Seit vielen Jahren auf unserer Bucketliste, haben wir in diesem Sommer 2024 endlich einmal Schottland bereist. Vier Wochen nehmen wir uns Zeit für einen Roadtrip mit unserem Offroad-Camper durch den Hohen Norden Großbritanniens und versuchen wie immer, so viele landschaftliche Höhepunkte wie möglich zu erleben. Eine Woche davon verbringen wir auf der sogenannten North Coast 500, einer der Traumstraßen dieser Welt, die ab Inverness insgesamt 830 Kilometer entlang der atemberaubenden Nordküste Schottlands verläuft.

In fast allen Reiseberichten wird die Route übrigens im Uhrzeigersinn befahren und beschrieben. Da die Küstenlandschaft an der Westküste jedoch viel spektakulärer ist als im Osten, haben wir uns entschieden, die Route gegen den Uhrzeigersinn zu fahren, was sich als absoluter Volltreffer herausgestellt hat! Im folgenden Beitrag verrate ich dir nun alle unsere zehn persönlichen Highlights entlang der NC 500 sowie viele Reisetipps zu Entfernungen, Straßenverhältnissen, Unterkünften, Stellplätzen und ganz besonderen Orten. Bitte einsteigen und anschnallen!

1. Golspie Pier und Keiss Beach

Wie bereits erwähnt, bietet die Ostküste der NC 500 noch keine besonderen Höhepunkte, daher fahren wir von Inverness quasi an einem Tag die 195 Kilometer durch bis zum nordöstlichsten Punkt des schottischen Festlands. Einen kurzen Spaziergang legen wir nur im relativ hübschen Golspie ein, wo wir den Strand entlang laufen bis zum Golspie Pier, und weiter nördlich am weißen Keiss Beach. Dieser Strand erinnert uns mit seinen Dünen und den Beton-Resten einer ehemaligen Küstenabwehranlage sehr an Strände an der Nordseeküste Dänemarks. Kein Wunder, befinden wir uns doch quasi „gegenüber“ auf der anderen Seite der Nordsee.

Die abendliche Suche nach einem Stellplatz entpuppt sich dann leider als etwas mühsam. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, geschützt „wild“ zu stehen. Diese sind bereits belegt, weshalb wir bis zu einem kleinen Campingplatz auf einer Farm in Skarfskerry weiterfahren, wo wir eine ruhige Nacht verbringen.

Stellplatz: Little Croft Highlands Campside (1 Nacht).

2. Die Stacks of Duncansby

Am nächsten Morgen besuchen wir den ersten richtigen landschaftlichen Höhepunkt der NC 500, die Stacks of Duncansby. Vom Parkplatz am Leuchtturm Duncansby Head laufen wir über Schafs-Weiden bis zu den spektakulären, 60 Meter hohen, vor der Küste gelegenen Felsnadeln.

Auf einem der Felsen erblicken wir sogar ein paar Puffins, die putzigen Papageientaucher. Außerdem klettern wir an einem Seil hinunter bis zum Kiesstrand und bekommen so noch einmal eine ganz andere Perspektive auf die zerklüftete Klippenlandschaft.

3. Der Leuchtturm am Dunnet Head

Am frühen Mittag fahren wir 25 Kilometer weiter zum nördlichsten Punkt des britischen Festlands, dem Dunnet Head. Oberhalb des tosenden Meeres liegt hier malerisch ein 1831 erbauter Leuchtturm. Einige Wanderwege führen über die karge Halbinsel, doch der Wind bläst heute so stark und kalt, dass wir uns sehr bald wieder ins Auto zurückziehen.

4. Die malerische Umgebung von Bettyhill

Abends erreichen wir Bettyhill, wo wir die kommenden zwei Tage verbringen wollen, um die Umgebung zu erkunden. Hier finden wir nicht nur im Hinterland ein paar kurze Offroad-Tracks, die wir mit großer Freude befahren und die uns eine spektakuläre Aussicht auf die Küste ermöglichen, sondern wir wandern außerdem zum Schiffswrack der SS John Randolph am Torrisdale Beach. Zugegeben, viel ist davon nicht mehr übrig, dennoch lohnt sich die etwa 2-stündige Tour, die an einem kleinen Parkplatz hinter der Borgie Lodge beginnt.

Für den Ausblick und/oder den Sonnenuntergang und ein hervorragendes Abendessen lohnt sich außerdem ein Stopp am Bettyhill Hotel. Unbedingt vorab reservieren!

Quartier: Bettyhill Hotel (2 Nächte).

5. Die schottische Karibik

Hinter Bettyhill wird die NC 500 nun so richtig grandios, denn hier beginnt der Küstenabschnitt mit einigen der schönsten Strände Schottlands. Zunächst passieren wir 40 Kilometer hinter Bettyhill den Loch Eriboll View Point, von dem aus wir einen großartigen Blick auf den Strand der Privatinsel und die ihn umgebende Landschaft haben, ein tolles Fotomotiv.

Danach folgt 25 Kilometer weiter der traumhaft gelegene Ceannabeinne Beach, über den man auch an einer Zip Line sausen kann.

Der nahegelegene, von Felsen zweigeteilte, grandiose Durness Beach mit seinem bekannten View Point und dem oberhalb gelegenen Campingplatz Sango Sands Oasis ist zwar wahrlich kein Geheimtipp mehr, was ihn aber nicht weniger besuchenswert macht, weshalb auch wir hier eine Nacht verbringen und das ausnahmsweise einmal sommerliche Wetter genießen.

Und dann wäre da ganz am nordwestlichsten Punkt der NC 500 noch der wirklich spektakuläre Balnakeil Beach, dessen intensive Farben wir auf einer Wanderung bestaunen.

Stellplatz: Sango Sands Oasis Campsite (1 Nacht).

6. Der Allt Chranaidh Waterfall

Hinter Durness fahren wir auf der NC 500 nun wieder in südlicher Richtung, die Landschaft wird jedoch nicht weniger spektakulär, im Gegenteil. Immer wieder halten wir am Straßenrand, um zu fotografieren. Das sonnige Wetter in diesen Tagen hilft natürlich und lässt die Farben der hier unglaublichen Natur erst so richtig erstrahlen, wie hier am Assynt Viewpoint.

Danach geht es über die Kylesku Bridge zum Allt Chranaidh Waterfall. Wir parken Samu am Straßenrand, wo bereits einige Autos stehen, und laufen einen schmalen, holprigen Pfad bis zum sehenswerten Wasserfall. Mutige Menschen stürzen sich dort entweder ins eiskalte Nass oder klettern linker Hand einen steilen Pfad zum Kamm des Wasserfalls.

7. Die Assynt Halbinsel

Vom Wasserfall müssen wir nun wieder ein paar Kilometer zurück fahren nach Kylesku, um dem dortigen Abzweig der NC 500 auf die Assynt Halbinsel Richtung Drumbeg zu folgen. Die Straße ist ab hier verdammt schmal, ausschließlich einspurig, und wir erleben das ein oder andere enge Passier-Manöver mit anderen Fahrzeugen. Dieser Abschnitt ist definitiv nichts für größere Wohnmobile!

Landschaftlich gehört die Strecke jedoch zu meinen persönlichen Highlights auf der NC 500. Zunächst passieren wir den Drumbeg Viewpoint, von dem aus wir einen wunderschönen Blick auf die hiesige Schärenlandschaft vor der Küste haben. Ganz im Westen dieser Halbinsel liegt außerdem der Old Man of Stoer, eine weitere spektakuläre Felsnadel, die wir aber tatsächlich irgendwie übersehen. Wir passieren stattdessen das wunderschön auf einer Hochebene gelegene Clachtoll mit gleichnamigem Strand, an dessen Ortsausgang wir mit dem Clachtoll Car Park und Viewpoint am Nachmittag einen unserer schönsten wilden Stellplätze Schottlands erreichen. Die Aussicht ist einfach spektakulär und wir genießen hier einen traumhaften Abend mit einem Spaziergang in die felsige Umgebung.

Am nächsten Vormittag besuchen wir dann noch die beiden Traumstrände Achmelvich Bay und Vestey´s Beach, deren türkisfarben schimmerndes Wasser bei angenehmen Temperaturen tatsächlich zum Baden einlädt. Das Klima ist hier dank des Golfstroms deutlich milder als an der Nord- und Ostküste der NC 500.

Stellplatz: Clachtoll Car Park and Viewpoint (1 Nacht).

8. Loch Assynt und Ardvreck Castle

Hinter Lochinver wird die Straße wieder breiter und führt zunächst einige Kilometer am blaugrauen Wasser des Loch Assynt entlang. Fotografisch spannend sind hier einige kleine Inseln mit toten Bäumen darauf. Und außerdem die Burgruine des Ardvreck Castle, die wir zwar persönlich nicht besuchen, die ich aber an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen möchte.

60 Kilometer später erreichen wir Ullapool, die erste größere Stadt seit Tagen, in der wir erst einmal unsere Vorräte auffüllen und tanken müssen. Danach fahren wir noch einmal 80 Kilometer weiter bis nach Poolewe, wo wir auf einem Plateau mit Blick auf das Loch Maree übernachten. Der exponierte Platz rächt sich in der Nacht, als ein Sturm und Regen aufziehen und an schlafen nicht mehr zu denken ist.

Stellplatz: Geschottertes Plateau oberhalb des Viewpoints Loch Maree (1 Nacht).

9. Der Beinn Eighe Nature Park

In strömendem Regen fahren wir am nächsten Morgen weiter und passieren nach etwa 50 Kilometern den Beinn Eighe Nature Park, rund um den 1010 Metern hohen gleichnamigen Berg. Eigentlich hatten wir überlegt, hier, in Großbritanniens ältestem Naturreservat, zu wandern. Die Landschaft sieht wunderschön aus, doch das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung und wir fahren etwas enttäuscht weiter.

20 Kilometer später erreichen wir Shieldaig und es regnet immer noch. Daher beschließen wir, im gemütlichen Nanny´s zum Mittagessen einzukehren. Eine echte Empfehlung auf der Route!

10. Der Applecross Pass – Die höchste Passstraße Schottlands

Die weitere Strecke ist dann im Vergleich zu den letzten Tagen landschaftlich etwas eintönig: Rechts das Meer, links grüne Hügel. Doch 40 Kilometer später wird es noch einmal spannend, denn wir müssen zum Abschluss unseres NC-500-Roadtrips noch die Applecross Passstraße überqueren. Der Gebirgspass, der oft auch unter seinem gälischen Namen „Bealach na Bà“, was übersetzt so viel wie „Vieh-Pass“ heißt, zu finden ist, verbindet die Applecross Halbinsel mit Lochcarron. Eine enge, einspurige Straße windet sich dafür bis auf die Passhöhe von 626 Metern und wieder hinab, mit teilweise bis zu 20 Prozent Steigung. Während unserer Fahrt kommt erschwerend hinzu, dass wir wegen Nebels kaum etwas sehen. Und so werden die insgesamt 16 Kilometer mit zahlreichen Haarnadelkurven, Gegenverkehr und einzelnen Rennradfahrern dazwischen ein echtes Abenteuer. Zum großen Teil fahren wir nur Schrittgeschwindigkeit. Leider ist auch auf der Passhöhe außer Nebel nichts zu sehen, sodass wir hier oben nicht einmal anhalten. Doch ein Stückchen weiter, bereits auf der Abfahrt, reißen die Wolken auf und geben den Blick frei in ein weites Tal. Unten windet sich ein kleiner Fluss, der Allt a´Chumhaing, der bis ins Meeresloch Kishorn fließt. Schnell steuere ich Samu in einen völlig ausgefransten Passing-Place, damit wir dieses geniale Landschaftsfotomotiv festhalten können.

Und damit endet nach einer erlebnisreichen Woche unser Roadtrip auf der schottischen NC 500 und wir fahren weiter auf die Isle of Skye.

Wissenswertes:

Reisezeitraum? 19.-25. Juli 2024

Anreise? Wir sind mit unserem Offroad-Camper durch ganz Großbritannien bis nach Inverness, dem Startpunkt der NC 500, hoch gefahren. Schneller geht die Anreise mit einer Fähre oder dem Flugzeug und einem Mietwagen. Inverness wird zum Beispiel von der Airline Easy Jet angeflogen.

Route? Inverness – Golspie – Keiss – John o´Groats – Dunnet Head – Bettyhill – Durness – Clachtoll – Ullapool – Shieldaig – Applecross – Lochcarron

Quartiere/Stellplätze? Wir sind alle Campingplätze und wilden Stellplätze spontan angefahren. Meistens suchen wir über die App Park4Night. Auf vielen Abschnitten der NC 500 sind Campingplätze rar oder relativ klein. Man sollte nicht zu spät am Abend mit der Suche nach einem Stellplatz beginnen. Das Hotel in Bettyhill haben wir ebenfalls spontan über booking.com gebucht. Das war sicher ein glücklicher Zufall, dass dort für zwei Nächte so spontan etwas zu holen war.

ideale Aufenthaltsdauer? Ich würde empfehlen, dir insgesamt eine Woche Zeit für die NC 500 zu nehmen, mindestens aber 5 Tage. Obwohl die Fahrstrecken jeden Tag übersichtlich sind, gibt es unglaublich viel zu sehen und zu erleben. Oft sind die Straßen extrem schmal und man kommt nur recht langsam voran.

Gesamtkosten? Inklusive Sprit, Unterkünften, Campingplätzen, Verpflegung und Eintrittsgebühren haben wir auf diesem Roadtrip etwa 1100€ für zwei Personen ausgegeben.

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