Das erste Advents-Wochenende im Dezember 2023 bringt überraschend viel Schnee und kalte Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Daher beschließen wir, spontan mit unserem Offroad-Camper Samu nach Ost-Belgien ins Hohe Venn zu fahren, um dort ein entspanntes Winter-Wochenende zu verbringen. Wir erhoffen uns ein paar ruhige, wilde Stellplätze zum Übernachten inmitten der Natur und winterliche Wanderungen durch das verschneite Hochmoor. Beides bekommen wir, obwohl zahlreiche andere Ausflügler unterwegs sind. In den scheinbar endlosen Weiten des Hochmoores verläuft sich alles und wir erleben die Magie des Winters auf vier ganz unterschiedlichen Wanderungen, die ich dir im kommenden Beitrag vorstelle.

1. Von Baraque Michel zu den bizarren Bäumen Noir Flohay | 7 km | 4 Stunden

Nach einer ruhigen ersten Nacht auf einem Wanderparkplatz in der Nähe fahren wir gegen 9.30Uhr am Morgen zum Parkplatz des Gasthauses Baraque Michel, dem Ausgangspunkt für unsere erste Wanderung im Hohen Venn. Der Parkplatz ist am Samstag Morgen bei diesem traumhaften Winterwetter schon gut gefüllt. Daher parke ich Samu, und wir schnüren rasch unsere Wanderschuhe. Der Wanderweg beginnt direkt gegenüber dem Parkplatz, und sofort sind wir mitten in einer unglaublich zauberhaften Winterlandschaft. Schneekristalle glitzern in der Sonne, die Bäume tragen nicht nur eine dicke Schneeschicht, sondern sind zusätzlich gefroren, ein echtes Winterwunderland. 

Wir folgen dem zum Teil etwas glatten Wanderweg, der nach etwa einem Kilometer auf verschneite Holzplanken übergeht, immer weiter geradeaus und lassen zwei Abzweige nach rechts verstreichen. Unser Ziel sind nämlich die verknöcherten Bäume Noir Flohay, die irgendwo linker Hand des Weges in der Ferne liegen. So richtig weiß ich nicht, wie wir die Bäume im tiefen Schnee erreichen können, doch nach etwa 2 Kilometern taucht plötzlich ein kleiner Steg auf, der nach links führt. Dahinter können wir Fußspuren im Schnee ausmachen. Sie verlaufen ungefähr in die richtige Richtung der bizarren Noir-Flohay-Bäume, und in der Tat erreichen wir diese dann tatsächlich nach 30-minütigem Schneegestapfe. Was für ein Anblick, was für ein grandioses Fotomotiv! Begeistert schwingen wir unsere Kameras, bevor wir wieder den Rückweg antreten.

2. Signal de Botrange – Abendstimmung auf dem höchsten Berg Belgiens | 1,5km | 0,5 Stunden

Nach einer ausgiebigen Mittagspause fahren wir drei Kilometer weiter zum Signal de Botrange. Das ist mit 694 Metern der höchste Punkt Belgiens. Einen richtigen Berg erkennt man jedoch nicht, da das Hohe Venn ja insgesamt eine Hochebene ist, doch auch hier führen Holzplanken-Wege in die malerische Moorlandschaft. Wir laufen vom Parkplatz linker Hand durch den Wald, der orange-roten Abendsonne entgegen. Nach nur etwa 500 Metern geben die Nadelbäume den Blick auf die weite, umliegende Landschaft frei. Traumhaft schön bei diesem Abendlicht. 

Theoretisch kann man auch hier kilometerweit wandern. Da uns aber noch die Wanderung vom Vormittag in den Knochen steckt, begnügen wir uns mit ein paar Schritten und dem Beobachten des Sonnenuntergangs. 

3. Vom Gut Heistert zum spektakulären Bieley-Felsen | 6km | 2,5 Stunden

Nach einer weiteren ruhigen Nacht auf einem Wanderparkplatz bei Kalterherberg wollen wir am zweiten Tag unseres Aufenthalts im Hohen Venn zum spektakulären Aussichtspunkt Bieley-Felsen wandern. Ich hatte zufällig Fotos des Felsens im Netz entdeckt und mir diese Tour unbedingt vorgenommen. Der Fels selber liegt auf belgischem Staatsgebiet. Der Wanderweg dorthin beginnt jedoch in Deutschland auf dem Parkplatz des Gut Heistert in Kalterherberg. Von hier führt ein recht einfacher Wanderweg durch das Perlenbachtal in etwa 75 Minuten zum Bieley-Felsen. Der Weg ist nicht ausgeschildert, doch mit Hilfe von GoogleMaps oder CityMaps2go sehr einfach zu finden. Uns begegnet am Sonntag Morgen ein einsamer Reiter, sonst genau niemand, und wir genießen die Abgeschiedenheit und Ruhe. 

Nach etwa 2 Kilometern an der Grenze zwischen Deutschland und Belgien gibt es eine Warntafel, deren Hinweise man unbedingt befolgen sollte, da die Route zum Felsen auf belgischer Seite zu einem Militärübungsgebiet gehört. An bestimmten Tagen ist dieses Gebiet wegen Schießübungen gesperrt und das Betreten verboten. Wir haben Glück und heute ist die Luft rein. Es geht noch einmal gut einen Kilometer bergauf, dann erreichen wir den wirklich lohnenden Aussichtspunkt am Bieley-Felsen. 

Zurück laufen wir, wie wir hergekommen sind. Glücklich, zufrieden und mit vielen Fotos im Gepäck kehren wir nach etwa 2,5 Stunden zu Samu zurück. 

4. Rundweg durchs Brackvenn | 3 km | 1,5 Stunden

Im Anschluss fahren wir weiter ins sogenannte Brackvenn, welches nördlich von Mützenich liegt. Wir parken auf dem Parkplatz Nahtsief, um hier nochmal eine Runde durch das Hochmoor zu drehen. Dafür überqueren wir vom Parkplatz aus die Straße und folgen dem Weg, bis die Holzbohlen an einem kleinen See beginnen. Von hier ist der etwa drei Kilometer lange Rundweg ausgeschildert. Man kann ihn in beiden Richtungen laufen. Jetzt, am Sonntag Nachmittag, ist hier allerdings ordentlich etwas los, und wir müssen mehrfach auf den schmalen Holzbohlen entgegen kommenden Wanderern ausweichen. Die Landschaft ist jedoch noch einmal traumhaft und durch viele Gewässer ganz anders als am Vortag, sodass sich auch diese Tour noch einmal richtig lohnt. Und damit beenden wir ein wunderschönes Winter-Wochenende im Hohen Venn. 

Fazit:

Wenn du aus dem Westen Deutschlands kommend mal so richtigen Winter erleben willst, bist du im Hohen Venn genau richtig. Mit einer Höhe zwischen 600-700 Metern kannst du sehr häufig mit Schnee und schönem Winterwetter rechnen. Der Naturpark ist zudem wunderbar mit dem Pkw zu erreichen. Es gibt auch Busverbindungen. Die Straßen sind geräumt. Dennoch solltest du es vermeiden, im Winter mit Sommer- oder Allwetterreifen ins Hohe Venn zu fahren. Vor allem auf dem Parkplatz Nahtsief mussten wir mehreren Autos vom glatten, festgefahrenen Schnee zurück auf die Straße helfen. 

Pinne diesen Beitrag auf Pinterest