Nach vier Wochen Reise verlassen wir Norwegen. Vor allem die letzten Tage im äußersten Nordosten des Landes am Eismeer, an der russischen Grenze, waren ruppig und kalt, und ich sehne mich nach etwas wärmender Sonne. Die Wetter-App für Schwedens Ostküste zeigt jetzt im August sommerliche 27 Grad an. Daniel und ich, wir gucken uns kurz an und grinsen: Nichts wie hin!

Den Norden Finnlands durchfahren wir mit kurzem Shopping-Bummel in Rovaniemi an nur einem Tag – hierhin, ins finnische Lappland, wollen wir einmal im Herbst oder Winter wiederkommen – wir passieren die Grenze nach Schweden, drehen eine Spazierrunde durch Luleå und entdecken einen traumhaften Stellplatz am kleinen Yachthafen von Ratan.

Und nur 2 Tage nachdem wir in Kirkenes losgefahren sind, erreichen wir die Höga Kusten in Schweden, zu der der Skuleskogen Nationalpark gehört, in dem wir endlich mal wieder die Wanderschuhe schnüren wollen. Was den Nationalpark und das Küstengebiet so besonders macht und wie du die Region wandernd entdecken kannst, verrate ich dir in diesem Beitrag.

Die Höga Kusten – UNESCO Weltnaturerbestätte

Die Höga Kusten (deutsch: Hohe Küste) in der Provinz Ångermanland im Nordosten Schwedens ist wegen ihrer einzigartigen Land- und Meereslandschaft, die sich tatsächlich aus dem Meer „erhebt“, berühmt. Inzwischen 295 Meter hoch, strebt die einst, in der letzten Eiszeit, durch das schwere Eis der Gletscher herunter gedrückte, kompakte Landmasse mit steilen Granitfelsen und felsigen Inseln nun vertikal nach oben. Und sie wächst weiter, aktuell etwa 8 Millimeter pro Jahr. Damit ist die Höga Kusten die höchste Landerhebung der Welt.

Wanderungen im Skuleskogen Nationalpark

Der beste Ort, um die Höga Kusten zu erleben, ist der Skuleskogen Nationalpark. Die landschaftliche Mischung aus tiefgrünen, urwaldartigen Nadelwäldern, schroffen Felsen und kleinen Inseln im Meer ist einzigartig für Schweden.

30 Kilometer markierter Wanderwege gibt es im Nationalpark. Eine Übersichtskarte zum Mitnehmen bekommst du kostenlos an den drei Eingängen zum Park. Eine besonders schöne Rundtour (15km, ca. 4-5 Stunden) führt vom Eingang West auf den Slåttdalsberget, durch die Felsenschlucht Slåttdalskrevan und optional auch auf eine kleine, vorgelagerte Insel.

Da wir einfach nur ein paar Kilometer laufen wollen nach der vielen Sitzerei im Auto und keine große Wanderung unternehmen möchten, entscheiden wir uns für die „nur“ 8km (Hin- und Rückweg) lange Tour zur Felsenschlucht, der ca. 200 Meter langen, 30 Meter tiefen und sieben Meter breiten Slåttdalskrevan. Die ersten zwei Kilometer folgen wir dabei dem über viele Holzstege verlaufenden, immer gut ausgeschilderten Pfad durch den Nadelwald, vorbei an grün bemoosten Felsen und großen Steinfeldern, die ebenfalls Überreste der letzten Eiszeit sind. Dann laufen wir einige Zeit an einem Moorgebiet entlang, bis wir den letzten, etwas steileren Abschnitt der Wanderung erreichen. Noch etwa 500 Meter führt der Weg bergauf, zum Schluss mit ziemlichem Gekraxel über große Felsstücke, bis wir den Aussichtspunkt in die Schlucht erreichen, die wirklich ein toller Anblick ist.

Weitere Wandertouren an der Höga Kusten

Auch außerhalb des Nationalparks gibt es noch lohnende Wanderziele an der Höga Kusten. So zum Beispiel den 300 Meter hohen Skuleberget, die höchste Erhebung an der Höga Kusten, oder den 240 Meter hohen Valkallen, einen Küstengipfel am südlichen Ende der Höga Kusten.

Eine Tour, die alle bisher vorgestellten Orte abdeckt, ist der Fernwanderweg Höga Kustenleden, der auf 128 Kilometern und in 13 Etappen einmal durch das komplette Gebiet der Höga Kusten führt. Für Übernachtungen entlang des Weges gibt es Wanderhütten, Campingplätze und ausgewiesene Stellen zum Zelten.

Wissenswertes:

Reisezeitraum? 14.-15. August 2020

ideale Aufenthaltsdauer? Je nachdem, wieviele Wanderungen du unternehmen magst, sind 1-3 Tage Aufenthalt im Skuleskogen Nationalpark ideal.

Anreise? Der Skuleskogen Nationalpark liegt ca. 130km südlich von Umeå und 500km nördlich von Stockholm. Am schnellsten geht die Anreise mit einem Pkw über die Küstenstraße E4. Es gibt allerdings auch eine Zugverbindung nach Örnsköldsvik, wo man anschließend einen Bus zum Nationalpark nehmen kann.

Wohnen? In der Umgebung des Nationalparks gibt es zahlreiche Zelt- und Campingplätze, die zum Teil auch Zimmer oder Hütten vermieten. Um besonders schöne oder gut bewertete Plätze zu finden, empfehle ich dir die App Park4Night.

Unbedingt probieren? Die Höga Kusten ist die Heimat der gewöhnungsbedürftigen, schwedischen Delikatesse „Surstömming“, das ist vergorener Hering.

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