Nach zwei ruppigen Stunden auf dem Schnellboot, kommend von der Insel Santa Cruz, begrüßt uns Isabela wolkenverhangen. Ich habe die Überfahrt trotz rauer See erstaunlich gut überstanden. Ein Platz im hinteren, offenen Teil des Bootes an der frischen Luft sowie die Einnahme einer Reisetablette haben dabei vermutlich geholfen.

Sehr zügig werden wir und unser Gepäck auf ein Taxiboot verladen und zum kleinen Passagier-Hafen (Embarcadero de Pasajeros) gebracht, wo uns bereits einige Seelöwen und Meeresechsen empfangen. Für die Insel Isabela wird eine weitere Gebühr von US$ 10 pro Person fällig, die ich nach der Ankunft entrichte, bevor wir das Hafengelände verlassen dürfen. Im Gegensatz zu Santa Cruz liegt der Hafen von Isabela etwa einen Kilometer außerhalb des Ortes Puerto Villamil. Dennoch beschließen wir, die zwei Kilometer bis zu unserem Quartier zu Fuß zu laufen. Es stehen aber auch Taxis bereit.

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Willkommen auf der Galápagos-Insel Isabela!

Drei Nächte verbringen wir auf Isabela – am Ende des Artikels findest du eine ausführliche Kostenaufstellung – und entdecken die Insel wieder völlig individuell auf eigene Faust. Hier verrate ich dir meine besten Tipps dafür:

Laguna Salinas Villamil & Schildkröten-Station Centro de Crianza

Am Vormittag unseres ersten Tages auf Isabela wollen wir die Schildkröten-Station Centro de Crianza, ebenfalls eine Aufzuchtstation für Riesenschildkröten, besuchen. Ein schöner, etwa 1,5 Kilometer langer Fußweg dorthin führt über einen Holzsteg durch die Laguna Villamil, der direkt rechter Hand hinter dem Iguana Crossing Hotel beginnt. Zunächst vorbei an einigen kleinen Seen, verläuft der Weg später durch Wald und interessante Lavalandschaft bis hin zur Schildkröten-Station. Wir sind an diesem Morgen ziemlich früh unterwegs, und als wir das Centro de Crianza gegen 8:30 Uhr erreichen, warten die faltig-grauen Reptilien gerade ungeduldig auf ihre Fütterung. Entsprechend aktiv sind sie: Erwartungsfroh kommen sie uns an den Gehegemauern entgegengelaufen, strecken ihre Hälse, fauchen sich gegenseitig an und klettern sogar übereinander – wir haben großen Spaß!

Auf dem Rückweg nehmen wir uns bei den Lagunen sehr viel Zeit zum Beobachten und Fotografieren der Flamingos, die hier, wider Erwarten sogar relativ zahlreich, im seichten Wasser nach Futter suchen. Zu unserer Freude kommt auch endlich die Sonne hervor.

Sehenswerte Orte in Puerto Villamil

Danach laufen wir entlang der wilden, von Palmen gesäumten Praia Puerto Villamil in den Ort, der mit nur 2200 Einwohnern Karibikfeeling verbreitet. Die meisten Straßen sind Sandpisten, die Häuser bunt angestrichen. An der Hauptstraße Antonio Gil findest du fast alle Hotels, Restaurants, Bars und Touranbieter. Der Hauptplatz mitten im Ort, an dem auch die Iglesia Cristo Salvador liegt, ist ganz hübsch angelegt mit einem Spielplatz für Kinder. Ansonsten gibt Puerto Villamil tatsächlich nicht viel her.

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Strand und Hauptplatz von Puerto Villamil.

Schnorcheln in der Bucht Concha de la Perla

Am Nachmittag machen wir uns noch einmal auf Richtung Hafen. Zunächst beobachten wir dort und an der angrenzenden Playa Isabela ein wenig die faulen Seelöwen. Dann schlagen wir den kleinen Holzweg linker Hand vor dem Hafeneingang ein, der zur Bucht Concha de la Perla führt. Der Steg verläuft wunderschön durch dichte Mangroven.

Immer wieder müssen wir über dösende Seelöwen steigen, bis wir nach etwa 200 Metern eine Holzplattform erreichen, von der aus man zum Schnorcheln ins Wasser springen kann. Ich hatte mir in Deutschland extra eine passende Taucherbrille samt Schnorchel gekauft, die nun zum ersten Mal zum Einsatz kommt. Sehr zur Freude dreier junger Seelöwen, die schon bald im kalten Nass mit mir spielen wollen. Immer wieder kommen sie unter Wasser auf mich zugeschossen, bremsen kurz vor mir ab und umkreisen mich. Was für ein tolles Erlebnis: Schwimmen mit wilden Seelöwen!

Wanderung zur Muro de las Lagrimas

Den kompletten zweiten Tag auf Isabela nehmen wir uns Zeit für die Wanderung zur Muro de las Lagrimas, einer Steinmauer, die von 1945-1959 von Gefangenen einer Sträflingskolonie auf der Insel in Isolation gebaut wurde. Der Hin- und Rückweg beträgt insgesamt ungefähr 20 Kilometer.

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Fotogener Grund einiger trockener Lagunen.

Zunächst verlassen wir Puerto Villamil in westlicher Richtung, immer weiter entlang dem einsamen Sandstrand. Rechter Hand liegen irgendwann der kleine Friedhof des Ortes sowie ein paar halb trockene Lagunen, deren bunter Grund recht fotogen ist, bis nach etwa vier Kilometern ein Hinweisschild auftaucht, welches den Eingang zum Feuchtgebiet Muro de las Lagrimas und die Sehenswürdigkeiten entlang des Weges bis zur Tränenmauer aufzeigt.

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Wasservogel an der Playa del Amor.

Wir laufen weiter, und während an den Stränden La Playita sowie der Playa del Amor wieder hunderte Meeresechsen sowie ein paar Wasservögel auf uns warten, fand ich die kurzen Abstecher rechts des Weges zu den Teichen Pozas Verdes, Poza Redonda und Poza Escondida recht unspektakulär. Bei Los Tunos gibt es tatsächlich einen der vielen unterirdischen Lavatunnel der Vulkaninseln Galápagos zu sehen. Dieser kurze Abstecher lohnt sich also.

Wunderschön ist der kurze Weg durch einen Tunnel aus Mangroven zur Bucht El Estero, einem ruhigen, sehr flachen, hellgrün schimmerndem Meeresarm. Es gibt zwei Bänke, und wir lassen uns hier für eine kurze Pause nieder.

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Bucht El Estero im Feuchtgebiet Muro de las Lagrimas.

Danach folgt der Camino de las Tortugas. Wir sind überrascht: Werden wir hier wirklich wilde Schildkröten sehen?! Ich starre rechts und links ins dunkle Gebüsch, aber nichts ist zu sehen. Als ich schon ein wenig enttäuscht bin, da wir längst weitere zwei Kilometer zurück gelegt haben, bewegt sich etwas links des Weges und wir haben Glück, es ist eine Riesenschildkröte! Wir nähern uns, sie lässt uns in aller Ruhe gewähren, und wir beobachten und fotografieren sie etwa 20 Minuten beim Fressen.

Total ergriffen von diesem Erlebnis laufen wir weiter, und tatsächlich begegnen uns noch drei weitere Schildkröten, eine davon liegt unübersehbar mitten auf dem Weg! Wieder bin ich total begeistert davon, wie nah man den Tieren hier auf den Galápagos-Inseln sein kann, ohne dass sie flüchten oder aggressiv werden!

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Riesenschildkröte auf der Wanderung zur Muro de las Lagrimas.

Den Cerro Orchilla, einen Aussichtspunkt auf einem Hügel, lassen wir aus, und dann erreichen wir auch schon die Muro, die als Bauwerk an sich den Weg nicht wirklich lohnt.

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Die Muro de las Lagrimas – Tränenmauer auf Isabela.

Hinter der Tränenmauer gibt es jedoch noch einen steilen Aufstieg über viele Treppen zum Mirador de las Lagrimas. Wir wollen es wissen und klettern hinauf: Belohnt werden wir mit einem 360°-Blick über die Insel Isabela und auf die Küste bis nach Puerto Villamil. Danach machen wir uns auf den Rückweg, und am Ende werden unsere Beine doch sehr schwer. Insgesamt haben wir für den kompletten Weg inklusive der Abstecher gut 7 Stunden gebraucht.

Tipp: Du kannst diese Tour auch mit dem Mountainbike machen. An der Hauptstraße von Puerto Villamil gibt es verschiedene Anbieter, die Leihräder für US$ 15 am Tag vermieten.

Weitere Ausflüge auf der Insel Isabela

Auch auf Isabela kannst du einige geführte Touren unternehmen:
Bei gutem Wetter und klarer Sicht lohnt sich z.B. eine Wandertour zum Vulkan Sierra Negra, einem von Isabelas sechs aktiven Vulkanen, der zuletzt 2005 ausgebrochen ist.
Kosten: US$ 40-45 pro Person
Dauer: 4-6 Stunden am Vormittag

Des weiteren soll sich ein Ausflug zu der kleinen Puerto Villamil vorgelagerten Vulkaninsel Las Tintoreras lohnen, den man auch mit dem Kajak unternehmen kann. Auf dieser Tour kannst du Pinguine, Blaufußtölpel und viele weitere Meeresvögel beobachten.
Kosten: US$ 40 pro Person
Dauer: 3 Stunden am Vormittag

Und dann wäre da noch ein Schnorchelausflug zu den Los Tuneles im Angebot, auf dem du Haie, Meeresschildkröten und sogar Riesenmantas, die größten Rochen der Welt mit einer Spannweite bis zu sieben Metern, sehen kannst.
Kosten: US$ 120 pro Person
Dauer: ca. 5 Stunden

Wir haben keine dieser drei organisierten Touren gemacht, weil wir keine Lust auf eine Gruppe und einen durchgetakteten Zeitplan hatten. Ich kann also nicht aus eigener Erfahrung berichten, ob sich die Ausflüge lohnen, wollte sie aber der Vollständigkeit halber aufführen.

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Graureiher an der Praia Puerto Villamil.

Zusatztipp: Mit dem Flugzeug von Isabela nach San Cristóbal

Da es von Isabela keine Direktverbindung mit einem Schnellboot nach San Cristóbal gibt – du musst immer in Santa Cruz umsteigen und bist somit einen ganzen Tag unterwegs -, hatte uns unser Hostal Besitzer in Puerto Ayora bereits empfohlen, lieber kurzfristig einen Flug zu buchen, um von Isabela weiter nach San Cristóbal zu reisen. Die Galápagos-Airline Emetebe verbindet nämlich alle größeren Inseln mit 10-Sitzer Propeller-Maschinen. Also machten wir uns nach drei Nächten auf Isabela mittags auf zum Flughafen, und landeten schon nach etwa 60 Minuten Flugzeit in Puerto Baquerizo Moreno auf San Cristóbal. Dabei verkürzte dieser Flug nicht nur unsere Weiterreise erheblich, sondern bescherte uns zusätzlich eine Art Rundflug über Teile Isabelas und das Galápagos-Archipel – sehr zu empfehlen!

Wissenswertes:

Reisezeitraum? Insgesamt haben wir 10 Nächte auf den Galápagos-Inseln verbracht, vom 18.-28. Juli 2019. Isabela war nach Santa Cruz unsere zweite Station. Hier sind wir für drei Nächte geblieben.

Ideale Aufenthaltsdauer? Die ideale Aufenthaltsdauer auf Isabela wären für uns vier Nächte gewesen. Mit einem Tag mehr hätten wir sicher doch noch 1-2 Ausflüge unternommen, für die wir so leider keine Zeit mehr hatten.

Anreise? Isabela erreichst du am günstigsten mit einem Schnellboot von Santa Cruz, die täglich um 7 Uhr und um 14 Uhr zwischen den beiden Inseln verkehren. Die Überfahrt dauert etwa zwei Stunden und kostet US$ 25-30 pro Person, je nachdem, wie gut die Boote ausgebucht sind. Du musst dich eine halbe Stunde vor der Abfahrt am Pier einfinden, denn vor der Überfahrt wird dein Gepäck auf frische Lebensmittel und unerlaubte Gegenstände durchsucht.

Unterkunft? Wir haben am westlichen Ende von Puerto Villamil im Drake Inn übernachtet. Das Haus liegt direkt am schönen Sandstrand, weshalb ich es ausgesucht hatte, obwohl es relativ teuer war. Leider waren die Zimmer winzig und ziemlich schmuddelig. Ich kann dieses Quartier NICHT empfehlen!

Restaurant-Tipp? Das beste Restaurant am Platz ist das kleine „Coco Surf“. Unbedingt reservieren, da es insgesamt nur wenige Tische gibt.

Geld? Achtung: Auf Isabela gibt es KEINE Geldautomaten! Da man aber überall mit Bargeld bezahlen muss, solltest du genug Dollar auf Santa Cruz abheben und mitnehmen!

Kosten? Isabela ist noch weiter vom Festland Ecuador entfernt als Santa Cruz, und jede Kleinigkeit muss auf die Insel transportiert oder importiert werden. Entsprechend teuer sind Lebensmittel, Restaurants und Quartiere. Damit du weißt, welche Kosten auf dich zukommen, liste ich hier einmal ausführlich unsere Ausgaben für Isabela auf:
Eintritt Isabela: US$ 10 pro Person
Wassertaxi Puerto Villamil: US$ 2 pro Person
Unterkunft für 3 Nächte inkl. Frühstück: US$ 350
Taxi zum Flughafen: US$ 5
Flug Isabela – San Cristóbal: US$ 120 pro Person
Übergepäck Flug: US$ 15 pro Person

Gesamtausgaben für die Insel Isabela: 647 US-Dollar (587 Euro) für zwei Personen

→  Weitere Infos: www.galapagostogo.com