Nachdem wir gut eine Woche die schottische North Coast 500 entlang gefahren sind, geht es für uns weiter auf die berühmte Isle of Skye. Die Insel mit ihren Naturwundern und Märchenlandschaften gilt wohl als der Inbegriff Schottlands. Hast du die Isle of Skye gesehen, kennst du Schottland, so wirkt es oft in den Medien. Und daher gebe ich ganz offen zu: Ich war skeptisch, ob uns die längst vollkommen überlaufene Insel in ihren Bann ziehen kann. Denn obwohl wir Ende Juli noch vor dem ganz großen Touristen-Ansturm unterwegs sind, finden wir nur mit großem Glück einen freien Stellplatz auf einem Campingplatz, erleben wir überfüllte Parkplätze und völliges Verkehrschaos auf den oft schmalen, einspurigen Straßen zu den Sehenswürdigkeiten der Insel. Dazwischen stehen verzweifelte Einheimische, die im Sommer wochenlang die Blechschlangen und Abgase vor ihren Häusern und Grundstücken ertragen müssen. Daher wollte ich eigentlich keinen Beitrag zur Isle of Skye verfassen, der den „Overtourism“ weiter ankurbelt.
Andererseits gebe ich zu, dass ich noch nie zuvor auf einer unserer Reisen wie hier in Schottland erlebt habe, dass das vielfach angepriesene Highlight eines Landes auch wirklich das eine Highlight ist! Die Isle of Skye und ihre spektakuläre Natur ist atemberaubend schön und ich verstehe, dass jeder diesen faszinierenden Ort unserer Erde erleben will. Daher versuche ich in diesem Beitrag ein paar Tipps zu geben, wie du die sieben Naturwunder der Isle of Skye (auch in der Hochsaison) für alle Beteiligten möglichst schonend und rücksichtsvoll bereisen kannst.
1. Wanderung zur Felsformation Old Man of Storr
Eine der bekanntesten Wandertouren auf der Isle of Skye ist der Trail zum Old Man of Storr, einer beeindruckenden Felsformation an der Ostküste der Insel. Die Tour beginnt direkt am Fuße des Berges auf einem Parkplatz, der tagsüber zwischen 10 und 18 Uhr vollkommen überfüllt ist. Auch die Wohnmobil-Stellplätze am Straßenrand sind restlos besetzt, als wir hier gegen Mittag vorbeifahren. Entsprechend voll ist es natürlich auch auf den Wanderwegen am Berg. Solche Zustände bedeuten für uns immer, auf die Randzeiten auszuweichen. Sprich, eine Wanderung bereits morgens um 8 Uhroder erst am Abend ab 18 Uhr zu beginnen, um den Menschenmassen zu entgehen. Wir entscheiden uns an diesem Tag für den Abend. Und als wir unseren Offroad-Camper gegen 18 Uhr am Straßenrand parken, gibt es tatsächlich viele freie Plätze. Die meisten Leute verlassen den Parkplatz zu dieser Zeit, und wir beginnen unsere Tour bergauf im weichen Abendlicht.
Zunächst führt ein Schotterweg sehr steil bergauf, irgendwann geht der Weg in Treppenstufen über. Der Ausblick wird mit jeder Stufe atemberaubender, und in der Ferne kannst du bereits das Wahrzeichen, den Old Man of Storr, emporragen sehen.


Kurz bevor wir die eindrucksvolle Felsformation nach etwa 30 Minuten Wanderung erreichen, biegen wir auf einen Pfad nach links ab in ein anderes Tal, welches im Abendlicht ebenfalls fantastische Ausblicke bietet.

Dann kehren wir zum Old Man of Storr zurück, denn der Wanderpfad windet sich noch weiter den Berg hinauf bis zu einem Plateau, das den besten Blick auf die drei markanten Felsnadeln bietet. Wir sind inzwischen völlig alleine unterwegs. Insgesamt 520 Höhenmeter hinauf legen wir heute zurück und erreichen nach etwa 90 Minuten das Plateau. Von hieraus haben wir einen spektakulären 360-Grad-Blick auf die umliegende Landschaft der Isle of Skye. Diese Aussicht ist jede Mühe wert!



Nach gut zwei Stunden und 5 Kilometern sind wir gegen 20 Uhr zurück bei unserem Fahrzeug und fahren ganz entspannt zurück zu unserem Campingplatz.
2. Der Steilklippen-Wasserfall Kilt Rock
Auf dem Rückweg zum Campingplatz kommen wir an diesem Abend auch noch beim sehenswerten Kilt Rock Wasserfall vorbei, der sich ebenfalls an der Ostküste der Insel über spektakuläre, vulkanische Steilklippen direkt ins Meer ergießt. Auch hier ist der Parkplatz abends fast komplett leer, und wir legen die wenigen Schritte zur extrem windigen Aussichtsplattform ganz in Ruhe zurück. Kein Gedränge beim Fotografieren des Wasserfalls, nur wir und die Naturgewalten.


Stellplatz: Staffin Caravan + Camping Site (2 Nächte).
3. Wanderung in der Quiraing Mountain Range
Ebenfalls im Nordosten der Isle of Skye, nur wenige Fahrminuten von Staffin entfernt, liegen im Inselinneren die grandiosen Quiraing Mountains. Hier wollen wir am zweiten Tag unseres Aufenthalts auf der Insel wandern. Ausgangspunkt für Touren ist der Parkplatz beim Quiraing Viewpoint, der, wie zu erwarten, tagsüber sehr viele Besucher und Busse anzieht. Hier steigen alle kurz aus, schießen ein paar Fotos und fahren weiter. Wir erreichen den Parkplatz am Nachmittag gegen 16 Uhr, als er immer noch gut gefüllt ist. Doch wir ergattern schnell einen Platz und schnüren unsere Wanderschuhe.

Vom Viewpoint aus halten wir uns zunächst links und wählen den flacheren, unteren Wanderweg als Einstieg in die Rundwanderung. Bereits nach wenigen hundert Metern ist kaum noch jemand auf dem Wanderweg unterwegs. Und wenn, dann kommen die Leute uns auf ihrem Rückweg entgegen, sodass wir die umwerfende Natur ganz in Ruhe genießen und fotografieren können.





Nach etwa einer Stunde laufen wir an den markanten Felsen „The Prison“, „The Needle“ und „The Table“ vorbei, und der Weg führt durch traumhafte Märchenlandschaft immer weiter bergauf bis zu einer Weggabelung. Ein Schild weist uns darauf hin, dass ab hier nur sehr geübte Bergwanderer weiter gehen sollten.


Wir zählen uns einfach mal dazu und halten uns linker Hand weiter bergauf. Ein steiler, matschiger Abschnitt direkt am Klippen-Grat steht uns bevor, an dem wir noch einmal gut 200 Höhenmeter überwinden. Doch die Ausblicke sind nicht weniger spektakulär und wir weiterhin begeistert.

Irgendwann ist gar kein Weg mehr auszumachen, und wir laufen einfach weiter querfeldein bis uns Kraxelei an einem Steilhang – der Wanderweg wird hier gerade saniert – nach etwa 3 Stunden zurück zum Parkplatz führt. Die gesamte 7-Kilometer-Rundtour ist definitiv nur etwas für trainierte, geübte Wanderer, aber wieder sind wir den Touristenmassen erfolgreich entgangen!
Stellplatz: Staffin Caravan + Camping Site
4. Die Märchenlandschaft Fairy Glen
Am dritten Tag unseres Aufenthalts auf der Isle of Skye verlassen wir unseren Campingplatz in Staffin und fahren weiter Richtung Westküste. Gegen 12 Uhr mittags erreichen wir den Parkplatz des Fairy Glen bei Uig. Wir merken an der Tatsache, dass wir tatsächlich sofort einen freien Parkplatz bekommen, dass dieses idyllische, grüne Tal noch keine große Touristen-Attraktion ist. Kleine geschotterte Pfade führen durch das malerische Tal der Feen, es gibt kleine Tümpel mit Seegras, Bächen und Wasserfällen, bizarre Bäume und grün geriffelte, kegelförmige Hügel. Und all das wird überragt vom Felsen Castle Ewen, von dem aus du den besten 360-Grad-Blick über das gesamte Tal hast.







Für mich war das Fairy Glen einer der ganz besonders schönen Orte auf der Isle of Skye, den man noch gut zu jeder Tageszeit ohne große Menschenmassen erkunden kann.
5. Der schneeweiße Coral Beach
Anders als beim Fairy Glen sieht es zwei Stunden später bei unserer Anfahrt zum vielfach angepriesenen Coral Beach aus: Bereits zwei Kilometer vor dem Parkplatz staut sich der Verkehr und die einspurige Straße ist vollkommen verstopft. Nichts geht mehr. Wir schauen uns das Chaos einige Minuten an. In einer vor uns liegenden Einfahrt steht eine ältere einheimische Dame und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen. Die Situation ist uns sehr unangenehm! Wir stellen uns vor, wie das für uns wäre, im Sommer wochenlang eine Blechschlange vor unserem Haus stehen zu haben. Hupende, gestresste Touristen in PKWs oder ihrer überdimensionierten Weißware, Abgase…zum Glück können wir gut wenden und treten schnell den Rückzug an. Ich kann an dieser Stelle nur appellieren, den Coral Beach nur zu den äußersten Randzeiten oder eben gar nicht mehr zu besuchen!
6. Der berühmte Leuchtturm am Neist Point
Leider erleben wir das gleiche in grün eine Stunde später auf der Zufahrt zum Parkplatz am Neist Point, dem westlichsten Ort der Isle of Skye. Ein großes Wohnmobil versperrt die schmale, einspurige Straße und verhindert die Weiterfahrt für Fahrzeuge in beide Richtungen. Dieses Mal fahren wir erst gar nicht hinein ins Chaos, sondern parken unseren Offroad-Camper Samu bereits in der Kurve vor dem Kelpie Cottage. Eine weitere Parkmöglichkeit gibt es weiter oben auch noch beim Loch Mor Viewpoint. Dann schnüren wir die Wanderschuhe und legen die etwa 1,5 Kilometer bis zum eigentlichen Parkplatz zu Fuß zurück. Natürlich werden wir dabei von zig Fahrzeughaltern angesprochen, die uns fragen, woran der Stau liegt. Wir können dabei über viele Leute nur den Kopf schütteln, die mit ihren großen Wohnmobilen oder Camping-Gespannen auf solchen Straßen unterwegs sind. Fragen uns aber auch, weshalb die schottische Regierung diese Straßen nicht für entsprechend zu große Fahrzeuge sperrt oder eine Ampel-Anlage einrichtet, die entsprechend die Durchfahrt regelt.

Als wir etwa 30 Minuten später den Neist Point zu Fuß erreicht haben, ist der Ärger jedoch schnell verflogen. Unser Blick fällt auf imposante Klippenlandschaft, an deren vorderer Spitze ein einsames Leuchtturmgebäude thront. Bis dahin sind es aber noch einmal gut 2 Kilometer, zum Teil steil bergauf und bergab zu laufen. Belohnt werden wir mit einem grandiosen Ausblick auf den tosenden Ozean und die vorgelagerten Inseln der äußeren Hebriden.


Am frühen Abend fahren wir noch weiter in den Süden der Isle of Skye in den Glenbrittle Forest, denn am kommenden Morgen wollen wir sehr früh ein weiteres Naturwunder der Insel erkunden.
Stellplatz: Glenbrittle Forest Car Park (1 Nacht).
7. Die malerischen Fairy Pools
Nach einer ruhigen Nacht auf dem Waldparkplatz neben einigen anderen Campern klingelt der Wecker bereits früh um 6.30 Uhr. Ohne Frühstück marschieren wir los, denn heute steht unser letztes Highlight auf der Isle of Skye an, die wundervollen Fairy Pools. Die unzähligen kleinen Becken, gefüllt mit glasklarem oder türkisblauem eiskalten Wasser, sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Daher die Eile am Morgen.

Zunächst laufen wir etwa 1,5 Kilometer die Straße entlang, bevor der eigentliche Wanderweg linker Hand dem Flusslauf folgend abzweigt. Wir folgen dem Wanderweg etwa 2,5 Kilometer, und tatsächlich sind wir nicht die allerersten Wanderer, die unterwegs sind. Dennoch haben wir bei einem sehr beliebten Wasserfall-Motiv alle Zeit der Welt, ganz alleine und in Ruhe Langzeitbelichtungen zu machen. Die gesamte Landschaft am Fuße der Black Cuillin Mountains, die an diesem Vormittag mystisch in Wolken gehüllt sind, ist unglaublich malerisch, und wir genießen die Tour sehr.



Am frühen Mittag sind wir zurück bei unserem Offroad-Camper und frühstücken ausgiebig. Dann wollen wir uns auf den Rückweg Richtung Festland machen, aber uns trifft bei der Ausfahrt vom Parkplatz erst einmal der Schlag, denn es stauen sich wieder einmal hunderte Autos auf der engen, einspurigen, einzigen Zufahrtsstraße zu den Fairy Pools. Einige sportliche, tiefergelegte Pkw stecken im Matsch und den tiefen Schlaglöchern rechts und links des Asphalts fest. Ich steige aus und schaue, ob wir irgendwie behilflich sein können. Es wäre nicht das erste Mal, dass wir mit unserem Allrad-Fahrzeug Leuten aus der Patsche helfen. Nur in Schrittgeschwindigkeit bewegt sich die Blechschlange, und wir brauchen sicher 45 Minuten für die 4 Kilometer bis zur nächsten größeren Hauptstraße. Das Frühstück hätten wir uns besser gespart und wären sofort gefahren, als die Straße noch frei war. Nach vier Tagen im Massentourismus-Gebiet können wir es jetzt kaum erwarten, endlich wieder ruhigere Gegenden von Schottland zu erkunden und fahren weiter auf die unbekannte Halbinsel Ardnamurchan.
Wissenswertes:
→ Reisezeitraum? 25.-30. Juli 2024
→ Anreise? Wir sind mit unserem Offroad-Camper durch ganz Großbritannien und über die Skye Bridge bis auf die Isle of Skye hoch gefahren. Schneller geht die Anreise mit dem Flugzeug und einem Mietwagen. Glasgow, die Hauptstadt Schottlands, wird von verschiedensten Airlines angeflogen. Von dort sind es noch etwa 400 Kilometer bis auf die Isle of Skye. Neben der Brücke gibt es außerdem die Fährverbindung von Mallaig nach Armadale ganz im Süden der Insel.
→ Route? Kyleakin – Portree – Old Man of Storr – Kilt Rock – Staffin – Quiraing Mountains – Fairy Glen – Coral Beach – Neist Point – Fairy Pools – Armadale

→ Quartiere/Stellplätze? Wir waren relativ naiv und sind trotz Hochsaison ohne Reservierung auf die Isle of Skye gereist, was wir vor allem für die hoch frequentierte Ostküste nicht empfehlen können. Der erste Campingplatz bei Portree wies uns ab, weil voll. Der zweite etwas weiter nördlich bei Staffin hatte genau noch einen Stellplatz, den wir aus purem Glück ergattert haben, weil wir uns bereits mittags auf die Suche gemacht haben. Insgesamt hatten wir das Gefühl, dass es für die Masse der Besucher zu wenig Campingplätze gibt. Diese werden auch nicht vollgestopft, sondern sind einfach bei einer gewissen Anzahl von Reisenden „ausgebucht“. Wild campen ist offiziell nicht erlaubt! Wir können daher nur empfehlen, unbedingt vorzubuchen! Egal, ob du mit einem Camper, Zelt oder Auto und festen Unterkünften unterwegs bist.
→ ideale Aufenthaltsdauer? Ich würde empfehlen, dir insgesamt eine Woche Zeit für die Isle of Skye zu nehmen, mindestens aber 5 Tage. Obwohl die Fahrstrecken jeden Tag übersichtlich sind, gibt es unglaublich viel zu sehen und zu erleben. Oft sind die Straßen extrem schmal und man kommt wegen erhöhten Verkehrsaufkommens nur langsam voran. Außerdem ist man so flexibel genug für die entsprechend idealen Besuchszeiten der Sehenswürdigkeiten.
→ Gesamtkosten? Schottland und auch die Isle of Skye sind definitiv eher ein teures Reiseziel! Einkaufen und vor allem auch Essen gehen geht richtig ins Geld. Campingplätze kosten meistens 30€ aufwärts die Nacht (ohne Strom). Absolut jeder Parkplatz, auch die Wanderparkplätze, sind kostenpflichtig. Wir haben inklusive Sprit, Fähre, Campingplätzen, Verpflegung und Parkgebühren in den vier Tagen etwa 250€ für zwei Personen ausgegeben.
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17. Februar 2025 at 17:39
Hallo Julia,
danke für deinen ehrlichen Bericht und die enthaltenen Tipps.
Ich habe mir gestern noch Gedanken darüber gemacht, ob ich im Sommer lieber Richtung England-Schottland oder Schweden-Norwegen aufbrechen soll.
Entschieden habe ich mich noch immer nicht, aber ist ja noch n bisschen Zeit.
Liebe Grüße aus der Karibik
Annik
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18. Februar 2025 at 19:56
Hallo Annik,
herzlichen Dank für deinen Kommentar. Ich glaube, ich würde mich dann doch für Schweden-Norwegen entscheiden im Sommer. So toll die Schottland Fotos auch immer sind. Ich finde Skandinavien abwechslungsreicher, landschaftlich als auch wettertechnisch 😉
Liebe Grüße, Julia
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17. Februar 2025 at 20:10
Liebe Julia,
ich finds immer wieder erstaunlich, dass ich das erste Mal von Orten höre und die dann sogar schon als überlaufen gelten. Bei den Fotos muss ich aber auch sagen: ich kanns mir so gut vorstellen, dass man dahin will. Für mich als Naturliebhaberin, die alles auf dem Fußweg erwandert wäre, diese Insel ja wirklich der Traum.
LG, Janine
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18. Februar 2025 at 19:58
Liebe Janine,
absolut! Gerade zu Fuß kommst du auf der Isle of Skye sicher auf deine Kosten. Es gibt eine Menge toller Wandergebiete, wo man nach einigen hundert Metern auch kaum noch andere Touristen trifft!
LG, Julia
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