Es ist so bekannt wie der Eiffelturm, die Golden-Gate-Bridge oder die Mona Lisa, verewigt auf Zeitschriftentiteln, in Kalendern und auf Postern auf der ganzen Welt. Und obwohl wir einem Besuch solcher Tourismus-Hotspots immer etwas skeptisch gegenüber stehen, darf dieses Gebäude, welches in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen ist, auf unserer Indien-Reise im Januar 2018 nicht fehlen.

Wir erreichen Agra mit dem Zug von Delhi gegen Mittag. Die Fahrt dauert vier Stunden statt der geplanten zwei – Normalität in Indien. Vor allem in den Wintermonaten (Dezember/Januar), wenn dichter Nebel die Lokführer dazu zwingt, in gefühlter Schrittgeschwindigkeit zu fahren. Vom Bahnhof geht es weiter mit dem Taxi zum empfehlenswerten Hotel Taj Resorts, welches in fußläufiger Nähe zum Taj Mahal liegt.

Nach einer kurzen Pause machen wir uns zu Fuß über die Taj East Gate Road auf den Weg zum East Gate, dem Eingang für Touristen. Ich lasse meinen Rucksack im Hotel, nehme nur meine Geldbörse, Pass sowie Handy und Kamera mit, das erleichtert die strenge Einlasskontrolle (man selber sowie alle Taschen werden dort gescannt – Essen und eigene Getränke sind komplett verboten!). Daniel hat einen Fotorucksack dabei, das ist okay.

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Am Booking Counter besorgen wir uns zwei Tickets für 1000 Rupien (ca. 12€) pro Person. Darin enthalten sind neben dem Eintritt je eine 0,5l Flasche Wasser und die vorgeschriebenen Schuhüberzieher. Für Indien ein stolzer Preis, aber wie hier überall bezahlt man als ausländischer Tourist deutlich mehr als die Inder.

Achtung: Auf der Straße zum East Gate werden euch einige Kinder diese Schuhüberzieher verkaufen wollen. Natürlich könnt ihr ihnen den Gefallen tun, ein paar Rupien zu verdienen, aber nötig ist dies nicht, da ihr die Überzieher wie gesagt am Ticket-Schalter erhaltet.

Mit den Tickets geht es nun weiter zum Eingang. Hier gibt es vier Schlangen – mit den teureren Touristen-Tickets dürft ihr euch in den beiden hinteren, „schnelleren“ Schlangen anstellen. Zum ersten Mal begegnen wir der Tatsache, dass in Indien Männer und Frauen in Warteschlangen immer streng getrennt werden. Ich begebe mich also zu den Frauen, Daniel stellt sich in der viel längeren Männer-Reihe an. Für uns ist das seltsam, aber nach 40 Minuten und einer Einlasskontrolle, die in etwa wie eine Sicherheitskontrolle am Flughafen abläuft, sind wir wieder vereint.

Achtung: Während ich auf Daniel warte, beobachte ich, wie vielen Essen und Getränke oder „gefährliche Gegenstände“ abgenommen werden. Ihr solltet euch also wirklich daran halten, nur das Nötigste mitzunehmen!

Vom East Gate laufen wir nun zum Great Gate, dem eigentlichen Eingangstor zum riesigen Park Charbagh, der das Taj Mahal umgibt, und erhaschen einen ersten Blick auf das weiß leuchtende Gebäude. Kein Film und kein Bild können die Aura festhalten, die von diesem Prunkbau ausgeht. Als wir den Park betreten, stehen mir Tränen in den Augen, weil ich kaum glauben kann wirklich hier zu sein. Bei diesem Anblick sind die elende Warterei und die nervige Sicherheitskontrolle sofort vergessen!

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1631-1636 als Mausoleum für die Lieblingsfrau des Shahs Jahan erbaut, ist das Taj Mahal ein quadratischer Bau, 57 Meter hoch und ebenso breit, der auf einer Plattform unmittelbar am Ufer des Flusses Yamuna liegt. Davor erstreckt sich ein rechteckiger, durch Wassergräben symmetrisch in vier Teile gegliederter Garten.

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Die vier 41 Meter hohen Minarette an den Ecken der Plattform, eigentlich Merkmale einer Moschee, sind als reine Zierde nur dazu bestimmt, einen harmonischen Gesamteindruck zu vermitteln. Sie sind ganz leicht vom Mausoleum weg nach außen geneigt, damit sie im Falle eines Erdbebens nicht aufs Hauptgebäude stürzen.

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Das Taj Mahal besteht übrigens keineswegs komplett aus Marmor, sondern in seinem Kern aus gebrannten Ziegeln. Mit Eisenstiften wurden dann die Marmorplatten auf das Mauerwerk geheftet. Etwa 1000 Elefanten wurden zum Transport der Baumaterialien verwendet.

Flankiert wird das Hauptgebäude von zwei symmetrisch angeordneten Sandsteinbauten, einer Moschee an der Westseite (links) und einem Gästehaus an der Ostseite (rechts). Letzteres diente dazu, die zahlreichen Gäste zu beherbergen, die sich am Taj versammelten, um mit Musik, Koran-Lesungen und Lobpreisungen das Andenken an die Verstorbene wach zu halten.

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Nach den ersten Fotos und Selfies bewegen wir uns langsam durch den Park Richtung Taj. Ich liebe Symmetrie und kann meine Augen kaum von diesem alles überstrahlenden Gebäude lassen. Der Anblick ist so magisch und atemberaubend.

Etwa in der Mitte des Gartens befindet sich eine zweite, kleinere Plattform mit zwei Bänken, auf der sich zahlreiche Menschen drücken. Ich wundere mich darüber, dass sich alle auf einer der Bänke ablichten lassen wollen. Im Nachhinein erfahren wir, dass sich Prinzessin Diana dort hat fotografieren lassen. Ein Bild, das um die Welt ging, und alle wollen es nachstellen.

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Über Treppen erreicht man die eigentliche Plattform des Taj Mahal. Hier kommen nun die Schuhüberzieher in Gebrauch.

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Man kann das achteckige Innere des Taj Mahal ebenfalls betreten und im Gänsemarsch mit hunderten anderen Menschen, angetrieben von laut rufenden und mit Trillerpfeife ausgestatteten Soldaten, eine Runde um die beiden im Zentrum liegenden, steinernen Kenotaphe von Shah Jahan und seiner Frau drehen. Ich finde allerdings, dass sich das überhaupt nicht lohnt. Es ist dunkel, laut, und man sieht nichts wirklich besonderes. Außerdem ist das Fotografieren dort untersagt.

Dreht lieber in Ruhe eine Runde um das Gebäude und betrachtet es von allen Seiten.

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Auch die beiden Sandsteinbauten links und rechts des Taj sind wunderschön.

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Von der Rückseite habt ihr einen fantastischen Blick auf den Fluss und in den gegenüberliegenden Park Mehtab Bagh. Wissenschaftler meinen herausgefunden zu haben, dass Shah Jahan dort auf der gegenüberliegenden Seite für sich eigentlich ein weiteres, sogenanntes Black Taj errichten wollte. Dazu ist es aber wohl offensichtlich nicht gekommen.

Übrigens wird in diesem Park üblicher Weise für Filme gedreht, wenn das Taj Mahal im Hintergrund erscheinen soll, denn auf dem Gelände selbst bekommt man keine Dreherlaubnis. Da die Rückseite des Taj Mahal allerdings genauso aussieht wie die Front, fällt es gar nicht auf, dass es sich um einen Drehort außerhalb handelt.

Der Mehtab Bagh Park eignet sich bei Sonnenauf- und -untergang wohl auch ideal für einen romantischen Blick bei weichem Licht auf das Taj Mahal. In den Wintermonaten kann dichter Nebel dieses Spektakel allerdings verhindern, deshalb haben wir uns nicht noch auf den Weg gemacht.

So vergeht Stunde um Stunde, auch beim Beobachten der anderen Besucher. Die Mehrzahl sind Inder, die gehüllt in bunte Saris und Tücher einen tollen Farbkontrast zum weißen Marmor bilden. Daran kann man sich kaum satt sehen.

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Immer wieder werde ich vor allem von jungen Leuten angesprochen, mit ihnen auf einem Foto zu posieren. Manchmal mache ich mit, manchmal lehne ich ab, je nachdem, wie sympathisch mir die Leute erscheinen. Fühlt euch nicht gezwungen, aber gewöhnt euch in Indien daran, dass euch alle wegen eurer weißen Haut anstarren und Fotos mit euch machen wollen 😉

Langsam machen wir uns auf den Rückweg zum Great Gate, da wir an diesem Nachmittag auch noch das Agra Fort besichtigen wollen. Als wir einen letzten Blick auf das Taj werfen, fühle ich Wehmut, diesen ganz besonderen Ort zu verlassen, für den allein sich schon eine Reise nach Indien lohnen würde.

Wissenswertes:

Anreise? Mit dem Zug von Delhi oder einem Mietwagen mit Fahrer.

Unterkunft? Hotel Taj Resorts Agra o.ä. im Umkreis des Eingangs.

Eintritt? 1000 Rs pro Person, das sind etwa 12€. Wasserflasche und Schuhüberzieher inklusive.

Wieviel Zeit einplanen? Mind. 3-4 Stunden, ich hätte auch noch länger bleiben können.

Achtung: Das Taj Mahal ist Freitags geschlossen!!! Mitnahme von Essen oder Getränken ist nicht erlaubt!

Tipp: Ein Spaziergang durch die engen Gassen des direkt ans Taj angrenzenden Stadtteils Dalihai.

 

Hast du das Taj Mahal auch schon besucht? Habe ich eine wichtige Info vergessen?

Dann hinterlasse mir gerne einen Kommentar! Deine Julia