres-Basses in der Nähe von Sestriere im italienischen Piemont. Von hier unternehmen wir zwei leichte, aber traumhafte Offroad-Touren. Die erste ins wunderschöne Valle Argentera, eine 28 Kilometer lange, meist ebene Strecke, immer am Fluss Ripa entlang. Das Schwemmlandtal hält nicht nur eine Flussdurchfahrt bereit, sondern auch zahlreiche Möglichkeiten zum Campen und Baden, zum Wandern, sowie einige interessante Lost Places. Theoretisch kann man hier mehrere Tage verbringen, was viele Einheimische auch gerade am Wochenende gerne machen. Der Eintritt ins Tal kostet pro Tag 7€ am Wochenende und 5€ unter der Woche. Eine Schranke regelt die Einfahrt ins Valle Argentera, man zieht ein Ticket und bezahlt wird bei der Ausfahrt an einem Automaten. Wir durchqueren das Tal zunächst einmal mit unserem Fahrzeug. Die Strecke ist wirklich sehr einfach und hält keinerlei Schwierigkeiten bereit. Dann halten wir in der Nähe einiger Ruinen am Hang und unternehmen eine kleine Wanderung. Unsere Tochter darf im Anschluss noch das eiskalte Flusswasser erkunden. Danach machen wir uns auf den Rückweg und sind tatsächlich ein bisschen traurig, dass wir hier im Tal wegen der Ferienwohnung nicht unser Nachtlager aufschlagen.

4. Die berühmte Assietta-Kammstraße

Die zweite Tour führt uns die 34 Kilometer lange, berühmte Strada dell´Assietta entlang. Die spektakuläre Kammstraße verläuft fast durchgehend auf einer Höhe von 2000 Metern vom Pian dell´Alpe bis nach Sestriere und bietet fantastische Ausblicke auf die umliegenden Alpentäler. In diesem Sommer ist die Fahrt ein ziemlich staubiges Unterfangen, da es seit Wochen nicht geregnet hat. Dennoch ist die Strecke weitestgehend einfach zu fahren und bietet außer ein paar tieferen Schlaglöchern keine Unannehmlichkeiten. Unser Fahrzeug ist maximal unterfordert. Doch wir haben Mühe, unsere kleine Tochter bei der stundenlangen Ruckelei bei Laune zu halten. Trotzdem genießen wir die Aussicht und die Tour sehr. Auf der ehemaligen Militärstraße sind Autos und Motorräder bis maximal 3,5 Tonnen Gewicht und 2 Meter breite erlaubt. Außerdem ist die Straße im Juli und August mittwochs und samstags jeweils von 9-17 Uhr komplett für den motorisierten Verkehr gesperrt.

5. Das Gebiet um den Stausee Lac du Mont-Cenis

Über den Colle delle Finestre, eine weitere zum großen Teil geschotterte Piste mit gefühlt hunderten Serpentinen, verlassen wir das Sestriere-Tal Richtung Norden nach Susa. Unser nächstes Ziel ist der auf der Grenze zwischen Italien und Frankreich liegende grandiose Stausee Lac du Mont-Cenis. Das Gebiet ist landschaftlich spektakulär, eignet sich hervorragend zum Wandern und hält unterhalb der Staumauer auch einige Offroad-Pisten bereit. Die Strecke rund um den See ist zwar leider nicht mehr zugänglich, aber auch auf den kurzen, relativ einfachen Strecken am Fuße der Staumauer kann man Spaß haben und ist schnell vom hohen Verkehrsaufkommen der asphaltierten Hauptstraße entfernt.

Zwei Tage verbringen wir in der Gegend, auch weil es unterhalb des Stausees für uns interessante Lost Places zu fotografieren gibt. Zunächst die Überreste eines verlassenen Dorfes, und direkt nebenan eine ehemalige Jugendherberge. Der Aufstauung des Sees fiel übrigens außerdem ein klösterliches Hospiz zum Opfer. Für einen wunderbaren Rundblick auf den Stausee und die umliegenden Berge lohnt sich außerdem die kurze Wanderung (ca. 30 Minuten bergauf) zum Forte Varisello, einer ehemaligen italienischen Festung auf 2106 Metern Höhe.

6. Einspurig zum Refugio La Riposa

Vom Ort Susa aus unternehmen wir die nächste Offroad-Tour zum Refugio La Riposa, einer Hochalm an der Südflanke des Berges Rocciamelone (3538m). Die zum großen Teil unbefestigte, enge, nur einspurige ehemalige Militärstraße führt von Susa aus an der Bergflanke steil hinauf und bietet herrliche Aussichten ins Susa-Tal und auf den gegenüberliegenden Kamm. Hier sollten zumindest Fähigkeiten im Rückwärtsfahren beherrscht werden, für den Fall, dass es Gegenverkehr gibt. Doch als wir die Strecke im Juli befahren, begegnet uns überhaupt niemand. Wir fahren auch das letzte Stück bis zum Refugio, welches eigentlich in der Hochsaison gesperrt ist. Und auch ganz oben treffen wir lediglich zwei Wanderer an. Der Blick ist traumhaft, und wir schießen ein paar Fotos und machen eine ausgedehnte Mittagspause, bevor wir uns wieder auf den Rückweg machen. Unterwegs gibt es ein paar Stichstraßen, die zu Bauernhöfen oder ehemaligen Befestigungsanlagen führen. Doch die 39 Kilometer lange Strecke ist recht anstrengend zu fahren, weshalb uns nicht nach weiteren Erkundungen ist.

7. Auf den Dent de Vaulion im schweizerischen Jura

Zurück in der Schweiz wollen wir noch ein wenig eine Gegend erkunden, die man neben den hochalpinen Regionen des Landes oft unterschätzt: Das Mittelgebirge Jura im Nordwesten des Landes. Eine schöne, tatsächlich sogar asphaltierte Strecke führt auf den 1483 Meter hohen Dent de Vaulion. Die Straße endet in einer Sackgasse an der Buvette de Vaulion, einem Bergrestaurant unterhalb des Gipfels, welches wir sehr empfehlen können. Hier, am Rand des Zuwegs direkt neben einer Kuhweide, schlagen wir auch unser Nachtlager auf und erklimmen noch am Abend den Gipfel, von dem sich ein atemberaubender Panoramablick auf verschiedene Seen, die Alpenkette und das Bergmassiv des Mont Blanc bietet, Kühe und Kuhglocken-Gebimmel inklusive. Ein Ort, den wir sehr empfehlen können, und überhaupt eine Region, die einen Besuch wert ist!

Wissenswertes:

→ Reisezeitraum? 21. Juli bis 16. August 2026

→ Route? Wuppertal – Freudenstadt – Luzern (CH) – Adelboden – Großer-Sankt-Bernhard – Sestriere (I) – Susa – Lac du Mont-Cenis (FR) – Susa (I) – Jura (CH) – Speyer – Wuppertal

→ Fahrzeug? Für die Offroad-Strecken dieses Roadtrips ist ein geländegängiges Allrad-Fahrzeug mit guten AT-Reifen absolut ausreichend. Genug Bodenhöhe und Böschungswinkel sind natürlich immer nützlich. Die Einheimischen fahren diese einfachen Pisten jedoch auch mit ihren ganz normalen PKWs. Wir fahren einen höher gelegten Toyota Hilux, welcher von der Länge (5,40m) und Breite (1,85m) her wohl das absolut Maximale für einige dieser Routen darstellt. Wir sind überall gut durchgekommen und hatten keinerlei Probleme mit der Größe oder der Höhe (2,30m) des Fahrzeugs.

→ sonstige Ausrüstung? Du solltest immer genügend Vorräte wie Wasser, Lebensmittel und Treibstoff dabei haben. Außerdem sollte dein Fahrzeug unbedingt mindestens ein richtiges Ersatzrad haben, sowie Werkzeug, um dieses auch wechseln zu können. Bergungsmaterialien wie Schaufel, Abschleppseil, Sandbleche und/oder Seilwinde sind natürlich auch immer nützlich auf so einer Tour. Wir haben jedoch nichts davon gebraucht.

→ Internet? Handyempfang? Stelle dich darauf ein, dass du unterwegs immer wieder keinen zuverlässigen Handyempfang hast.

→ Navigation? Ohne Internetempfang ist eine gute Offline-Navigation umso wichtiger. Wir greifen gerne auf die Apps CityMaps2go und maps.me zurück, wo du dir das Kartenmaterial vorab herunterladen kannst. Selbst kleine, abgelegene Pisten sind im Kartenmaterial der beiden Apps markiert.

→ Kartenmaterial? Kartenmaterial und Streckenbeschreibungen zu den Offroad-Touren findest du im Offroad-Tourenbuch Westalpen/Gardasee der Pistenkuh. Neu dabei hatten wir in diesem Jahr die FolyMaps OFFROAD Karte Westalpen, die wir wirklich sehr empfehlen können!

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